Bad Kissingen
Entdeckung

Weinfahne bringt Finderlohn

Kurt-Heinz Bodin hat beim Entrümpeln die Fahne einer französischen Weinzunft gefunden. Vor fünf Jahren war die mit einer Gehhilfe verwechselt worden. Nun tritt sie endlich die Heimreise an.
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Georg Riedmann (links), Kurt-Heinz Bodin und ihre Sangesbrüder dürfen sich vielleicht bald über Wein aus Frankreich freuen.  Foto: Robert Huger
Georg Riedmann (links), Kurt-Heinz Bodin und ihre Sangesbrüder dürfen sich vielleicht bald über Wein aus Frankreich freuen. Foto: Robert Huger
Garitz — Eine ältere Frau öffnet ein Paket. Die Tochter hat ihr eine Gehhilfe mitgebracht. Denkt sie jedenfalls. Zum Vorschein kommt eine seltsame gelbe Fahne. "Wie kann man denn so etwas verwechseln?", schimpft die Mutter.
Bei den beiden Frauen handelt es sich um die Ziehmutter und Schwester von Kurt-Heinz Bodin, dem Notenwart des Gesangvereins 1883 Garitz.
Der Bad Kissinger selbst staunte nicht schlecht, als er nun beim Ausmisten der Wohnung der inzwischen verstorbenen Ziehmutter einen großen schwarzen Stoffbeutel öffnete. Denn darin entdeckte er die besagte Fahne, die er seit fünf Jahren in Frankreich glaubte. "Ich bin davon ausgegangen, dass sie schon lange beim Besitzer ist", sagt Kurt-Heinz Bodin. Aber eins nach dem anderen.

Eine Fahne auf Reisen

Wie erwähnt hätte statt der Fahne eine Gehhilfe in Bad Kissingen eintreffen sollen. Durch eine Verwechslung kam diese nie an ihrem Bestimmungsort an und ist seither verschollen. Kurt-Heinz Budins verstorbene Schwester Karin hatte die Gehhilfe aus der Dominikanischen Republik mitgenommen. Dort wohnt damals wie heute die andere Schwester Lore, welche in einer Reha-Klinik arbeitet. Schwester Lore gab die Gehhilfe also Karin mit auf den Heimweg nach Hamburg. Am Flughafen hielt diese Ausschau nach einem länglichen, dunklen Paket, in welches die Gehhilfe eingepackt war. Als sie ein solches auf dem Band sah, griff sie kurzerhand zu. Leider sah das Paket dem ihren nur sehr ähnlich und so kam es, dass sie der Mutter eine Fahne brachte, die freilich als Gehhilfe eher ungeeignet war.
Die Familie wandte sich also an die Fluggesellschaft. Die versicherte, dass in ein paar Tagen jemand käme, der die Fahne abholt. Dem war aber nicht so. Daraufhin fragten sie erneut nach und wieder hieß es, dass die Fahne abgeholt werde. Da nun Kurt-Heinz Bodins Ziehmutter in den nächsten Wochen nicht mehr auf das Thema zu sprechen kam und kein Abholdienst erschien, stand die Fahne seitdem in einer Ecke. Bis heuer zur Entrümpelung.

Spurensuche führt zum Wein

Als Kurt-Heinz Bodin die Geschichte im Gesangsverein erzählte, machte sich Sangesbruder Hartmut Großmann im Internet auf die Suche nach dem rechtmäßigen Eigentümer der Fahne. Schnell fand er heraus, dass es sich bei der "Connétablie de Guyenne Entre-deux-Mers", wie es auf dem Banner geschrieben steht, um eine bedeutende Weinzunft aus der französischen Provinz Guyenne handelt. Den Kontakt stellte schließlich Hermann Schober, der Schwiegersohn von Hartmut Großmann, her. Per E-Mail verständigte man sich darauf, die Fahne zu einer Hamburger Vertriebsstelle der Weinzunft zu senden.
Weiter wird es wohl eine köstliche Belohnung für den Finder geben. "Sie wollen sich in Form von Naturalien erkenntlich zeigen - vermutlich mit Wein", sagt Kurt-Heinz Bodin. Der wird dann selbstverständlich an die Sangesbrüder ausgeschenkt.


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