Ginolfs
Landwirtschaft

Wenn das Vieh nach Hause zieht

In Ginolfs ist der Weideabtrieb zum Publikumsmagnet geworden, wurde aber nicht extra kreiert, um Zuschauer anzulocken.
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Immer wieder ein beeindruckendes Bild, wenn die Rhönschafe der Weidegemeinschaft über den Ginolfser Hausberg ziehen. Rhönschäfer Julian Schulz und sein Gehilfe Viktor Schumann zogen der Herde voran. Fotos: Marion Eckert
Immer wieder ein beeindruckendes Bild, wenn die Rhönschafe der Weidegemeinschaft über den Ginolfser Hausberg ziehen. Rhönschäfer Julian Schulz und sein Gehilfe Viktor Schumann zogen der Herde voran. Fotos: Marion Eckert
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Strahlender Sonnenschein und zweistellige Temperaturen lockten die Menschen am vergangenen Sonntag in Scharen zum 8. Weideabtrieb nach Ginolfs. Das neue Konzept der Organisatoren, die Tiere näher an die Menschen zu bringen, ging tadellos auf. Schon während des Weideabtriebs kamen die Zuschauer nahe an die Herden heran, die Schafe und Ziegen wurden ohne Absperrungen mitten durch die Zuschauermenge getrieben. Nach dem Abtrieb kamen die Tiere auf Wiesen in unmittelbarer Nähe des Festzeltes, so dass die Besucher die Tiere auch hier hautnah erleben konnten.
Los ging es mit der Herde der Familie Manger. Die Kühe Elke, Susi und Franziska waren mit prächtigem Kopfschmuck versehen und trugen natürlich auch die Glocken, die vor einigen Jahren eigens für den Weideabtrieb angeschafft worden waren. Der Abtrieb der Gelbviehherde ist Jahr für Jahr der Auftakt und die große Attraktion für die Besucher. Teilweise waren die Rinder recht stürmisch und ungehalten, doch Nadine und Klaus Manger und ihre Helfer hatten die knapp 50 Tiere gut im Griff.
Ist der Weideabtrieb in Ginolfs authentisch? Diese Frage wurde im Vorfeld der Veranstaltung diskutiert. Ist der Abtrieb nicht nur eine große Show, und am nächsten Tag stehen die Tiere wieder auf der Weide? Klaus Manger verneint: "Unsere Tiere kommen heute Abend in den Stall. Die Weidesaison ist für die Kühe beendet." Der Weideabtrieb sei nicht eigens kreiert, um Publikum nach Ginolfs zu locken und die Tiere am nächsten Tag wieder auf die Hut zu bringen. "Das ist nicht unser Stil. Wir müssen unsere Tiere jetzt reinholen und verbinden es gerne mit einem Fest."


Schafe bleiben noch im Freien

Bei den Schafen sehe es etwas anders aus, erklärte Josef Kolb im Vorfeld. "Die Tiere kommen jetzt noch nicht in den Stall, sie weiden rund um den Ort." Er sieht darin aber keinen Konflikt und kein Kritikpotenzial. "Wir holen unsere Tiere von den Hutflächen der Rhön herunter und lassen sie dann so lange wie möglich auf den tiefer gelegenen Wiesen."
Nach der Rhönschafherde von Josef Kolb folgten die 170 Ziegen von Sven Breunig. Wie schon Kolbs Rhönschafe zogen auch die Ziegen über die vom Publikum gesäumte Straße. Unzählige Handys wurden gezückt, um diesen Moment im Bild und Video festzuhalten.


Hautnah an den Tieren

In hautnahe Berührung kamen die Besucher dann mit der Rhönschafherde der Weidegemeinschaft. Dicht an dicht standen sie nicht mehr nur an der Straße, sondern auf der Straße. Die Straße schien der Herde offenbar blockiert und sie brach seitlich, mitten durch das Publikum, aus. Für Schäfer Julian Schulz und seinen Gehilfen Viktor Schumann kein Grund, die Nerven zu verlieren. Ruhig und fachkundig wurden die Befehle an die Hütehunde gegeben, die Herde blieb zusammen und wurde in den Pferch getrieben.


Dank an die Landwirte

Landrat Thomas Habermann, der den Abtrieb ebenfalls begleitete, war von dem Engagement der Ginolfser begeistert. "Ein Dankeschön an alle Landwirte. An die alten, die die Grundlagen legten, und an die Jungen, die heute mit großer Begeisterung das Werk fortführen." Gerade in Ginolfs sei mit Sven Breunig sowie Nadine und Klaus Manger die junge Generation präsent. "Wir sind froh, dass es euch gibt", rief er den jungen Menschen zu.
Der Weideabtrieb sei ein Tag der Öffentlichkeit, so Habermann weiter. Die Landwirte präsentierten sich und ihre Leistungen den Menschen. Denn es brauche auch die Bevölkerung, die die landwirtschaftlichen Betriebe unterstütze und die Produkte konsumiere.


Kulinarische Ergänzung

So war der Weideabtrieb auch aus kulinarischer Sicht eine Werbung für Gelbvieh, Ziegen- und Rhönschaffleisch. Die Menschen standen für die regionalen Gerichte gerne Schlange, das fränkische Hochzeitsessen und die Rhöner Hirtenpfanne waren ebenso beliebt wie die Weideburger vom Rind und die Lammbratwürste, die bis in den Abend hinein gegrillt wurden.


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