Schweinfurt
Arbeitsmarkt

Wie beeinflussen Flüchtlinge den Arbeitsmarkt?

Viele Flüchtlinge sind zunächst arbeitslos. Das belastet die Arbeitslosenquote in der Region Main-Rhön. Doch es bieten sich auch Chancen.
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Ein Asylbewerber bei der Arbeit in einer Schreinerei. Doch nicht jeder Flüchtling kann schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Bei ihren Berufschancen muss man differenzieren.  Foto: Felix Kaestle, dpa
Ein Asylbewerber bei der Arbeit in einer Schreinerei. Doch nicht jeder Flüchtling kann schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Bei ihren Berufschancen muss man differenzieren. Foto: Felix Kaestle, dpa
Die Arbeitslosenquote im Bund ist in den letzten sechs Jahren von 7,1 auf 6,1 Prozent gesunken. Auch in Bayern und Unterfranken ist der Trend positiv. Und in der Region Main-Rhön, zu der Bad Kissingen gehört? Da blieb die Quote stabil: In den letzten sechs Jahren pendelte die Zahl der Arbeitslosen um die 8800 - 3,7 Prozent der Erwerbsfähigen. In Bad Kissingen liegt sie bei 3,8 Prozent. Warum kann die Region nicht vom bundesweit positiven Trend profitieren?

Für Thomas Stelzer, Leiter der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, ist das Phänomen ein Fluch der guten Tat: Es sei schwieriger, die Arbeitslosenquote zu senken, je weiter man sich der Null nähere. Schließlich sei der Arbeitsmarkt in der Region auch weiterhin "robust und stabil". Und während die Arbeitslosenquote konstant blieb, stieg die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um satte 31,1 Prozent.

Ausschlaggebend dafür, dass die Arbeitslosenquote im vergangenen Jahr trotzdem nicht sank, sei die steigende Zahl der anerkannten Flüchtlinge. 2016 hatten schon 7,2 Prozent aller Arbeitslosen in der Region Main-Rhön einen Fluchthintergrund. "Die Zahl ist noch relativ übersichtlich, weil viele Menschen in Maßnahmen, vor allem Sprachkursen sind", erklärt Stelzer. Viele von ihnen schlössen diese jedoch noch 2017 ab. "Das Thema wird uns das ganze Jahr beschäftigen."


Arbeitslosigkeit bei Ausländern

Diese Einschätzung wird durch den Blick auf den Landkreis Bad Kissingen bekräftigt: Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der arbeitslosen Ausländer, zu denen auch Menschen mit Fluchthintergrund zählen, von 119 auf 335. Die Arbeitslosenquote bei Ausländern stieg von 13,9 auf 18,8 Prozent. Und die Zahlen werden weiter steigen: Allein in Unterfranken warten im Moment noch rund 11 200 Flüchtlinge auf den Abschluss ihres Asylverfahrens.

Angesichts dieser Zahlen betont Thomas Stelzer, dass für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit weiter die gleichen Gelder zur Verfügung stehen. "Die Förderung von Flüchtlingen wird über zusätzliche Gelder gewährleistet - es fehlt also nicht an anderer Stelle".

Trotzdem wird das Thema gesellschaftlich ganz unterschiedlich diskutiert. "Es gibt jene, die hoffen, die Zuwanderer werden den Fachkräftemangel beseitigen und jene, die glauben diese Menschen wären überhaupt nicht integrierbar", sagt Stelzer. "In Wirklichkeit muss man stark differenzieren."

Er mache sich bei den jungen Flüchtlingen, die noch zur Schule gehen, keine Sorge bei der Arbeitsmarktintegration, erklärt der Leiter der Arbeitsagentur. Auf der anderen Seite gebe es aber auch eine große Zahl von Analphabeten, bei denen es schwierig werde. Die Zeit sei entscheidend. "Wir müssen Ausdauer beweisen", sagt Stelzer. Es könne mehrere Jahre dauern, bis man die Sprache lernt und sich an die Gegebenheiten anpasst.

"Menschen mit Fluchthintergrund bekommen zunächst häufig eine Anstellung im Hilfsbereich, in Teilzeit oder in geringfügiger Beschäftigung", erklärt Stelzer. Das sei der richtige Weg, um die Sprache und die Gesellschaft besser kennenzulernen. "Aber wir müssen versuchen, diese Menschen schnellstmöglich weiter zu qualifizieren und in andere Bereiche zu bringen."


Zu wenige Plätze für Hilfsarbeiter

Denn das Segment der Hilfsarbeiten für unqualifizierte Arbeiter sei in der Region Main-Rhön klein. Auf 15 Prozent schätzt Stelzer es. Doch genau dieses Segment sei es, in das viele (Langzeit-)Arbeitslose drängen. Fachkräfte werden hingegen weiterhin gesucht.

Um den Prozess zu beschleunigen, müsse man in Zukunft über neue Maßnahmen nachdenken - beispielsweise berufsbegleitende Weiterbildungen oder Erleichterungen von Betriebspraktika neben Deutschkursen. "Das Ziel muss es sein, Flüchtlinge möglichst schnell auf den Arbeitsmarkt zu bringen", meint Stelzer. Man müsse sich aber erst an das Thema herantasten. "Wir haben es mit einem ganz neuen Personenkreis zu tun. Wir müssen erst lernen, welche Maßnahmen da gut funktionieren."

Die Unternehmerseite zeige jedenfalls reges Interesse an den potenziellen Mitarbeitern. Ressentiments spürt Stelzer nicht. "Im Moment gibt es mehr Unternehmen, die Flüchtlinge einstellen würden, als Flüchtlinge mit den entsprechenden Qualifikationen", erklärt Stelzer. "Auch wenn es komisch klingt: Im Moment haben wir eigentlich zu wenige Flüchtlinge."

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