Bad Kissingen
Freiwilligendienst

Zivis werden schmerzlich vermisst

Das Rote Kreuz wirbt um Jugendliche. Bislang können Freiwillige den Wegfall des Zivildienstes nicht ausgleichen.
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Nicole Webert (25, links) aus Stangenroth lässt sich von BRK-Bildungsreferentin Nadine Hartwich beraten über den Freiwilligendienst beraten.   Foto: Sigismund von Dobschütz
Nicole Webert (25, links) aus Stangenroth lässt sich von BRK-Bildungsreferentin Nadine Hartwich beraten über den Freiwilligendienst beraten. Foto: Sigismund von Dobschütz
Bad Kissingen — Für den Einsatz als Helfer im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder des ebenfalls einjährigen Bundesfreiwilligendienstes wirbt in diesen Tagen der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) um Jugendliche. Nach Wegfall des Zivildienstes ist das BRK auf diese Freiwilligen angewiesen. Andererseits ermöglicht ein solcher Einsatz den Jugendlichen oft einen leichteren Einstieg ins Berufsleben.
"Ich würde gern Krankenschwester
werden", begründet Nicole Webert aus Stangenroth ihre Bereitschaft zum Jugendfreiwilligendienst beim Roten Kreuz. Vieles hat sie schon aus dem Internet erfahren, aber von BRK-Bildungsreferentin Nadine Hartwich lässt sie sich ausführlich über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten während eines Einsatzjahres beraten. Diese reichen von der Arbeit mit psychisch Kranken über den Einsatz in pädagogischen Einrichtungen bis zur Hilfe im Altenheim. Doch Webert hat feste Vorstellungen: Sie will unbedingt in die Krankenpflege und nicht nur mit Senioren umgehen müssen. Hartwich empfiehlt ihr deshalb den Einsatz in der Bad Kissinger Luitpoldklinik.
Trotz aller Einsatzfreude ist Webert nicht die Wunschkandidatin für Dominik Schönhöfer, der im Kreisverband für den organisatorischen Einsatz und die Betreuung der Freiwilligen verantwortlich ist. "Wir brauchen beim BRK dringend Jugendliche ab 19 Jahren mit Führerschein und mindestens einjähriger Fahrpraxis." Denn der Kreisverband sucht Helfer für die Bereiche Rettungsdienst und Patientenfahrdienst.
Als es noch den Zivildienst als Alternative zur Wehrpflicht gab, beschäftigte der Kreisverband etwa 20 Zivis übers Jahr. Seit dessen Abschaffung vor drei Jahren gibt es gerade mal zehn Stellen, sechs beim Rettungsdienst und vier beim Patientenfahrdienst. "Bis heute konnte der Wegfall der Zivis nicht durch Freiwillige entsprechend ausgeglichen werden", macht Schönhöfer klar. Sechs Freiwilligenstellen müssen momentan neu besetzt werden. Schönhöfer: "Die Situation ist brenzlig."
Denn die Einsatzbereitschaft bei Jugendlichen für den einjährigen Sozialdienst nimmt ab, obwohl das Rote Kreuz jedem Freiwilligen monatlich 390 Euro zahlt, ihm 26 Tage Urlaub gibt und nach Ableistung des sozialen Jahres sogar ein Dienstzeugnis ausstellt. Dies gibt ihm verbesserte Einstiegsmöglichkeiten in einen Beruf. Hartwich: "Das Zeugnis macht sich bei Bewerbungen immer gut." Denn Arbeitgeber wissen, dass ein solcher sozialer Einsatz stark zur Persönlichkeitsbildung beiträgt.

Nicht nur der praktische Umgang mit Menschen fördert die Persönlichkeitsbildung des Freiwilligen. Gesetzlich vorgeschrieben sind innerhalb des Dienstjahres auch 25 Bildungstage, aufgeteilt in fünf einzelne Seminarwochen mit Übernachtung in Jugendhäusern. Schon die Selbstversorgung vom Einkauf bis zum gemeinsamen Kochen während dieser Tage fordert von den Jugendlichen Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit und etwas Geschick, mit Konflikten umzugehen. "Das erste Mal ist immer spannend", versichert Bildungsreferentin Hartwich der jungen Bewerberin. Für Webert steht die Entscheidung fest. Sie macht das freiwillige Jahr.

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