Bad Brückenau
Verkehr

Wildunfälle um Bad Brückenau nehmen wieder zu

Fast die Hälfte aller Unfälle im Bad Brückenauer Umkreis sind Wildunfälle. Im Vergleich zum Vorjahr sind in diesem November doppelt so viele passiert. Eine Blitz-Aktion der Polizei hat geholfen, die Zahl zu senken. Gefragt sind aber die Fahrer.
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Foto: Carmen Schmitt
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Die Brückenauer Polizeibeamten haben im vergangenen Monat durchschnittlich jeden Tag einen Wildunfall aufgenommen. Im Jahr zuvor waren es nur halb soviele. 2014 hat es bis Ende November 177 Mal in Verbindung mit einem Tier gekracht. Heuer gab es im gleichen Zeitraum 36 Wildunfälle mehr. Eine Motorradfahrerin wurde verletzt. Mehr Tiere? Schnellere Autos? Unvernünftige Autofahrer? Über die Gründe streiten sich die Fachleute.

"Wir haben die Strecke zu Tode gemessen", sagt Herbert Markert, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Auf der Strecke zwischen Römershag und Oberweißenbrunn lag 2013 ein "Unfallschwerpunkt". Regelmäßig haben die Beamten dort Wildunfälle aufgenommen. Im Jahr darauf haben sie ständig geblitzt. Die Methode: "Die Leute mussten immer damit rechnen, geblitzt zu werden, wenn sie zu schnell fahren", sagt Herbert Markert. 100 Kilometer pro Stunde sind erlaubt, aber nicht immer angebracht.

"Jeder Stundenkilometer zählt", sagt der Dienststellenleiter. "Ein Teil der Wildunfälle wäre vermeidbar, wenn man ein bisschen langsamer fahren würde."


Viel Wild gleich viele Unfälle?

"Manche Jäger sagen, das Wild wird von dem Verkehr angezogen. Ich glaube das nicht", sagt Wolfram Zeller, Forstdirektor des Staatsforstes Bad Brückenau. "Das Wild hält alte Wechsel ein." Warum sich die Unfallzahl in diesem Jahr so deutlich erhöht hat, kann er sich nicht erklären. "Ich behaupte, wenn viele Wildunfälle passieren, muss auch viel Wild da sein." Gerd Gallitzdörfer, Voritzender der Bad Brückenauer Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbands, widerspricht.

"Der Wildbestand ist gleich geblieben", sagt der Jäger. Die Abschussquoten zu erhöhen, mache für ihn keinen Sinn: "Man wird das Problem nicht durch Mehrabschüsse regeln." Verhindern lassen sich Wildunfälle nicht, meint er. Einschränken aber schon. Gerade an Straßenrändern finden die Rehe besondere Leckerbissen: Wildkräuter, gesalzen, vom Winterdienst, erzählt der Jäger. "Das zieht die Tiere an." Reflektoren könnten helfen, meint er. Wolfram Zeller hält davon nichts. In einem Punkt sind sie sich aber alle einig: Viele Autofahrer sind zu schnell unterwegs. "Das Gefahrenbewusstsein fehlt", sagt Herbert Markert. An Waldgrenzen, in Tälern und bei Wassergraben sollten Autofahrer ihr "Gefahrenradar" einschalten.


Auf ein Drittel gesunken

Die Kontrollen haben sich ausgezahlt: "Vielleicht wären die Zahlen ohne die Aktion heuer noch höher", sagt Herbert Markert. Die Wildunfälle sind nach der Blitz-Aktion der Beamten von 45 auf 18 auf ein Drittel zurückgegangen.
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