Oberbach
Bürgerversammlung

Wenn das Handy nicht klingelt

Im Ortsteil Oberbach ist die Mobilfunk-Nutzung nur stark eingeschränkt möglich. Der Gemeinderat macht sich erneut darüber Gedanken.
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Das Haus der Schwarzen Berge in Oberbach soll zentraler Sitz der neuen Rhön GmbH werden. Foto: Ulrike Müller/Archiv
Das Haus der Schwarzen Berge in Oberbach soll zentraler Sitz der neuen Rhön GmbH werden. Foto: Ulrike Müller/Archiv
Volles Haus im Haus des Gastes. Die letzte der drei Wildfleckener Bürgerversammlungen lockte unerwartet viele Oberbacher an. Erneut ging Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) auf die extrem hohe Fluktuation in der Marktgemeinde ein. "Das ist ein spezifisches Wildfleckener Problem." Gerade sozial schwächere Familien würden gezielt nach Wildflecken gelockt, um günstigen Wohnraum zu vermarkten. Unproblematisch gestaltet sich laut Kleinhenz allerdings die Integration von Flüchtlingen in der Kommune.

Altersbedingt ergibt sich im Rathaus und im Bauhof ein Umbruch. "Wir müssen schon jetzt in die Personalplanung gehen, damit wir uns strategisch neu ausrichten können", so der Bürgermeister. Im kommenden Jahr wird eine neue Auszubildende im Rathaus eingestellt.


Mittelschulklassen halten

Ein ganz spezifisches Wildfleckener Problem ist die Schulsituation. Derzeit werden die Grund- und die Mittelschüler aus der Marktgemeinde in der Rhönkaserne in der ehemaligen US-Schule unterrichtet. "Das ist deutschlandweit wohl eine einmalige Situation." Doch das soll nicht so bleiben, denn die Schüler werden in zwei Jahren wieder zurück in den Ort geholt. Dazu ist allerdings eine Generalsanierung der Wildfleckener Grundschule notwendig, die im kommenden Jahr beginnen wird und den Gemeinderat seit Monaten beschäftigt. Kleinhenz machte deutlich, dass die Kommune auch weiterhin darum kämpft, die verbliebenen zwei Mittelschulklassen zusätzlich zu den Grundschulklassen in Wildflecken zu halten. Ein Teil der Mittelschüler ist mittlerweile nach Römershag umgezogen.


Leuchtturmprojekt

Als "Leuchtturmprojekt" bezeichnete Kleinhenz den Bau des "Pumptracks" in Wildflecken im kommenden Jahr. Im Moment wird das alte Pumpwerksgebäude abgerissen. An dieser Stelle wird ein neues Freizeitareal für die Jugend entstehen. Der "Pumptrack" wird dabei im Mittelpunkt stehen. Hierbei handelt es sich um einen wellenförmigen Parcours für Biker, BMXer, Inlineskater und Skateboarder. Zudem wird es einen kleinen Bolzplatz und einen direkten Zugang zur Sinn geben.

Ein Förderprogramm soll Familien dazu ermutigen, leerstehende Gebäude im Ortskern zu erwerben, zu sanieren und zu bewohnen. Mit Hilfe finanzieller Fördermöglichkeiten soll das Aussterben der Ortskerne gestoppt werden. Familien mit kleinen Kindern werden dabei besonders unterstützt.


Wohin mit dem Abwasser?

Dauerbrenner in Wildflecken ist die Lösung der Abwasserfrage. Eine wissenschaftliche Studie soll Klarheit über die wirtschaftlichste Lösung bringen. "Im Januar wissen wir mehr", so Kleinhenz. Im Raum steht der mögliche Anschluss des oberen Sinngrundes an die Bad Brückenauer Kläranlage. Hierbei müssen aber langfristige Kostenbetrachtungen angestellt werden.

