Wollbach bei Bad Kissingen
Tradition

Wöllbicher feiern Kirmes

Um das beliebte Fest zu organisieren, helfen alle Bewohner mit. Die Männer packen beim Plobaum an, die Frauen backen Kuchen. Ihre Leckereien tragen dazu bei, dass auch das Glöckle in neuem Glanz erstrahlen kann.
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Endlich freie Fahrt. Helena (links) und Marlene genießen die Sause auf dem Karussell. Schließlich mussten sie sich einige Zeit gedulden, bis das Spaßmobil in Betrieb gehen konnte. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Endlich freie Fahrt. Helena (links) und Marlene genießen die Sause auf dem Karussell. Schließlich mussten sie sich einige Zeit gedulden, bis das Spaßmobil in Betrieb gehen konnte. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Marlene und Helena sind glücklich. Endlich dürfen die beiden dreijährigen Mädchen mit dem Karussell fahren, das am Wollbacher Kirmesplatz steht. Eine gute halbe Stunde müssen sie am Samstagabend warten, bevor das sich drehende, bunte Wunderding mit Pferden und Drachen, Polizeiauto und Motorrädern für den Betrieb freigegeben wird. Denn noch gilt die Aufmerksamkeit der Wollbacher Kirmesgesellschaft einem anderen Ereignis: dem Plobaum.
Pünktlich um 19 Uhr wird er aufgestellt, traditionell, mit Manneskraft und Frankenlied, den dunklen Wolken, Regen und kräftigem Wind zum Trotz.

Ein lautes "Hau ruck!" ist auch diesmal das Signal für den Krafteinsatz. In diesem Jahr gibt Benno Metz das Kommando. Eine 20 Meter lange Fichte gilt es am Kirmesplatz zu positionieren. Dank der zahlreichen Helfer vor Ort wird das recht schnell erledigt. "Ich war überrascht, wie viele diesmal dabei waren. Ihnen gilt mein Dank", sagt Benno Metz, der in Sachen Plobaum die Nachfolge für seinen, vor Kurzem verstorbenen Vater angetreten hat. "Es wurde an mich herangetragen, mich darum zu kümmern", so der Kreisbrandrat. Die Premiere glückt. Die stattliche Fichte überragt in wenigen Minuten den Festplatz am Wollbacher Ortseingang.


Festlicher Schmuck für den Baum

Der Baum stammt diesmal aus einem Waldstück, das "Albeshäg" genannt wird. Ausgesucht und geschlagen hat den Baum, wie in den Jahren zuvor, Herbert Metz, Waldfachmann der Gemeinde. "Dabei hat er bis zum Schluss nicht verraten, welchen konkret er ausgewählt hat. Schließlich könnte ihn jemand heimlich beschädigen oder entwenden", erzählt Benno Metz. Bevor sie am Samstagabend seine Reise zum Kirmesplatz antritt, wird die Fichte von den Wollbacher Frauen festlich mit blauweißen Bändern geschmückt. Als sie schließlich - musikalisch begleitet von der Bläservereinigung Burkardroth - am Kirmesplatz steht, gibt es kräftigen Applaus von den zahlreichen Zuschauern. Auch von Helena und Marlene, denn endlich darf sich das Karussell drehen. Die beiden Mädchen sind die ersten, die darauf sitzen.

Parallel dazu startet im Festzelt der Betrieb: Tisch für Tisch wird besetzt, die Schlange am Essensstand wächst, die Musiker bauen ihre Instrumente auf. Nur in der Kaffeebar bleibt es zunächst ruhig. Hier hat erstmals Silvia Metz das Sagen, die Ortsreferentin von Wollbach. Auch für sie ist die Organisation eine Premiere, denn bisher kümmerte sich der verstorbene Helmut Metz um den Betrieb. Drei Tage ist die Kaffeebar zur Kirmes geöffnet, mehr als 60 Kuchen werden hier bis Montagnachmittag verzehrt. "Gebacken werden diese ausschließlich von den Wollbacher Frauen, von Jung und Alt", erzählt sie. Besonders gefragt sind von den Kirmesbesuchern mächtige Torten, vor allem traditionelle Exemplare, wie etwa Schwarzwälder-Kirsch oder Käsesahne, aber auch moderne Kreationen wie etwa die Cappucino-Torte kommen an. "Trockene Kuchen gehen nicht so gut", sagt Karin Grom, eine von Silvia Metz Helferinnen.


Erlös für Heiligenfiguren

Der Erlös der Kirmes-Kaffeebar kommt der Wollbacher Dorfgemeinschaft zugute. Diese wurde zur 750-Jahr-Feier 1994 gegründet und kümmert sich seither um den Erhalt verschiedener Plätze im Ort. Mit dem Geld wurde in den vergangenen 20 Jahren die Sieben-Schmerz-Kapelle samt Anlage verschönert und instandgehalten, das Jesus-Kreuz am Lindenplatz und das Steinerne Kreuz in der Wollbacher Flur, oberhalb des Sportplatzes. "Der Erlös in diesem Jahr wird für die Restaurierung der Heiligenfiguren im Glöckle verwendet", sagt die Ortsreferentin.

Die kleine Kapelle an der Kreuzung Rhönstraße/Strenge Tür ist vor wenigen Wochen aufwendig saniert worden. "Nicht nur der Anstrich ist nun erneuert, auch die Drainage um das Häuschen herum, die Fliesen und der Estrich und die Heiligenfiguren", sagt Silvia Metz. Wie viel die Instandsetzung des Baudenkmals gekostet hat, kann sie noch nicht sagen. Umso mehr freut sie sich über die rege Unterstützung der Wollbacher Bäckerinnen: "Die mir hoffentlich auch in den kommenden Jahren treu bleiben."

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