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Bad Kissingen
Ämter

Wechselspiel der Bad Kissinger Behörden

Wie sieht die von der Staatsregierung versprochene Behörde aus und wo kommt sie hin? Das Luitpoldbad wäre zwar groß genug, dorthin sollen aber drei andere Behörden umziehen.
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Übersicht über bereits beschlossene Umzüge. Foto: Launer-Sparkasse, Grafik: Carolin Höfler
Übersicht über bereits beschlossene Umzüge. Foto: Launer-Sparkasse, Grafik: Carolin Höfler
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Der Witz vom Beamten-Mikado - wer sich zuerst bewegt, verliert - ist abgedroschen und in Bad Kissingen offensichtlich fehl am Platz: Fast schon unübersichtlich sind die Wechselpläne der Behörden und öffentlichen Institutionen in der Stadt. Der Umzug von Staatsbad GmbH, Vermessungsamt, Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) und Zentrum für Telemedizin ist bereits beschlossen, das Landratsamt will expandieren und über allem steht seit vergangener Woche die Södersche Ankündigung aus München, dass Bad Kissingen in fünf bis zehn Jahren das "Haus für Gesundheitsmanagement" bekommt.
Was verbirgt sich hinter der zugesagten Behörde? Das weiß selbst der CSU-Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner noch nicht im Detail, aber er hat bereits Kontakt aufgenommen mit der zuständigen Gesundheitsministerin Melanie Huml und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). "Die neue Behörde soll aus dem LGL heraus entstehen und sich mit Themen rund um Gesundheit und Lebensmittelsicherheit befassen", fasst er das Ergebnis seiner Gespräche zusammen. Er plane, den LGL-Präsidenten möglichst bald nach Bad Kissingen einzuladen, um Details abzusprechen.

Interdisziplinärer Ansatz
"Das Konzept für Bad Kissingen wird gerade erarbeitet", sagt auch LGL-Pressesprecherin Claudia Schuller. Das "Haus für Gesundheitsmanagement" beruhe auf einem "One Health"-Ansatz. Die menschliche Gesundheit solle dort also nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Verbund mit der Gesundheit von Tieren und der Umwelt. "Ein Bespiel sind Krankheiten, die von Tieren durch Insektenstiche auf Menschen übertragen werden", sagt Schuller. Dafür sei eine Kooperation von Umweltwissenschaften, Human- und Veterinärmedizin nötig.
Noch keine Überlegungen gibt es offenbar zum Standort der neuen Behörde: "Damit das Konzept nicht schon vorab zerredet wird, wurde es noch nicht mit allen Behördenleitern besprochen", teilt eine Sprecherin von Finanzminister Söder dazu auf Anfrage mit. "Jedes Ressort kümmert sich jetzt erst einmal eigenverantwortlich um die konkrete Ausgestaltung." Erst müsse des Konzept aus dem Gesundheitsministerium kommen, dann werde nach einem Standort gesucht. Fest stehe nur, dass 100 neue Stellen in Bad Kissingen entstehen - und an anderer Stelle nichts abgezwackt wird für neue Behörden in Nachbar-Landkreisen: "Die Finanzamtsstellen dort kommen aus den Ballungsräumen, es wird nichts in Unterfranken hin und her geschoben", heißt es aus München.
Der Freistaat baut aktuell das Luitpoldbad in ein modernes Behördenzentrum um: 120 Büro-Arbeitsplätze entstehen dort. Könnte dort anstelle von Staatsbad GmbH, Vermessungsamt und IMBY-Außenstelle die neue LGL-Außenstelle entstehen? "Denkbar ist vieles, aber das Luitpoldbad steht eigentlich nicht zur Diskussion", wehrt MdL Kirchner ab.

