Kunden beugen sich zu den Glasscheiben der Verkaufstheken und deuten auf das, was sie haben möchten. Am Käsestand schiebt sich eine Frau ein Stück Käse in den Mund, um vor dem Einkauf zu probieren. Gegenüber wird eine daumendicke Scheibe Presssack gewogen. Szenen, die sich einmal im Monat in der Markthalle wiederholen. Eine Kundin tritt heran und sagt: "Den Bauernmarkt müsste es öfter geben. Ich weiß aber nicht, wie das die Händler sehen."

Die Beschicker wollen bei dem monatlichen Termin bleiben. Sie betrachten die Idee, einen samstäglichen Markt auf dem Marktplatz zu etablieren, mit Skepsis. "Ich habe die Befürchtung, dass der Bauernmarkt kaputtgeht", sagt Markus Alles. Er könne auf die Räumlichkeiten der Markthalle nicht verzichten. Gleichzeitig hat der Metzger Sorgen, dass die Leute den Weg in die Markthalle nicht mehr finden. "Es hat am Anfang einige Jahre gedauert, bis der Markt überhaupt aufgebaut wurde", erklärt Alles.

Für Michael Schauderna ist der Bauernmarkt ein etabliertes System, das nicht geändert werden sollte. Auch Manfred Lutz bleibt zurückhaltend. Seine Liköre seien keine wöchentlichen Produkte. Er will nun abwarten, wie der Stadtrat entscheidet.

Der soll sich im Oktober mit dem Wochenmarkt befassen, wie die Stadt den Bauernmarktmitgliedern am Samstag in einem Informationsblatt mitgeteilt hat. Danach ist ein Gespräch geplant.
Es soll außerdem eine Händlerversammlung mit der Deutschen Marktgilde geben, die den "Grünen Markt" organisieren soll.

"Es geht nicht darum, den Bauernmarkt zu zerstören", sagt Alfred Jeurink. Der Bauernmarkt werde in den Wochenmarkt integriert, erklärt der Vorsitzende des Vereins Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg. "Ein Markt einmal im Monat ist aber zu wenig." Denn das Ziel ist es, die Kundenfrequenz in der Stadt zu erhöhen.

Jeurink erklärt: "70 Prozent der Marktbesucher gehen auch in die Geschäfte. Das zeigen alle Studien." Der Vorsitzende des Tourismusvereins spricht dabei auch immer wieder vom Flair, das in der "ältesten Weinstadt Frankens" bewahrt werden müsse. "Wir müssen jetzt handeln", sagt er mit Verweis auf die Bahnhofstraße und die Ladenschließungen der jüngsten Zeit. "Hammelburg darf nicht das Image einer Billig-Stadt bekommen." Der Wochenmarkt ist für Jeurink das Mittel der Wahl.

Der Antikmarkt wird dem Informationsblatt der Stadt nach vom Marktplatz in die Bahnhofstraße, die Weihertorstraße und die Kissinger Straße bis zur Einfahrt zum Viehmarkt verlagert. Das soll die Besucherströme besser in die Einkaufsstraßen leiten. Wenn der Marktplatz für einige wenige größere Veranstaltungen, die es im Jahr gibt, gebraucht wird, soll der Wochenmarkt in die Kirchgasse und auf den Buttenmarkt ausweichen.

Kritik am "Grünen Markt" äußern nicht nur die Mitglieder des Bauernmarkts, sondern auch einige Mitglieder des Vereins für Wirtschaft und Stadtmarketing. "Die Bedenken sind nachvollziehbar", sagt der Vorsitzende Sebastian Hose auf Nachfrage. Er denke, dass nach den Gesprächen der vergangenen Wochen etwas Bewegung gekommen sei.

Für Hose ist der Wochenmarkt ebenfalls ein Mittel, die Kundenfrequenz zu erhöhen. "Zu versuchen, den Status quo zu halten, ist der falsche Weg", macht er deutlich. Er höre auch die Resonanz der Kunden: "Die Kunden fragen, wann der Wochenmarkt kommt."