Bad Kissingen
Dokumentation

Wo fließt das Wasser hin?

Das Wasserwirtschaftsamt hat zum "Internationalen Tag des Wassers" eine Ausstellung in der Brunnenhalle initiiert.
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Annette Scholl (rechts) vom Wasserwirtschaftsamt informiert eine Besucherin in der Brunnenhalle.  Foto: Thomas Ahnert
Annette Scholl (rechts) vom Wasserwirtschaftsamt informiert eine Besucherin in der Brunnenhalle. Foto: Thomas Ahnert
Stöpsel raus und weg! So sehr sich viele Menschen Gedanken machen über die Trinkwasserversorgung, so wenig machen sie sich Gedanken, wie es mit dem Wasser weitergeht, wenn es sie, auf welchem Weg auch immer, wieder verlassen hat. Das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen hat den "Internationalen Tag des Wassers" zum Anlass genommen, mit der kleinen Vorsilbe "Ab" genau auf diesen Problemkreis aufmerksam zu machen. In einer kleinen, aber sehr informativen Ausstellung in der Brunnenhalle wurden die Themen für Interessierte von verschiedenen Seiten beleuchtet. Außerdem gaben Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes an einem Informationsstand Auskunft über offen gebliebene Fragen.
Dass die Abwasserproblematik längst globalisiert worden ist, war ein Aspekt, den die Ausstellung deutlich machte. Diskutiert wird derzeit international unter anderem der Eintrag von sogenannten Mikroteilen in die Gewässer, wie zum Beispiel Plastikpartikel, die sich bilden, wenn sich etwa eine achtlos weggeworfene Plastiktüte im Wasser zersetzt. Die nur unter dem Mikroskop sichtbaren Kügelchen geraten über die Bäche und Flüsse ins Meer, wo sie sich nicht nur ablagern, sondern auch von Fischen aufgenommen werden und so in die Nahrungskette gelangen. Der Müll findet sich so auf den Tellern wieder.


Problem noch nicht gelöst

Die Wissenschaft hat das Problem erkannt, weiß inzwischen auch, dass das der menschlichen Gesundheit auf Dauer nicht gut tut, ist aber noch ziemlich ratlos, wie die Schädigungen konkret aussehen und vor allem, wie sich das Problem lösen lässt. Der Appell, keine Plastiktüten mehr zu verwenden, ist gut gemeint, aber verhältnismäßig wirkungslos.
Der Abwassertechnik geht es da wie der Antidoping-Bewegung: Sie kann nur reagieren auf neue Substanzen, wenn sie auftauchen und erkannt werden. Und dann ist guter Rat erst einmal teuer, denn dann müssen nicht nur neue Klärverfahren entwickelt, sondern auch teure Anlagen errichtet werden. Die Phosphatbelastung durch Waschmittel war in den 80er Jahren ein vieldiskutiertes Thema. Heute sind es die steigende Medikamentenfracht und eben die Mikroplastik. Erste Versuche mit einer vierten Klär- und Reinigungsstufe sind in mehreren Ländern angelaufen.


Es hat sich viel getan

Ansonsten sind die Wasserwirtschaftler im Landkreis Bad Kissingen nicht unzufrieden mit der Situation. Denn es hat sich viel getan, seit die Abwässer nicht mehr einfach nur in die Saale und ihre Nebenflüsse eingeleitet wurden. Sicher spielte Bad Kissingen 1890 in Bayern eine Vorreiterrolle, als die Kanalisation fertig war, an die alle Häuser der Stadt angeschlossen waren. Aber die großen Sammler endeten fast alle unterhalb der damaligen Flussbadeanstalt, einige allerdings auch oberhalb - Guten Appetit! Denn der Fluss kam ja schon nicht unbelastet über die nördliche Stadtgrenze.
Was heute für selbstverständlich gehalten wird, begann in Bad Kissingen allerdings erst 63 Jahre später: 1953 wurde südlich der Lindesmühle die erste mechanische Kläranlage mit Absetzbecken eröffnet - bis heute gab es drei große technische Erweiterungen, um die immer engeren gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können.
Damals gab es ziemlich viel öffentliches Geld für die Abwasserreinigung: Seitdem - bis heute - entstanden im Landkreis Bad Kissingen 34 Kläranlagen, für deren Überwachung das Wasserwirtschaftsamt zuständig ist. Dabei handelt es sich um ganz unterschiedliche Typen: von der großen, mehrstufigen Anlage wie in Bad Kissingen und den anderen Städten über Belebungsbecken und Tropfkörper bis hin zu Schilfteichanlagen. "Da sind auch einige kleine Anlagen dabei", sagt Sven Breuning vom Wasserwirtschaftsamt. Manche haben nur 500 "Einwohnergleichwerte" (eine Maßeinheit für die Kapazität der Anlagen; Bad Kissingen hat 60 000 EW). Je niedrige die EW-Zahl ist, desto weniger "Lieferanten" hat die Anlage, und desto besser lässt sich in den Anforderungen spezialisieren. Was die Ausstellung auch deutlich machte, war der Wunsch von Breunings Kollegin Alexandra Hofmeier: "Am liebsten wäre es uns, wenn es überall Trennkanalisation gäbe." Das heißt, dass das Regenwasser von Straßen und Dächern in einem eigenen Leitungssystem gesammelt wird und nicht geklärt werden muss. Denn es ist ein Irrtum zu glauben, dass es für das Abwasser besser ist, wenn es stark verdünnt wird. "Ganz im Gegenteil!", betont Annette Scholl: "Je konzentrierter es ist, desto leichter lässt es sich umbauen".


Jede Menge Abwasser

Schließlich ist das Abwasser, das die Menschen produzieren, ja auch so schon genug: Statistische Auswertungen, so Sven Breuning, sagen, dass jeder Mensch täglich 120 Liter Wasser verbraucht. Und war er davon nicht ausschwitzt, landet irgendwie in der Kläranlage. Bei knapp 100 000 Menschen im Landkreis kommt da in einem Jahr ein ganz schöner See zusammen. In Bayern waren es 2009 insgesamt rund 1,7 Billionen Liter gereinigte Abwässer. Ein wichtiger Aspekt der Ausstellung war natürlich auch, was nicht im Abwasser sein sollte, worauf die Wasserverbraucher Einfluss nehmen können. "Das Klo ist kein Mülleimer" hieß die griffige Überschrift auf der Schautafel, und damit ist eigentlich schon alles gesagt: keine Feststoffe, keine Öle oder Medikamente.
Eine 100-prozentige Reinigung des Abwassers wird es nie geben, auch wenn das natürlich das Traumziel der Klärwerker ist. "Wir verfolgen sehr genau die Entwicklungen der 4. Reinigungsstufe", sagt Bad Kissingens Klärwerkschef Alexander Pusch. "Wir können aus finanziellen Gründen nicht die Ersten sein, aber wir werden handeln, wen es gesicherte Ergebnisse gibt." Dann sollen auch Stoffe aus dem Abwasser herausgeholt werden, die heute noch unbehelligt bleiben: Mikroplastik, Antibiotika, Hormone und andere Medikamente. "Oder auch Phosphor. Denn das ist ein endlicher Rohstoff."

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