Das Ende der Sinntalbahn ist längst vollzogen. Sobald die Gleise verschwunden sind, soll mit dem Bau eines neuen Radweges durch Sinngrund und Sinntal begonnen werden. Diskutiert wird noch über die Gestaltung des Fahrbahnbelages. Die Kommune wünscht sich einen durchgehend asphaltierten Radweg. "Ich hoffe, wir bekommen eine entsprechende Unterstützung zugesagt. Das ist ein Standbein unserer touristischen Ausrichtung", so Kleinhenz.


In andere Hände geben

Kleinhenz berichtete, dass das Haus der Schwarzen Berge in Oberbach zentraler Sitz der neuen Rhön GmbH werden soll: "Wir brauchen dringend eine neue Trägerschaft für das Haus. Derzeit liegt die gesamte Baulast bei der Gemeinde. Das kann aber so nicht bleiben. Wir müssen das in andere Hände geben." Die neue Rhön GmbH soll künftig Interessen der bayerischen, thüringischen und hessischen Rhön bündeln. "Bisher haben alle drei Bundesländer ihr eigenes Süppchen gekocht. Das wird sich zukünftig ändern."

Intensiv bemüht sich der Bürgermeister weiterhin um die Belange der Jugend. Mittlerweile gibt es in allen drei Ortsteilen eigene Jugendräume. In naher Zukunft wird die kommunalpolitische Beteiligung der Jugend über das Internet als neues Projekt gefördert. Wildflecken ist hierbei Modellgemeinde, neben Bad Brückenau, Münnerstadt und Geroda. Doch die zahlenmäßig wachsende Bevölkerungsgruppe stellen die Senioren. Daher wurde eine Seniorenbürgerversammlung im Haus des Gastes ins Leben gerufen.


Hohe Bedeutung der Bundeswehr

Zwischen 30 000 und 50 000 Soldaten kommen jährlich zum Üben auf den Truppenübungsplatz. Im kommenden Jahr sollen rund 18 Millionen Euro in den Bundeswehrstandort investiert werden. Die Bundeswehr sei nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Wirtschaftsfaktor aufgrund der Kaufkraft der Soldaten weiterhin von großer Bedeutung für den Markt Wildflecken, betonte Kleinhenz.

Nach wie vor ist der Ortsteil Oberbach in Sachen Mobilfunknetz unterversorgt. "Das ist ein extremer Nachteil für die Gewerbebetriebe. Aber auch die Jugend sieht dies als klaren Standortnachteil." Kleinhenz machte deutlich, dass die mangelhafte Versorgung mit Mobilfunk wohl auch die Vermarktung der Bauplätze behindert. 2004 hatte sich der Gemeinderat gegen einen Ausbau des Netzes in Oberbach ausgesprochen. "Das ist ein Thema, das den Ort möglicherweise spaltet. Vielleicht müssen wir hier neu nachdenken", so der Bürgermeister. Die extreme Unterversorgung mit Mobilfunk gebe es so ausgeprägt nur in Oberbach. Auch für Senioren und Alleinstehende werde der Mobilfunk künftig immer wichtiger. Derzeit mache sich die Kommune Gedanken über einen geeigneten Standort für einen Mobilfunkmast.


Der Glockenstreit geht weiter


Unerfreuliche Nachricht gab es aus Oberwildflecken, wo der Streit um das Glockengeläut weiter für Zündstoff sorgt. "Es gibt Beschwerden einzelner Bürger. Im Moment schweigen daher die Glocken." Bürgermeister Kleinhenz bedauerte bei der Bürgerversammlung diese Entwicklung.

"Eigentlich gehört Glockengeläut zu jedem Dorf." Doch noch ist kein Ende des Glockenstreits absehbar. "Ein Schallschutzgutachten wird möglicherweise Klarheit darüber bringen, wie es weitergeht." Kleinhenz machte klar, dass die Oberwildfleckener Kapelle mit Pfarrer-Otto-Denk-Platz und Bürgerpark eine Aufwertung für den Ortsteil bedeutet. Umso ärgerlicher sei das aktuelle Tauziehen um das Glockengeläut.


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