Dittlofsroda
Schule

Zwei weitere Flexi-Schulen im Landkreis Bad Kissingen

In der Grundschule Dittlofsroda können sich Kinder ein, zwei oder drei Jahre Zeit für die Eingangsstufe nehmen. Bisher war das die einzige Flexi-Schule im Landkreis, am Freitag werden in München zwei weitere gekürt.
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Die Kugelbahn in der Grundschule Wartmannsroth ist zwar eigentlich ein physikalisches Experiment, könnte aber auch symbolisch für das Konzept der Schule stehen: Wie auf den drei Bahnen können Kinder wie Erik (Mitte) und Laurin (rechts) die Eingangsstufe in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen. Schulleiterin Monika Hügel (links) hat die Einführung der Flexiblen Grundschule 2010 begleitet. Foto: Ralf Ruppert
Die Kugelbahn in der Grundschule Wartmannsroth ist zwar eigentlich ein physikalisches Experiment, könnte aber auch symbolisch für das Konzept der Schule stehen: Wie auf den drei Bahnen können Kinder wie Erik (Mitte) und Laurin (rechts) die Eingangsstufe in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen. Schulleiterin Monika Hügel (links) hat die Einführung der Flexiblen Grundschule 2010 begleitet. Foto: Ralf Ruppert
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Laurin ist sieben Jahre alt, Erik elf. Beide besuchen die jahrgangsgemischte 3. und 4. Klasse der Grundschule Dittlofsroda, Larin in der 3. und Erik in der 4. Jahrgangsstufe. Dass sie aber nicht nur ein, sondern mehr als drei Jahre trennt, hat viel mit dem Konzept der Grundschule Wartmannsroth zu tun: Die Einrichtung im Gemeindeteil Dittlofsroda war die erste und bisher einzige Flexible Grundschule im Landkreis. "Das Modell hat sich in Wartmannsroth sehr gut bewährt", sagt Schulrat Josef Hammerl und freut sich, dass im kommenden Schuljahr zwei weitere Flexi-Schulen dazukommen. Die entsprechenden Urkunden werden am Freitag in München überreicht.

Entscheidung kann immer fallen

"Ich find's gut", sagt Laurin über die Flexible Grundschule. Der Siebenjährige ist seit Einführung des neuen Konzepts im Jahr 2010 der erste, der die Eingangsstufe in nur einem Jahr gemacht hat. Für ihn ganz persönlich hat das vor allem einen Vorteil: "Dadurch bin ich jetzt mit meinen beiden Schwestern in einer Klasse." Wann genau er im jahrgangsgemsichten Unterricht nicht mehr die Aufgaben der Erst-, sondern die der Zweitklässler bekommen hat, weiß Laurin gar nicht. Hier kann Schulleiterin Monika Hügel aushelfen: "Bei Laurin hat sich das schon relativ früh gezeigt, zum Halbjahr stand es dann in Absprache mit den Eltern fest."

Häufiger länger als kürzer

Auch an der Flexiblen Grundschule in Dittlofsroda ist für die meisten Schüler die zweijährige Eingangsstufe die Regel: Im Schnitt 16 von 18 Kindern wechseln im dritten Jahr auch in die 3. Klasse. Zu den bisher zehn Kindern seit 2010, die sich in der Eingangsstufe drei Jahre Zeit gelassen haben, gehört Erik. "Mir gefällt's gut", sagt auch der Elfjährige über seine Grundschulzeit. "Bei Erik haben wir am Ende der 2. Klasse entschieden, dass ihm ein weiteres Jahr in der Eingangsstufe gut tun würde, natürlich auch zusammen mit den Eltern", berichtet Monika Hügel und sieht sich jetzt, rund zwei Jahre später, bestätigt: "Erik hat sich gut entwickelt." Dabei haben Erik und Laurin übrigens den gleichen Berufswunsch: Landwirt.
Wegen der guten Erfahrungen in Wartmannsroth stand es für Schulrat Josef Hammerl auch außer Frage, weitere Schulen zu unterstützen: "Wir als Schulamt können uns dieses Modell überall vorstellen." Das sei auch daran abzulesen, dass sich heuer eine der kleinsten und eine der größten Grundschulen im Landkreis beworben haben: In Motten werden aktuell 58 Schüler unterrichtet, in Burkardroth rund 240, davon rund 80 am Standort Lauter und 160 in Premich. "Beide Schulen haben vor Jahren erfolgreich die Jahrgangsmischung eingeführt", weist Hammerl auf die wichtigste Gemeinsamkeit hin.

Ab Herbst 188 Grundschulen

"Wir haben schon seit 2010 den Modellversuch in Wartmannsroth mitverfolgt", berichtet die Mottener Schulleiterin Sabine Storch-Leibold. 2010 wurde in Motten die Jami-Klasse 1/2 eingeführt, ein Jahr später ging es mit 3/4 weiter. Nun mit der Flexiblen Grundschule fortzufahren, sei ein einstimmiger Beschluss des Kollegiums gewesen - "natürlich in Abstimmung mit den Eltern". Motten und Burkardroth gehören zu insgesamt 37 Grundschulen, die morgen die Urkunde als Flexi-Schule ab Herbst bekommen. Bereits eingeführt wurde das Modell in Bayern an 151 Schulen.

Zahlen 21 Grundschulen mit insgesamt 154 Klassen gibt es laut dem Staatlichen Schulamt aktuell im Landkreis Bad Kissingen. Zu Beginn des Schuljahres wurden 3058 Grundschüler unterrichtet, das ergibt einen Durchschnitt von 19,8 Kindern pro Klasse.

Jahrgangsmischung Die jahrgangsgemischten oder Jami-Klassen sind - trotz steigender Zahlen gerade in kleineren Grundschulen - noch eher die Ausnahme: In 31 Klassen werden Erst- und Zweitklässler zusammen unterrichtet. Schüler der 3. und 4. Klasse lernen nur in elf Klassen gemeinsam.
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