Bamberg
Leserbeteiligung

Wie inFranken.de mit Leserkommentaren umgeht

Auf inFranken.de können Sie diskutieren. Der Umgang mit Kommentaren kann schwierig sein, trotzdem würden sich die Redakteure über mehr Teilnahme freuen.
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Bei inFranken.de wird jeder Kommentar einzeln überprüft. Die Onlineredakteure Jennifer Brechtelsbauer und Johannes Görz diskutieren darüber, ob ein Kommentar veröffentlicht werden darf. Foto: Ronald Rinklef
Bei inFranken.de wird jeder Kommentar einzeln überprüft. Die Onlineredakteure Jennifer Brechtelsbauer und Johannes Görz diskutieren darüber, ob ein Kommentar veröffentlicht werden darf. Foto: Ronald Rinklef
Am Ende eines langen Recherche- und Schreibmarathons steht für den Redakteur nur ein Klick. Ein Klick und der Artikel steht auf www.infranken.de. Oft dauert es nur Sekunden, bis die ersten Kommentare eintrudeln. Mal zustimmend, mal ablehnend. Es wird Kritik geäußert, auf neue Aspekte hingewiesen.

So wie beim Pflegeskandal in Gleusdorf. Der Fall machte deutschlandweit Schlagzeilen. Ausgangspunkt war jedoch die Recherche unseres Redakteurs Ralf Kestel und Hinweise von Lesern. Doch es muss kein großer Skandal sein, ein Feedback ist immer hilfreich.

Denn wir Journalisten schreiben nicht für uns selbst. Wir schreiben für die Leser, für Sie. Insofern gibt es nichts Schöneres und Aufregenderes, als zu sehen, wie sich aus einem Artikel eine Diskussion entwickelt.


Digitaler Leserbrief

Früher gab es dafür nur eine Möglichkeit, den Leserbrief. Doch der hat einen Nachteil: Er erscheint zeitversetzt, andere Leser haben kaum Gelegenheit, darauf zu reagieren. Im Internet ist das anders. Auf unserem Onlineportal können Sie praktisch in Echtzeit kommentieren. "Wir freuen uns über jede Rückmeldung", bestätigt Stefan Reinmann, Teamleiter der Onlineredaktion. Doch es entstehen auch neue Herausforderungen. Bis zu 100 Kommentare werden pro Tag auf inFranken.de veröffentlicht. Dazu kommen etwa 1500 Kommentare auf beim Facebookauftritt.

"Für die Inhalte auf unserem Internetportal sind wir juristisch verantwortlich", erklärt Maresa Schlemmer, Assistentin der Chefredaktion. Deswegen müssen Stefan Reinmann und seine Kollegen jeden Kommentar lesen, bevor er veröffentlicht wird. Beleidigende Inhalte, nicht überprüfbare Tatsachenbehauptungen und Kommentare, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihres Glaubens angreifen, sind verboten.

Doch manchmal ist es gar nicht so leicht, eine Grenze zu ziehen. Ab wann ist eine Aussage beleidigend, wo endet das Recht auf freie Meinungsäußerung und fängt Extremismus an? Über solche Fragen müssen die Mitarbeiter der Redaktion regelmäßig diskutieren. Für Stefan Reinmann ist deshalb klar: "Das kann man nicht automatisieren, es kommt immer auf den Kontext an. Beispielsweise kann kein Computerprogramm Sarkasmus und Ironie erkennen."


Datenschutz ist hohes Gut

Jeder Mensch empfindet unterschiedlich. "Es kommt immer mal wieder vor, dass ein Leser einen anderen wegen eines Kommentars anzeigt", weiß Maresa Schlemmer. Dann schaltet sich die Polizei ein. Für die Herausgabe der persönlichen Daten der Nutzer bestünden jedoch einige Hürden. "Der Datenschutz ist bei uns ein hohes Gut." Beispielsweise müsse man bei Kommentaren nicht seinen Klarnamen anzeigen lassen.

Problematisch wurde es in den letzten Monaten immer dann, wenn die Themen Flucht und Asyl betroffen waren. "Als es im vergangenen Jahr am Kölner Bahnhof zu Übergriffen auf Frauen kam, wurden wir von Kommentaren überflutet", erinnert sich Stefan Reinmann. Damals stand man vor dem Problem, dass die Ereignisse zu weit weg waren. "Wir konnten einige Behauptungen gar nicht überprüfen", sagt Reinmann. Damals habe man sich dazu entschlossen, nur noch bei lokalen und regionalen Artikeln Kommentare zuzulassen. "Da sind wir näher dran und können schneller reagieren."

Trotz des Mehraufwands: "Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen trauen, bei uns zu kommentieren", sagt Reinmann. Im Sinne einer guten Diskussionskultur sei eine größere Teilnahme wünschenswert. Vielleicht bald auch von Ihnen?


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