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Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Zwei Königskinder auf dem Podium

Der Cellist Daniel Müller-Schott und der Pianist Martin Stadtfeld sind zwei hoch gehandelte Stars der mitteljungen Generation.
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Der Cellist Daniel Müller-Schott und der Pianist Martin Stadtfeld nach ihrem Konzert im König-Ludwig-I.-Saal. Foto: Ahnert
Der Cellist Daniel Müller-Schott und der Pianist Martin Stadtfeld nach ihrem Konzert im König-Ludwig-I.-Saal. Foto: Ahnert
Sie wurden nach ihrem Konzert vom Publikum gefeiert: der Cellist Daniel Müller-Schott und der Pianist Martin Stadtfeld, zwei hoch gehandelte Stars der mitteljungen Generation. Sie hatten Erwartungen bedient, und da war das auch in Ordnung. Aber ob sie selbst mit ihrem Konzert zufrieden waren? Man möchte es eigentlich nicht hoffen.
Schon das Programm machte nicht wirklich neugierig. Abgesehen von Johann Sebastian Bachs G-dur-Gambensonate, die nicht allzu fordernd ist, hatten die beiden ein stilistisches Zeitfenster von nicht einmal 20 Jahren geöffnet und mit Franz Schuberts Arpeggione-Sonate, Ludwig van Beethovens Cello-"Letztling" C-dur op. 102/2 und Felix Mendelssohn-Bartholdys Cello-"Erstling" D-dur op. 58 gefüllt - nichts aus dem 20. Jahrhundert mit wirklich spannenden Kompositionen für ihr Fach, die spektakulär zur Sache gehen.
Und dann fiel auch ziemlich schnell auf, dass die beiden Musiker nicht allzu gut vorbereitet nach Bad Brückenau gekommen waren. Abgesehen davon, dass sich Müller-Schott einige in seiner Liga eher ungewöhnliche Ungenauigkeiten gestattete und in der Bachsonate nicht immer ganz auf der Höhe des Geschehens war und sich in die suchende Simulation zurückzog, konnte von einem echten Zusammenspiel, einer präzisen Interaktion nicht die Rede sein. Vor allem im ersten Teil kamen sie nur selten gemeinsam auf die Eins, weil einer auf den anderen wartete.
Aber man konnte - oder musste - auch schnell zur Kenntnis nehmen, dass keiner von beiden sich Gedanken über ein Gestaltungskonzept gemacht hatte. Sie spielten zwar zeitgleich dieselben Stücke, aber sie spielten nicht miteinander, spielten nicht aufeinander zu, griffen keine Gestaltungslösungen des anderen auf - weil es freilich auch kaum welche gab. Sondern sie waren intensiv mit ihren Noten beschäftigt. Die Konsequenz war absolute Gleichförmigkeit und Austauschbarkeit. Daniel Müller- Schott lieferte seinen Notentext ab, und Martin Stadtfeld stellte sich zu Beginn auf ein pedalgetränktes Mezzoforte ein, das er unter Vermeidung irgendwelcher Phrasierungen und Zäsuren den ganzen Abend durchhielt.
Nur in der Exposition der Beethoven-Sonate kam Hoffnung auf: Da langte sogar Martin Stadtfeld hin und spielte mit überraschender Verve. Aber muss wohl selber erschrocken sein, denn sehr schnell zog er sich wieder in sein abendfüllendes Gemurmel zurück. Schade!
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