Zu einem besonderen Fest der Freundschaft wurde der 1. Mai in diesem Jahr in Bad Brückenau: Bereits beim Aufstellen des neuen Zunftbaums feierten Veteranen aus Amerika, der Tätschr-Verein, Feuerwehr sowie Reservisten und Soldaten des Gefechtssimulationszentrums einträchtig am Fuße des 21 Meter hohen Baumes. Höhepunkt war jedoch die Enthüllung einer Gedenktafel zur deutsch-amerikanischen Freundschaft in der Rhön.
Mit Lloyd Ramsey und Robert Dutil besuchten auch zwei Ehemalige der 3. US-Infanteriedivision Bad Brückenau. Von 1951 bis 1994 waren US-Amerikaner in der Rhön stationiert, darunter die 3. US-Infanteriedivision. Lloyd Ramsey ist 94 Jahre alt und zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, in den Wirren des Kriegsendes war er aber an zahlreichen Orten, vor allem in Bayern eingesetzt, so auch auf dem legendären Obersalzberg.
Nun sitzt der frühere Brigadegeneral aus Roanoke im US-Bundesstaat Virginia im Rollstuhl auf dem Platz vor dem Alten Rathaus. An diesen ist er nicht wegen des Alters gebunden, sondern wegen eines Hubschrauberabsturzes im Vietnamkrieg. 1945 waren Mitglieder seiner Division auch an der Einnahme Brückenaus beteiligt. Später wurde ein Bataillon der Division als Besatzung in Wildflecken zur Bewachung das Polenlagers stationiert.
Auch der 87-jährige Robert Dutil aus Williams in Kalifornien gehörte im Zweiten Weltkrieg der 3. US-Infanteriedivision an, wenn auch nur als einfacher Soldat unter Bataillonskommandeur Ramsey. Er hatte bereits 2011 Bad Brückenau besucht. Die Reise war Teil eines Erinnerungsprojektes. Erinnerungstafeln markieren ehemalige Einsatzorte der Division, so nun auch in der Rhön und stellvertretend dafür in Bad Brückenau. Federführend war und ist der Traditionsverband der 3. Division unter Hauptmann Monika Stoy. Die Veteranen Lloyd Ramsey und Robert Dutil verfolgten die einstündige Zeremonie aufmerksam und grüßten bei der deutschen und amerikanischen Hymne militärisch korrekt.
Die amerikanische Delegationsleiterin Hauptmann Monika Stoy betonte den Imagewandel der Amerikaner in der Bevölkerung - von anfänglichen Besatzern zu Freunden und Partnern.
Auch Bundeswehr-Oberst Fredi Müller, Chef des Gefechtssimulationszentrums in Wildflecken, machte die positive Resonanz des Militärs in der Rhön deutlich: "Dass wir hier sind, zeigt, dass wir in der Region wohlgelitten sind. Wir fühlen uns wohl in der Rhön!" Die zehnjährige Partnerschaft mit dem Zentrum in Wildflecken wurde schon beim Aufstellen des Zunftbaums deutlich. Fast 50 Soldaten halfen bei Vorbereitung, Bestuhlung und dem Aufrichten des Baums.
Als Zeremonie in der Zeremonie wurde die Totenehrung begangen: Colonel Tim Stoy und Oberst der Reserve Hans Rohrmüller gedachten in einem beeindruckenden Akt allen gefangenen und vermissten Soldaten auf der ganzen Welt. Der gedeckte Tisch und der daran angelehnte Stuhl standen dabei für die ausstehende Rückkehr der Gefangenen und Vermissten. Das weiße Tischtuch stand für die Lauterkeit der soldatischen Absichten, eine weiße Kerze für die Einsamkeit in der Gefangenschaft, die rote Rose für die Liebe der daheim Wartenden, ein Zitronenstück für das bittere Schicksal, das Salz für die Tränen der Familien. Die umgestülpten, leeren Gläser warteten darauf, wieder gefüllt zu werden, das gelbe Band an der Blumenvase symbolisierte die soldatische Entschlossenheit im Gedenken an die fehlenden Kameraden. Somit solle sich, wer auf den leeren Tisch blickt, nicht an die Geister der Vergangenheit, sondern an die fehlenden Kameraden erinnern.
Die Bad Brückenauer Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks, Hauptmann Monika Stoy und Oberst Fredi Müller enthüllten die schlichte Gedenktafel am Aufgang zum Alten Rathaus in direkter Nachbarschaft zum Kriegerdenkmal. "Bisher war dies hier unser Platz gegen das Vergessen, nun wird er auch ein Platz der Erinnerung", so die Bürgermeisterin.
Meyerdierks erinnert an 1945, als mit dem Einmarsch der Amerikaner das Schicksal ihrer Stadt auf Messers schneide stand. Sie würdigte die mutigen Bürger, die eine friedliche Übergabe ohne Zerstörung ermöglichten.Sie ging auch auf die kulturelle Vielfalt der Stadt ein: Unter den 7000 Bürgern sind fast 1300 Mitbürger aus insgesamt 56 Staatsbürgerschaften, darunter immer noch 25 US-Amerikaner.
Veteranen, Soldaten und viele Besucher schnippten anschließend beim Platzkonzert des Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim mit den Fingern. Mit einer Brillanz und militärischer Perfektion spielten sie im Georgikurpark.

Ausführlicher Bericht mit weiteren Stimmen zur Veranstaltung in der Donnerstagsausgabe der Saale-Zeitung.