Im Vertrauen auf Minister Söder
"Ich beteilige mich nicht an Spekulationen, aber es wird ganz sicher nicht an der Standort-Frage scheitern", sagt der Bad Kissinger Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) dazu. Denkbar wäre aus seiner Sicht auch der Neumann-Flügel, falls ein Hotel-Investor ihn nicht mit einbeziehe. Auf keinen Fall möchte Blankenburg die neue Behörde im Kurhausbad haben: "Dort brauchen wir richtig viel Betrieb", betont er. Und: "Ich vertraue da auch auf den fränkischen Heimatminister."

Konrad Unsleber, der Leiter des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Bad Kissingen (ADBV), geht fest davon aus, dass die in der vergangenen Woche angekündigte Behördenverlagerung nichts an den Umzugsplänen seiner Behörde ändert: "Wir sind inzwischen tief in die technische Detailplanung eingestiegen", berichtet er, und: "Ein neuerliches Aufschnüren des Pakets Behördenzentrum wäre aus meiner Sicht nicht zielführend."
Zudem gebe es keine Berührungspunkte des ADBV mit dem geplanten Haus für Gesundheitsmanagement, betont Unsleber. Dass er zunächst Bedenken gegen einen Umzug hatte, gibt der Behördenleiter zu, vor allem die Hochwassergefahr am neuen Standort und die Frage nach Stellplätzen für die Fahrzeuge waren ein Gegenargument. Mittlerweile freut er sich jedoch auf den Umzug mit seinen 25 Mitarbeitern: "Hier sind wir auf vier Stockwerke verteilt, im Luitpoldbad werden wir alles auf einer Etage zusammenfassen."

Verhandlungen mit dem Freistaat
Auf den Umzug spekuliert auch das benachbarte Landratsamt: "Bezüglich des Vermessungsamtes stehen wir seit längerem in Verhandlung mit dem Freistaat Bayern zum Erwerb und zur Nutzung der Liegenschaft als Verwaltungsgebäude", berichtet Pressesprecherin Melanie Hofmann. Die Begründung ist klar: "Generell stellt die Raumnot die Kreisverwaltung vor große Herausforderungen."
Deshalb hat das Landratsamt auch noch weitere Pläne: Im Dezember entschied der Kreisausschuss, eine Erweiterung an der Mühlgasse zu planen. "Nach Gesprächen unter anderem mit Vertretern der Regierung von Unterfranken und der Bayerischen Architektenkammer hat die Bauverwaltung dem Kreisausschuss in seiner letzten Sitzung die Durchführung eines einphasigen Realisierungswettbewerbs zum Beschluss empfohlen, um an dieser städtebaulich sensiblen Lage die ansprechendste Planung zu erzielen", berichtet Hofmann. Die Architektenleistung soll in der letzten Kreistagssitzung des Jahres 2015 vergeben werden.

Insgesamt fünf Millionen Euro
Im Erweiterungsbau sollen neue Büros und ein kleinerer Sitzungssaal etwa für die Ausschussarbeit entstehen. Im Haushalt 2015 sind Kosten für Planung und Abriss der vorhandenen Gebäude in Höhe von 550 000 Euro enthalten. Für 2016 und 2017 sind insgesamt weitere 4,5 Millionen Euro eingeplant. Doch die Erweiterung hat nicht nur Befürworter: "Wir sollten lieber die Kreisumlage senken, als einen weiteren Sitzungssaal zu bauen", sagt etwa der Bad Kissinger OB und Kreisrat Kay Blankenburg. Deshalb habe er auch gegen das Konzept gestimmt.
Nicht von der Erweiterung in der Kernstadt betroffen ist laut Pressesprecherin die Außenstelle Hausen: "Die dortigen Verwaltungseinheiten bleiben erhalten", sagt Hofman, und: "Zentralisierungstendenzen bestehen vor allem hinsichtlich des Gesundheitsamtes und des Kommunalunternehmens, die derzeit in angemieteten Räumen untergebracht sind. Diese sollen näher an das Haupthaus heranrücken, für mehr Bürgerfreundlichkeit und um natürlich auch interne Abläufe zu erleichtern."

 
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