Bad Kissingen
Investition

Abriss in der Maxstraße: Wohnungen statt Kurhäusern

In der Maxstraße weichen drei ehemalige Pensionen einer neuen Wohnanlage. Auf rund 1200 Quadratmetern sollen 15 barrierefreie Appartements entstehen.
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Ein Bagger reißt bei Schneetreiben eine Wand des ehemaligen Hauses Beck in der Maxstraße ein.  Fotos: Borst
Ein Bagger reißt bei Schneetreiben eine Wand des ehemaligen Hauses Beck in der Maxstraße ein. Fotos: Borst
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Haus Wolf, Haus Herbert, Haus Beck. Vor dem Krieg gebaut, haben die ehemaligen Pensionen an der Ecke Maxstraße und Theresienstraße ihre besten Zeiten hinter sich. Jetzt werden sie abgerissen. "Sie haben als Einzelhäuser keinen Sinn mehr gemacht", sagt Eigentümerin Vera Söder, Geschäftsführerin von Metallbau Söder aus Oberthulba. Vom Haus Beck ist nicht viel mehr als ein Trümmerhaufen geblieben. In den kommenden Wochen arbeitet sich der Abrissbagger dann Stück für Stück in Richtung Maxstraße vor. Auf dem Areal soll ein 1200 Quadratmeter großer, barrierefreier Wohnkomplex mit 15 altersgerechten Wohnungen entstehen.

Haus Beck und Haus Herbert haben früher zusammengehört, wurden nach dem Krieg aber getrennt und gehörten lange verschiedenen Eigentümern, bis von den Söders gekauft wurden. "Im Haus Beck war im Erdgeschoss eine Schreinerei untergebracht, die Wohnungen im Obergeschoss waren vermietet", erinnert sich Vater Horst. Während die beiden Gebäude zwar veraltet waren, aber bis vor kurzem noch genutzt wurden, steht die Pension Wolf schon seit Jahren leer und war zu einer Bauruine verfallen. Und das in bester Lage, in unmittelbarer Nähe zum Rosengarten und zur Fußgängerzone. "Das war ein Schandfleck", findet Vera Söder.


Neuplanung wegen Heilquellen

Schon vor fünf Jahren haben die Söders damit begonnen, die viergeschossige Wohnanlage zu planen. Das Vorhaben entwickelte sich allerdings als langwieriger und komplexer, als angenommen. "Wir sind im Moment am umplanen. Unser erstes Konzept war nicht realisierbar", sagt Vera Söder. Der Grund dafür befindet sich in mehreren Metern Tiefe im Boden: die Kissinger Heilquellen. "Der Maxbrunnen läuft unter dem Grundstück durch", erklärt sie. Bei der ursprünglichen Planung hätte das neue Gebäude mit rund 50 Pfahlbohrungen gegründet werden müssen, das Projekt hätte sich erheblich verteuert. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, wird das Gebäude jetzt kleiner, ohne Tiefgarage und dafür mit oberirdischen Stellplätzen geplant. Dadurch werden deutlich weniger Pfahlgründungen benötigt. In den nächsten Wochen sollen die überarbeiteten Entwürfe bei der Stadt zur Genehmigung eingereicht werden.

"Mir ist es wichtig, dass wir nicht noch einen Seniorenkomplex hinstellen", sagt die Diplom-Ingenieurin. Baulich sollen in der Wohnanlage viele Dinge berücksichtigt werden, die es den künftigen Mietern ermöglichen, bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Vom barrierefreien Zugang über rollstuhlgerechte Balkons und Bäder bis zum Begegnungsraum im Erdgeschoss gegen Vereinsamung. Sogar ein spezielles Lichtkonzept im Trepppenhaus ist angedacht. "Das soll so ausgeleuchtet werden, dass jemand, der altersbedingt schlecht sieht, die Treppe gut wahrnimmt", erklärt Söder. In einigen Wohnungen könne sie sich auch technische Assistenzsysteme vorstellen, die sonst eher in der ambulanten Pflege zum Einsatz kommen.


Smartes Haus für Senioren

Möglichst lange und selbstbestimmt in der eigenen Wohnung zu leben, sei ein großer Wunsch vieler Menschen. "Kaum einer sagt später, ich will jetzt ins Heim", meint Sebastian Dresbach, Geschäftsführer des Zentrums für Telemedizin (ZTM)in Bad Kissingen. Das Zentrum rüstet Wohnungen nachträglich mit solchen Systemen aus, oder installiert sie schon beim Bau direkt mit der Haustechnik.

Grundausstattung ist oft ein seniorengerechtes Tablet, mit dem die Nutzer Videotelefonate mit Angehörigen führen, die Heizung fernbedienen sowie die Haustüre öffnen können. Neben der Bequemlichkeit spielt die Sicherheit eine große Rolle. Dresbach: "Das fängt damit an, dass nachts ein Orientierungslicht angeht, wenn man auf die Toilette geht." Und es hört damit auf, dass sich der Herd selbst abschaltet, wenn sich länger niemand in der Küche aufhält.

Wichtig ist auch die Sturzerkennung etwa über Bewegungsmelder. Bemerkt die Technik beispielsweise, dass sich nachts eine Person ungewöhnlich lang im Bad aufhält und nicht mehr bewegt, schlägt sie Alarm. Das ZTM kooperiere aus diesem Grund immer mit einem Pflegedienstleister, es könnten aber auch Angehörige alarmiert werden. "Wenn etwas Alarm schlägt, muss auch jemand reagieren", betont er.
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