Laden...
Hammelburg
Heimat

Wie Müller, Bauern und Winzer früher lebten

Die alten Zeiten lebten beim Museums-Inselfest des Förderkreises Stadtmuseum und Denkmalpflege auf. Historische Figuren führten durch die Ausstellung "Wein und Brot" in der Herrenmühle.
Artikel drucken Artikel einbetten
Benno Zellhan, selbst Mühlenbesitzer, erwies sich bei der Führung durch die Herrenmühle als Mann vom Fach. Zusammen Mit seiner "Gattin" Elfriede Böck hatte er früher eine wichtige Position und auch ein ordentliches Auskommen. Fotos: Winfried Ehling
Benno Zellhan, selbst Mühlenbesitzer, erwies sich bei der Führung durch die Herrenmühle als Mann vom Fach. Zusammen Mit seiner "Gattin" Elfriede Böck hatte er früher eine wichtige Position und auch ein ordentliches Auskommen. Fotos: Winfried Ehling
+5 Bilder
Der Ratsherr alias Manfred Scheller begrüßte die Neugierigen höchstpersönlich. "Meinesgleichen hatte die Oberaufsicht in der Mühle. Sie steht zwar an der Saale, wird aber vom Pechbach angetrieben, im Volksmund die Pech genannt", erfuhren die Interessierten.
Früher eine der wichtigen Mühlen der Gegend, wurde das Gebäude immer wieder angepasst. 1903 erwarb es Carl Happ dann zur Stromgewinnung.
Ein halbes Jahrhundert später kaufte die Stadt das Haus zurück, das zunächst ein kümmerliches Dasein fristete. "1991 wurde es dann in das Stadtmuseum umgewandelt", ging der Ratsherr auf das jüngste Kapitel ein.

Harte Arbeit, karger Lohn

Im Untergeschoss, am stilisierten Weinberg, empfing die Winzerin die Besucher. In die damalige Tracht gekleidet erzählte Christiane Schmid von der harten Arbeit der Weinbauern. "Im Vergleich zu den Landwirten waren sie eigentlich arme Schlucker", wusste Schmid. Häufig stützten sich die Familien aber auch auf beide Broterwerbe.
Da war die Müllerin schon besser dran, deren Gatte ein relativ gutes Auskommen hatte. In feines Tuch gewandet zeigte Elfriede Böck ihre Gemächer, das komfortable Wohnzimmer, die Gesindestube sowie das Schlafgemach. Daran schlossen sich die Mahlstuben an, in denen der Müller über seine Arbeit aufklärte. In Benno Zellhan, selbst Mühlenbesitzer in Obereschenbach , fand der Förderkreis einen kundigen Erzähler.
Neben historischen Mühleneinrichtungen, die beispielweise noch über einen "Sichter" verfügten, kennt Zellhan auch neuere Modelle, die er dem Publikum nahe brachte.
Im Dachgeschoss wartete der Bäcker in Person von Josef Keidel. Eigentlich gelernter Maurer, ist er der Baumeister des Backofens auf der Saaleinsel, aber inzwischen auch als Brot- und Plootzbäcker anerkannt. So kennt er sich im Backen früherer Zeiten recht gut aus und konnte dies seinen Zuhörern plausibel darstellen.
Seine Gattin alias Brigitte Keidel zeichnete verantwortlich für die Küche. Hier stand der mit Holz und Kohle befeuerte Herd, auf dem die Speisen gegart wurden. Keidel berichtete über Ur-omas Zeiten und was damals auf dem Speiseplan stand: "Vom eigenen Garten und Feld geerntet gab es viel Gemüse, während Fleisch - zumindest unter der Woche - die Ausnahme war."

Hochwürden und der Messwein

Den Abschluss bildete Hochwürden, den Franz Herrler überzeugend darstellte. Er erläuterte als "Hieronymus Anonymus von den anonymen Brüdern" vor dem heimgekehrten "Hammelburger Becher" über die Wichtigkeit von Gebet und Glauben im täglichen Leben. "Gott ist es schließlich, der das wichtige Getreide und den Messwein wachsen lässt", so Herrler. Diesen durften die Teilnehmer gegen ein Gabe in den Klingelbeutel auch kosten.
"Wir wollten mit den Darstellungen aus früheren Zeiten etwas mehr Leben in das Museumsfest bringen", erklärte Museumsleiterin Elfriede Böck. Die Premiere ist trefflich gelungen. Im Umfeld des Museumsfests tummelten sich zudem Kunsthandwerker und Künstler. Und die Saaleinsel, auf der Dieter Nöth und Edgar Schramm für musikalische Unterhaltung sorgten, wartete mit Speis und Trank auf.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren