Nüdlingen
Gemeinschaft

Wenn "BB" zum Treffen ruft

Immer wieder dienstags treffen sich Frauen im Pfarrheim. Den Dienstagsclub gibt es nun schon seit 30 Jahren. Es ist eine Art Erzählcafé, kirchlich geprägt, heimatverbunden und sozial engagiert, so die ursprüngliche Idee.
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Pfarrer Dominik Kesina ist der einzige Mann, der beim Dienstagsclub in Nüdlingen dabei sein darf. Foto: Werner Vogel
Pfarrer Dominik Kesina ist der einzige Mann, der beim Dienstagsclub in Nüdlingen dabei sein darf. Foto: Werner Vogel
Frauenstammtisch wäre zu wenig, nostalgische Seniorenrunde trifft es auch nicht, man könnte die Veranstaltung vielleicht als eine Art Erzählcafé bezeichnen. Kirchlich geprägt, heimatverbunden und sozial engagiert, das war die ursprüngliche Idee. Der Dienstagsclub in Nüdlingen ist eine Gemeinschaft, die es in unserer durchorganisierten Zeit eigentlich gar nicht geben kann.

Dabei treffen sich die Frauen seit über 30 Jahren regelmäßig und weil das immer dienstags ist, nennt man sich halt Dienstagsclub. Sie sind kein Verein, es gibt weder Satzung noch einen Vorstand. Auch kein Programm, nur ein paar lose Regeln. Die Frauen wohnen alle in Nüdlingen. Man trifft sich im Pfarrheim. Alle 14 Tage. Aber wenn Beerdigung ist, oder ewige Anbetung, dann fällt das Treffen aus, erklären die Damen.
Männer sind nicht zugelassen. Vor vielen Jahren gab es den Versuch, dem Damenkreis eine Schafkopf spielende Männerrunde anzugliedern. Aber der Versuch scheiterte: "Die hatten Angst vor uns", erklärt Berta Beck, die alle in Nüdlingen "BB" nennen. Die agile Seniorin nimmt es durchaus als Kompliment mit den Initialen der legendären Brigitte Bardot angesprochen zu werden.
Sie ist schon immer dabei, erzählt sie und erinnert sich, dass Schwester Jakoba von den Salvatorianerinnen, die im Kindergarten und im Pfarrbüro wirkte, den Club vor über 30 Jahren ins Leben gerufen hat, dem sich rasch über 25 Frauen, meist aus religiösen Kreisen anschlossen. Man hat sich bei kirchlichen Anlässen eingebracht, für Blumenschmuck gesorgt, bei der Kirchenwäsche geholfen, hat Veranstaltungen begleitet und Spenden gesammelt.

Für soziale Wohltaten

Kaffee und Kuchen für die Treffen sind immer spendiert worden, wurden aber großzügig bezahlt. Die eingenommenen Gelder sind als soziale Wohltaten an Nüdlinger Familien geflossen und haben im Dorf kleine Notlagen gelindert, wird erzählt.
Das ist einige Zeit her, aus den engagierten Damen sind Seniorinnen geworden. Der Tod hat viele Lücken gerissen, einige aus der damaligen Gemeinschaft leben in Pflegeheimen, andere können nicht mehr aus dem Haus. In die Gespräche sind sie auch heute noch mit eingebunden.

Nur ein Mann darf rein

Nach einigen Gebeten, wird der Kaffee eingeschenkt. Heute gibt's dazu noch belegte Brötchen, weil Maria Kiesel Geburtstag hatte. "Das ist so Brauch", meint die mit 84 Jahren Älteste der Runde und ergänzt: "Ich freu mich, dass wir immer noch zusammenkommen, auch wenn wir nicht mehr so viele sind". Die Tür geht auf und Pfarrer Dominik Kesina begrüßt die Seniorinnen mit Handschlag. Er ist der einzige Mann, der zugelassen wird, schmunzelt der Geistliche und erzählt den Damen, dass er auf den Tag genau vor 13 Jahren seinen Dienst in Nüdlingen angetreten hat.
Frau Beck, "die Nüdlinger BB" meint schlagfertig: "Oh weh, da hädde mer Blumme midd muess bring."
Es ist eine kleine Runde, die sich alle 14 Tage im Pfarrheim trifft und es gibt keine großen Aktivitäten mehr. Man erzählt vom Dorfgeschehen, vom Leben und von vergangenen Zeiten. Pfarrer Kesina findet es schön, "dass sich Frauen im christlichen Geist zusammenfinden". Sie verkörpern ein kleines Stück heile Welt, die Damen vom Dienstagsclub in Nüdlingen.



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