Seine Ausbildung zum Winzer absolvierte der Schweinfurter in einem konventionell arbeitenden Betrieb in Randersacker. Anfang der 80er Jahre kam er dann nach Hammelburg zur Winzergenossenschaft. Hier war eine Stelle in der Kellereiwirtschaft frei geworden. Außerdem pachtete und kaufte Plewe Weinberge, die er in seiner Freizeit bewirtschaftete, insgesamt rund drei Hektar.

"Beitrag für Artenvielfalt "


Knapp zehn Jahre lang arbeitete Plewe bei der Genossenschaft und war am Ende auch ihr größter Traubenlieferant. Dann beschloss er, sich im ökologischen Weinbau selbstständig zu machen, auch weil er gesundheitliche Probleme durch die seinerzeit eingesetzten Spritzmittel bekam. Er kaufte ein Anwesen in der Dalbergstraße 14 und richtete hier seine Kellerei ein. Mit seinem Betrieb verfolgt er ein Gesamtkonzept, das die heimische Tier- und Pflanzenwelt schont. Plewe behauptet nicht, dass seine Rebensäfte grundsätzlich gesünder sind für den Menschen und besser schmecken. "Wer meinen Wein trinkt, der tut aber auf jeden Fall der Natur etwas Gutes. Er leistet einen Beitrag für die Artenvielfalt", sagt der 57-Jährige.
In seinen Weinbergen werden keine Insektizide und Herbizide gespritzt. Dadurch wächst aber in den Zeilen alles Mögliche, bis hin zum Feldsalat, was für den Weinbauern mehr Arbeit bedeutet. Denn wild wuchern lassen kann er das Grünzeug natürlich nicht, weil es den Rebstöcken auch Wasser und Nährstoffe entzieht.
Aber auch der Bio-Winzer kommt nicht ganz ohne Spritzmittel aus. So verwendet er zur Vorbeugung von Pilzkrankheiten Kontaktfungizide, die aber nicht in die Pflanze eindringen, sondern an der Oberfläche verbleiben. Zur Stärkung der Pflanzen spritzt er zudem Algenpräparate. Und bei der Bekämpfung von echtem und falschem Mehltau kommen Schwefel und Kupfer zum Einsatz.
Welche Mittel eingesetzt werden dürfen und welche nicht, regeln auch die strengen Richtlinien von Bioland, dem führenden deutschen Verband im ökologischen Landbau, dem Plewe angehört. So ist zum Beispiel die Verwendung von Kunstdünger grundsätzlich verboten. Der Verband überprüft bei seinen Mitgliedern auch regelmäßig die Einhaltung der Vorgaben.
Zentraler Gedanke des ökologischen Weinbaus ist eine Kreislaufwirtschaft. "Was ich durch die Reben und den Schnitt heraushole, muss ich wieder einbringen", erläutert Plewe. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Weinberg begrünt sein muss und gemähtes Gras liegen bleibt, um einen höheren Humusanteil zu erreichen. Darüber hinaus verwendet Plewe ausschließlich natürlichen Dünger wie Tresterabfälle und Malzprodukte, die beim Bierbrauen anfallen.

Geringere Erträge


Die ökologische Wirtschafts-weise bedeutet auch, dass die Erträge mit 55 bis 60 Hektoliter pro Hektar etwa ein Viertel geringer ausfallen als beim herkömmlichen Anbau. Hinsichtlich der Öchslegrade werden aber vergleichbare Werte erreicht. Für die Weiterverarbeitung der Reben gilt, dass keine gentechnisch veränderten Stoffe genutzt werden dürfen. "Schwefel ist natürlich auch in meinen Weinen, weil sie sonst nur einige Wochen haltbar wären. Aber es ist etwa ein Drittel weniger als bei konventioneller Produktion", betont der Öko-Winzer. Plewe kommt aber generell mit wenig Sulfiten aus, weil er auf trockene Weine setzt, die wegen des geringen Zuckergehalts eine längere Haltbarkeit aufweisen.
Das Verhältnis zu den Hammelburger Kollegen hat sich im Laufe der Jahre gebessert. Peter Plewe ist mittlerweile auch Mitglied im Vorstand des Weinbauvereins. "Bei einigen Themen gibt es heute keine Kontroversen mehr wie bei der Begrünung der Weinberge und der Notwendigkeit von Humus, auch um eine Erosion des Bodens zu verhindern", sagt Plewe.
Und einzelne Weinbauern wie Gregor Schmid wollen nun ebenfalls Flächen auf ökologische Bewirtschaftung umstellen. "Ich bin nicht missionarisch unterwegs, aber ich würde mich natürlich freuen, wenn noch mehr diesem Beispiel folgen würden", hofft der 57-Jährige.
Überzeugt hat Plewe auf jeden Fall schon eine Reihe von Stammkunden, von denen die meisten aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern kommen. Zudem gibt es auch einige Fans seiner Rebensäfte in Nord- und Süddeutschland, die Station machen, wenn sie auf der A 7 unterwegs sind. Wichtig für die Vermarktung ist auch sein "Weinhäusle" in der Dalbergstraße 14. So kann er am Wochenende, wenn Touristen in der Stadt sind, neue Kunden gewinnen.

"Gerade groß genug"


An Expansion denkt der Öko-Winzer aber nicht. "Der Betrieb ist mit derzeit vier Hektar Anbaufläche gerade so groß, dass ich ihn noch alleine führen kann", erklärt er. Hinzu kommen natürlich Saisonkräfte, wenn in den Weinbergen viel zu tun ist. Dass er keine großen Veränderungen plant, hängt auch damit zusammen, dass ein Nachfolger für seinen Betrieb nicht in Sicht ist. Ein baldiges Aus bedeutet das aber keineswegs. "Ein paar Jährchen werde ich sicher noch sicher machen", verspricht Hammelburgs einziger Bio-Winzer.