Großwenkheim
Rückschau

Zwei Dörfer feiern ihre Geschichte

Vor 1225 fand die erste urkundliche Erwähnung von "Wenkheim" statt. 1988 wurde das Ereignis in einem bislang einmaligen Fest gebührend gefeiert. Noch heute erinnert man sich an den großen Zusammenhalt und die Gemeinschaftsleistung.
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Festwagen zur Stiftung der Pfarrei 1046: Fred Marschall schlüpfte in die Rolle des Bischofs Suidger. Foto: Archiv Then
Festwagen zur Stiftung der Pfarrei 1046: Fred Marschall schlüpfte in die Rolle des Bischofs Suidger. Foto: Archiv Then
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Manfred Marschall erinnert sich noch gut - und gerne.Er spricht von einer sehr intensiven und arbeitsreichen Zeit, aber auch von einem tollen Erfolg. "Es ist kaum zu glauben, dass es schon wieder 25 Jahre her ist", sagt er. 1988 feierten Großwenkheim und Kleinwenkheim gemeinsam 1200 Jahre, in einem eindrucksvollen Fest. Die Fäden liefen bei Marschall für Großwenkheim, und bei Helmut Klöffel für Kleinwenkheim zusammen.

Besonders beeindruckt hat
Marschall, "dass die Mehrzahl der Einwohner beider Orte aktiv mitgewirkt und prima zusammengearbeitet haben." Egal, was zu tun war, ob Material sammeln, Wägen oder Nachbildungen bauen, den Festzug organisieren und so manches mehr, immer hätten die Bürger mitgezogen. "Ob das heute noch in diesem Umfang und mit diesem Aufwand möglich wäre?", fragt sich der heute 80-Jährige. Viele organisatorische Aufgaben hatte Marschall. Daneben wirkte er beim Festzug als Bischof Suidger und beim Theaterstück als Mönch mit.

Die Interessengemeinschaft 1200 Jahre Groß- und Kleinwenkheim hatte in Zusammenarbeit mit der Stadt Münnerstadt für die Feierlichkeiten vom 1.Juli bis 4.Juli 1988 anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung der Gemarkung Wenkheim vor 1200 Jahren ein umfangreiches Festprogramm zusammengestellt, bei dem viele Einwohner mitwirkten, nicht selten in Mehrfachfunktion.

Umfangreiche Dorfchroniken

Eine ganze Reihe von Personen, die ganz wesentlich zum Gelingen des Festes beitrugen, sind inzwischen verstorben. Stellvertretend seien Rektor Günther Katzenberger, sowie der Heimatforscher Wendelin Völk aus Kleinwenkheim und der damalige Kreisheimatpfleger Josef Wabra genannt. Sie brachten rechtzeitig Dorfchroniken heraus, die exzellente Fundgruben von unschätzbarem Wert über die Geschichte von Großwenkheim und Kleinwenkheim sind.

Zahlreiche Programmpunkte prägten das mehrtägige Jubiläum, das gemeinsam in Großwenkheim gefeiert wurde. Höhepunkte waren der Festakt in der Pfarrkirche, der Festgottesdienst, zelebriert von Weihbischof Alfons Kempf und als Hauptattraktion der große historische Festzug mit über 60 verschiedenen Wägen und Gruppen. Den Festvortrag hielt der gebürtige Großwenkheimer Albin Dannhäuser, heute Ehrenpräsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Dannhäuser zitierte in seiner geschichtlich geprägten, stets heimatbezogenen Rede auch aus der Schenkungsurkunde aus dem Jahre 788. "Unser Herr und Erlöser, der Sohn Gottes, mahnt uns und sagt: Gebt Almosen und alles wird Euch rein sein. Daher schenken ich, Matto, und mein Bruder Megingoz zum Heil unserer Seelen und um unsere Sünden abzuwaschen und um uns in Zukunft Gnade zu verdienen ... dem Kloster Fulda des heiligen Bonifatius den Teil unseres Erbes und was wir an Eigentum haben in den Orten, deren Namen folgende sind ... unter ihnen auch Wenkheim (Wangheim) im Gau Grabfeld."

"Heimat heißt Verantwortung"

Dannhäuser betonte in seiner Festrede besonders, dass damals nicht nur Grund und Boden, sondern auch Menschen, "unsere Vorfahren", verschenkt wurden, nur weil Matto und Megingoz ihre Sünden reinwaschen wollten. Die Menschen wollten aber nur dem Heimatboden das tägliche Brot abringen und in Würde und Freiheit leben. Stark ging Dannhäuser auf den Begriff "Heimat" ein. Heimat sei vor allem Prägung in der Kindheit und Jugend. Heimat bedeute immer auch Teilhabe an der Gemeinschaft mit anderen. Heimat bedeute aber immer auch Übernahme von Verantwortung. "Unsere Geschichte und unsere Heimat sind für uns Erbe und Auftrag", so Dannhäuser, inzwischen 70 Jahre alt, aber ein exzellenter Kenner der Dorfgeschichte.

Große Sorgen machte den Einwohnern der beiden Orte das Wetter am Sonntag, 3.Juli 1988. Doch rechtzeitig kam der Sonnenschein und so konnte ein farbenprächtiger Festzug als Höhepunkt der Feierlichkeiten durch die Hauptstraße ziehen. Viele tausend Besucher, die parkenden Autos standen bis Kleinwenkheim, waren erstaunt, was die beiden Dörfer auf die Beine gestellt hatten. Die Darstellung historischer Ereignisse und Eindrücke aus dem Leben der Bauern, Adligen und Mönche reichte von 788 bis zur Gegenwart.

Mit viel Liebe zum Detail und enormem Zeitaufwand wurden Wägen gezimmert, Gebäude, wie die Pfarrkirche maßstabsgetreu nachgebaut, Kostüme genäht und Wappen mit Blumen nachgelegt. Die 1200-jährige Geschichte wurde sehr anschaulich präsentiert.
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