Bad Kissingen
Winterzauber

A very british sense of humour

Das "Ukulele Orchestra of Great Britain" bot im Bad Kissinger Regentenbau mehr als nur erstklassige und mitreißende Musik. Zu den raffinierten Arrangements gab es Spaß und Ironie zuhauf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Ukulele Orchestra of Great Britain bei seinem Auftritt im Großen Saal des Regentenbaus.  Foto: Ahnert
Das Ukulele Orchestra of Great Britain bei seinem Auftritt im Großen Saal des Regentenbaus. Foto: Ahnert
+2 Bilder
Meist sitzen sie ja ganz brav in einer ordentlichen Reihe, die (in Bad Kissingen) sieben Spieler des Ukulele Orchestra of Great Britain. Sie sind auch sehr konventionell gewandet in Abendkleidern und dunklen Anzügen mit Fliege. Aber sonst ist eigentlich nichts konventionell und geradlinig und ordentlich an diesem so rundum britischen Weltexportschlager, der nach einer Neuseelandtournee im Bad Kissinger Regentenbau Station machte.

Es war als Gag gemeint, dass 1985 acht Musiker mit verschieden großen Ukulelen auftraten, und es ist eine Kultshow geworden, die das Chaos zum wohlkalkulierten Prinzip macht, den englischen Volkssport, in Andeutungen und Wortspielen zu reden, zur Conference - und die mit ebenfalls typisch englischem Understatement Musik vom Feinsten bietet.


Popstars in Abendgarderobe

Den Beat macht Jonty Bankes, der sich mit Bachs "Badinerie" auch als Pfeifgenie zeigte, auf seiner Bassgitarre, die natürlich Bass-Ukulele genannt wird. Ansonsten spielen alle auf diesen kleinen bis winzigen Mini-Gitarren, denen man eher eine Eignung zum Kinderspielzeug zutraut als die wilden, funkigen Töne, die die Damen und Herren ihnen entlocken, wobei Dave Suich ganz un-gentlemanlike seine Haare wie ein Irrwisch fliegen lässt, ganz Popstar in Ekstase. Aber sie können auch anders: wunderschöne zarte Soli, kristallklares Konzertieren zweier Solisten miteinander, wunderbar leise Klänge, was alles nichts zu tun hat mit den undifferenzierten Skiffleklängen der frühen Tage der Ukulele.
Aber das Ganze war kein Ukulelenkonzert. Es ist für die Ensemblemitglieder selbstverständlich, dass alle singen können und damit so alles covern, was die Pop-, Country-, Film- und Folkmusik für ihre Besetzung hergibt, von Ennio Morricones berühmter Titelmelodie zu "The Good, the Bad and the Ugly" überLady Gagas "Born this Way", Joni Mitchells "A Case of you", Patti Smiths "Dancing Barefoot". Von Kraftwerks "Sie ist ein Model" zu Nirvanas "Smells like Teen" zu ihrer Version von Johnny Cashs "Orange Blossom Special", wo es diesmal nicht nach Florida ging, sondern nach Nürnberg.
Weihnachten blieb erstmal außen vor, mit Ausnahme eines Wort, so die Ansage zu "Her Name is Noelle" ("A Teenage Dirtbag"), bis die allerletzte Zugabe dann doch den Bogen zum Fest schlug: "Stille Nacht", auf Deutsch. Und das alles so perfekt gesungen, dass man die Originale darüber vergessen konnte.
Nicht verwunderlich also, dass sie auch schon in den britischen Charts auftauchten mit "Dy-Na-Mi-Tee", gesungen von Hester Goodman. Leisa Rea, die zweite Frau im Orchester, heizte das Publikum mit ihrer funkigen Version von "Freak out" zu Beifallsstürmen auf. Die Männer gaben Johnny Cash und "Kraftwerk" oder den Männerhit "I'm a Roadrunner".


Ein Gesamtkunstwerk

Aber das Ganze war nicht nur ein Abend mit mitreißend musizierter und gesungener Popmusik des 20. und 21. Jahrhunderts. Was das Geheimnis der Briten ausmacht, ist nicht nur virtuoses Saitenzupfen und mitreißender Gesang. Sie treten auf als Gesamtkunstwerk. Und dessen Bindemittel ist ihr "very British sense of humour".
Der findet sich nicht nur zwischen den einzelnen Musikstücken. Wenn alle um eine winzige Ukulele rangeln und dabei - musikalisch vollkommen sauber natürlich - die Intro zu "Let's Spend the Night together" spielen oder wenn sie in ihrer Abendgarderobe ausrastende Popmusiker parodieren, dann ist das schon Humor in der Musik.
Wo der aber auf die Musik übergreift und zu einem völlig neuen Verständnis von "Medley" führt, dann ist das die hohe Kunst raffinierten Arrangierens und Komponierens. Aus einem kleinen Sketch als Vorgeplänkel, in dem sie sich streiten, was sie als zweite Zugabe spielen wollen, entwickeln sie aus einer kurzen Intro von Georg Friedrich Händel eine übereinander, zwischeneinander, durcheinander gespielte und gesungene Kompaktversion aus "Fly me tot he moon", "Don't you think it's time", "Killing me softly" und "On a dark desert highway". Eine irre komplizierte Struktur, die aber trotzdem mitreißende Musik ist.

class="artZwischenzeile">
Zuhören und staunen

Und auch sonst gab es Späßchen und Ironie zuhauf. Das Publikum hatte ständig zu schauen neben dem Zuhören und Staunen ob der raffinierten musikalischen Texturen und es konnte lachen über all das, was da abging, einen ganzen Abend lang.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren