Bad Kissingen
Klare Sache

Zwischen den Welten

Das Trio des Mandolinisten Avi Avital spielte im Kurtheater Musik aus aller Welt.
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Der Mandolinist Avi Avital war mit der Akkordeonistin Ksenija Sidorova und dem Perkussionisten Itamar Doari zu einem interessanten Konzert ins Kurtheater gekommen. Foto: Ahnert
Der Mandolinist Avi Avital war mit der Akkordeonistin Ksenija Sidorova und dem Perkussionisten Itamar Doari zu einem interessanten Konzert ins Kurtheater gekommen. Foto: Ahnert
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Avi Avital, 1978 in Israel geboren, hat wie kaum ein anderer sein Instrument wieder ins Gespräch gebracht: die Mandoline. Sie war im späten 19. und 20. Jahhrundert als Soloinstrument ziemlich in den Hintergrund gedrängt worden , was auch zur Folge hatte, dass es kaum noch Literatur für dieses achtsaitige Zupfinstrument gab. Avital war und ist einer, der mit seinen Konzerten, seinen ungewöhnlichen Programmen und seinen Aufträgen die Komponisten und Arrangeure wieder
auf die Spur gebracht hat, für die Mandoline zu schreiben.

Vor ein paar Jahren ist Avital schon einmal im Großen Saal als Solist der Berliner Symphoniker beim Neujahrskonzert aufgetreten. Jetzt war er im Kurtheater mit seinem Trio zu Gast. Das ist neben Avi Avital zum einen die lettische Akkordeonistin Ksenija Sidorova, eine fabelhafte Virtuosin mit unglaublich schnellen Fingern, die ohne jede Registrierung ausßerordentlich farbig spielte und mit größter Aufmerksamkeit und Spontaneität rhythmisch und harmonisch die Mandoline begleitete, aber auch herausforderte. Es war erstaunlich, wie gut die beiden Instrumente zusammenpassten. Und mit ihrer Spielweise und ihrer Präsenz war Ksenija Sidorova die heimliche Gewinnerin des Abends.

Der andere Partner war Itamar Doari, ein Landsmann von Avi Avital und ein international gefragter Perkussionist. Sagen wir mal so - in der Hoffnung, dass er nicht allzu böse ist: Er lieferte mit kleinem, aber zweckmäßigem Instrrumentarium - Trommel, Rahmentrommel, Darbuka, Cajón, ein paar Schellen und anderem Instrumentarium sehr schöne rhythmische Aromen. Aber wirklich gebraucht hätte man das nicht, denn Mandoline und Akkordeon - wenn man es so spielt wie Ksenija Sidorova - können schon stark perkussiv sein.

"Zwischen den Welten" hieß das Programm, was man geographisch verstehen konnte, aber auch klanglich. Denn die Mandoline ist kein Instrument, mit dem man einen Klangfarbenzauber veranstalten kann. In der Hinsicht ist das mit Plektron gepielte Zupfinstrument relativ eingeschränkt. Was seine Stärke ist, ist die Präsenz und Klarheit des einzelnen Tons, ist seine Intensivierung durch Tremolo.

Deshalb war die Musik, die Avi Avital und seine Kollegen spielten, umso interessanter, je weiter sie sich von der westeuropäischen Musik entfernte. Die Bearbeitungen von Bachs Violinsonate BWV 1019 (Allegro) und der Sarabande aus der Ouvertüre BWV 831 oder Fritz Kreislers Präludium und Allegro waren putzig, aber man kennt sie halt. Aber schon Béla Bartóks Rumänische Volkstänze waren außerordentlich spannend, weil die ungewohnten Harmonien und Rhythmen so deutlich wurden wie selten. Und das galt umso mehr für Volkslieder aus der Türkei, Israel oder Bulgarien. Bei Sulkhan Tsintadzes Miniaturen nach georgischen Volksweisen hörte man plötzlich, wo die Griechen ihren Sirtaki herhaben. Manuel de Fallas Siete caciones epsañoles waren sehr gut anzuhören, aber es gibt sie halt schon in so vielen Bearbeitungen. Bei Heitor Villa-Lobos' Bachianas Brasileiras Nr. 5 konnte man dafür entdecken, was für eine großeartige kontrapunktische Musik das ist.

Nikolai Budashkins Konzert a-moll für domra, die russsiche Mandoline, war die einzige Originalkomposition, ein hinreißendes Virtuosenfutter. Als Zugabe gab's noch Vittorio Montis "Csárdás".
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