Bad Kissingen
Abbriss

Abbruch "Steigenberger": 5 Sterne zerfallen zu Staub

"Das Steigenberger" ist Geschichte. Arbeiter reißen das ehemalige Kurhaushotel mit schwerem Gerät ab. Bis nächste Woche soll von dem Gebäude nicht viel übrig bleiben.
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Foto: Carmen Schmitt
Foto: Carmen Schmitt
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Mit einer schweren Metallzange frisst sich der Baggerfahrer durch die Innereien des ehemaligen Kurhaushotels Steigenberger. Wo sich gutbetuchte Gäste einst im Fünf-Sterne-Luxus entspannte Tage gegönnt haben, türmt sich heute Bauschutt. Seit Dienstagnachmittag geht es dem Gebäude an die Substanz. Der Abbruch des Hotels ist eingeläutet.

Bruno Di Fabio hält inne. Wie viele andere Passanten bleibt er vor dem aufgerissenen Gebäude stehen. Die meisten, die heute an dem ehemaligen Hotel vorbei gehen, kennen es nur von außen. Bruno Di Fabio hat einen anderen Blick auf das Steigenberger. Der 64-Jährige kennt es von innen. Anfang der 70er-Jahre hat er dort als Kellner gearbeitet. "Es ist schade, dass es so kommt", sagt er, "aber für Kis singen ist es gut so." Für ihn war das Steigenberger der "Stützpunkt" der Stadt. Dass dieser eingerissen wird, ist für ihn klar: "Das Gebäude war nicht mehr auf dem neuesten Stand, auch eine Renovierung hätte das nicht geschafft."

Schutz für Maxquelle
Eine blaue Schneekanone sprüht Wassertropfen nach oben. Sie sollen verhindern, dass zu viel Staub durch die Luft wirbelt - eine der Auflagen, an die sich Abbruchunternehmen und Ingenieurbüro halten müssen. Eine weitere ist es sicherzustellen, dass die Maxquelle nicht verunreinigt wird, etwa durch einsickerndes Hydrauliköl. Das soll durch eine Bodenplatte aus Beton gewährleistet werden, erklärt Christian Baumann, der die Planung und Bauleitung hat.

Fünf Wochen lang haben Arbeiter im Inneren des Hotels gewerkelt, Zwischenwände und  -decken entfernt und die Vorarbeit geleistet. "Deshalb geht es jetzt recht zügig", sagt Christian Baumann. Stück für Stück nagt die Zange an Holzbalken und Wänden bis sie nachgeben und mit einem Krach zu den anderen Trümmern stürzen.


Entsorgung eines Luxus-Hotels
Starke Erschütterungen darf es bei den Abbrucharbeiten nicht geben - aus Rücksicht auf die Maxquelle. Hartmut Holzheimer vom Bad Kissinger Wasserwirtschaftsamt vergleicht die Situation mit einem Glas Mineralwasser: "Wackelt das Glas, sprudelt die Kohlensäure heraus." Damit der Heilquelle das nicht passiert, wird sie regelmäßig kontrolliert. Gesundheitsamt, Staatsbad und ein beauftragtes Institut tragen Sorge für die richtigen Werte des Wassers und schlagen bei Bedarf Alarm, sagt Hartmut Holzheimer. Mit dem Abriss allein ist es nicht getan. Die Firma, die den Abbruch übernimmt, ist damit beschäftigt, die Baumaterialien zu trennen und zu entsorgen. "Bauschutt, Holz, Bodenbeläge, Gipswände - da ist alles dabei", sagt Geschäftsführer Florian Bock.

Bis nächste Woche soll von dem ehemaligen Kurhaushotel nicht mehr viel übrig sein. Dann wird eine Wunde in der glanzvollen Promenade der Kurstadt klaffen. Wie lange es braucht, um die wieder zu heilen, ist nicht klar.


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