Stralsbach
Sport

Zaubern wie einst Maradona

Eine junge Stralsbacherin will Freestyle-Fußball-Profi werden.
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Alles begann vor drei Jahren mit dem Nackentrick.  Foto: Sigismund von Dobschütz
Alles begann vor drei Jahren mit dem Nackentrick. Foto: Sigismund von Dobschütz
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von unserem Mitarbeiter 
Sigismund von Dobschütz

Stralsbach — Was haben der argentinische Fußballgott Diego Maradona und die 18-jährige Janine Schoch aus Stralsbach gemeinsam? Beide haben Spaß am Freestyle-Fußball, dem inzwischen zur Trendsportart gewordenen akrobatischen Spiel mit dem Ball.
Doch während Maradona (55) schon Fußball-Rentner ist, hat Janine ihre Karriere erst vor sich: Am liebsten würde sie Profi-Freestylerin werden. Denn in Deutschland gibt es bisher nur eine einzige Frau unter den Profis.
Als Geburtstag des Freestyle-Fußballs sehen viele Fans den 17. Mai 1989: Als seine Mannschaftskameraden vom SCC Neapel beim Rückspiel des UEFA-Cup-Finales in Stuttgart ihr gewöhnliches Aufwärmprogramm absolvierten, ließ Maradona den Ball minutenlang auf dem Kopf, dem Nacken, der Schulter, den Knien und natürlich auf den Füßen tänzeln. Die Zuschauer waren von dieser Ballzauberei so fasziniert, dass es schon vor Spielbeginn begeisterten Beifall gab.

Vom Vater angeregt

So weit ist Janine Schoch allerdings noch nicht. Erst 2012 hat sie sich für dieses ungewöhnliche Hobby entschieden, nachdem sie zwei Jahre zuvor in Frankfurt zwei Freestyler erlebt hatte. Schuld an allem ist Vater Torsten. Er hatte sie 2009 aufgefordert, sich doch mal mit etwas anderem als ständig nur mit ihren Puppen zu beschäftigen. Also ging Janine mit ihrem sechs Jahre jüngeren Bruder Tim auf den nahen Bolzplatz und fand prompt Gefallen am Fußballspiel. Als sie allerdings in der Mädchenmannschaft eines Sportvereins mitspielen wollte, stellte ihr Vater eine Bedingung: "Nur wenn du hundert Mal den Ball in der Luft halten kannst."
Janine begann fieberhaft zu üben, bis sie ihr Ziel tatsächlich erreicht hatte. Nach mehreren Wechseln ist sie heute Mittelfeldspielerin der Damenmannschaft im SV Albertshausen.
Wie Maradona vor über 25 Jahren trickst heute die junge Fußballerin in den Aufwärmphasen oder den Spielpausen mit dem Ball, so dass selbst ihre männlichen Sportkameraden vor Neid erblassen und ihr nach jedem Kunststück applaudieren.
Angefangen hat sie vor drei Jahren mit dem Nackentrick, bei dem der Ball von vorn über den Kopf gehoben und mit dem Nacken aufgefangen werden muss. "Das sieht leichter aus, als es ist." Später kamen dann "Around the World" und der "Crossover" mit sehr viel Beinspiel dazu. Heute kann sie schon zehn dieser Tricks zeigen. Bis zur Beherrschung braucht es allerdings stundenlange Übung. "Ich trainiere mehrmals pro Woche bis zu zwei Stunden." Schon manches Mal hat sie bis Mitternacht in ihrem Zimmer trainiert und die Eltern in ihrer Nachtruhe gestört.
Neuerdings dreht Janine auch Videos über ihre Ball-Tricksereien, um sie auf Facebook oder YouTube vorzustellen. "Wenn der Trick bei der Aufnahme gar nicht gelingen will, fliegt schon mal der Ball in die Ecke und es fließen Tränen", hat Mutter Simone beobachtet. Aber nach ein paar Minuten versucht Janine es weiter, bis ihr Dreh endlich abgeschlossen ist. Über YouTube bekam sie schon viel Beifall, auch hilfreiche Verbesserungsvorschläge, erzählt die junge Stralsbacherin: "Auch aus Europa und sogar schon aus den USA."
Sogar ihren ersten Sponsor hat Janine schon gefunden: Nachdem sie an die Kölner Firma Zopfball, den Bekleidungsspezialisten für Frauensport, kürzlich eines ihrer Videos geschickt hatte, kam prompt das schwarze Trikot zur Fußballweltmeisterschaft der Damen in Kanada als Belohnung. Jetzt trägt die junge Stralsbacherin ihr neues Outfit beim täglichen Training.

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