Bad Kissingen
Wasserqualität

Wasser ist im Norden zu weich, im Süden zu hart

Wo der Buntsandstein vorherrscht, muss dem Trinkwasser aufwändig Kohlensäure entzogen werden, während der Muschelkalk in anderen Regionen Maschinen und Rohre strapaziert.
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Drei bis vier Tonnen Jurakalk setzt Wasserwart Ralf Winter jedes Jahr dem Wartmannsrother Trinkwasser zu. Foto: Ralf Ruppert
Drei bis vier Tonnen Jurakalk setzt Wasserwart Ralf Winter jedes Jahr dem Wartmannsrother Trinkwasser zu. Foto: Ralf Ruppert
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Der Landkreis ist gespalten: Während im Süden Wasserkocher und Rohre dicke Kalkschichten ansetzen, muss das Trinkwasser im Norden zum Teil "aufgehärtet" werden. Einer der das gut kennt, ist der Wartmannsrother Wasserwart Ralf Winter: "Wir hatten früher fünf Versorgungsnetze in der Gemeinde", berichtet er. Vier hatten weiches Wasser, aber im Gemeindeteil Windheim nagte der Kalk an den Armaturen. Von 1992 bis 2005 wurde dann ein großes Trinkwasser-Netz gebaut. Ergebnis: "In Windheim merken die Bürger die bessere Wasser-Qualität, aber in allen anderen Orten ist das Wasser eher härter geworden." Dafür sorgt die zentrale Entsäuerung in der Heckmühle.
"Wir haben im letzten Jahr rund 116 000 Kubikmeter Wasser verkauft", berichtet Winter. Macht bis zu 350 Kubikmeter am Tag. Die kommen aus zwei Brunnen und zwei Quellen in der Nähe des Gemeindeteils Heckmühle. Wenn das Wasser aus dem Boden sprudelt, hat es nur 3 Grad deutscher Härte. Zunächst wird mit Luft ein Teil der Kohlensäure ausgeblasen. Das entspricht dem Schütteln von Mineralwasser in der Flasche. Bereits dadurch sinke der Härtegrad. Danach fließt das Wasser durch eine mehr als ein Meter hohe Schicht aus Jura-Kalk. "Davon brauchen wir drei bis vier Tonnen im Jahr", berichtet Winter. Der reine Kalk kommt als Sackware in die Heckmühle.

Trinkwasser im Gleichgewicht

Theoretisch hätte man auch das Wasser der Heckmühle mit dem aus Windheim mischen können, aber: "Das wäre zu aufwändig, da müssten wir über mehrere Berge rüber mit dem Windheimer Wasser." Weiterer Vorteil von Jura-Kalk: Es mineralisiert das Wasser gleichmäßig, auch wenn weniger verbraucht wird, steigt die Konzentration also nicht weiter an.
"Der Hauptvorteil ist, dass das Trinkwasser im Gleichgewicht ist zwischen Kalk und Kohlensäure", begründet Winter das gewählte Verfahren. Nach der Entsäuerung wird das Wasser mit 6 Grad deutscher Härte in die Leitungen eingespeist. Damit greift es eben nicht mehr den Beton der Hochbehälter oder die Kupferrohre in den Haushalten an. Nur wenige hätten trotzdem lieber das weichere Quellwasser: "Für die Schnapsbrenner kann das Wasser natürlich gar nicht weich genug sein."

Wichtig zum Schutz der Rohre

Fünf solcher Entsäuerungsanlagen gibt es im Kreis: Neben Wartmannsroth noch in Zeitlofs, Motten, Oberthulba und Bad Brückenau. "Unser Grundwasser kommt nun mal aus dem Buntsandstein, da muss man Kohlensäure rausholen, um die Leitungen zu schützen", betont der Bad Brückenauer Stadtwerke-Chef Günter Schneider. Dagegen gibt es im Kreis keine zentrale Anlage zur Entkalkung von zu hartem Wasser: "Das wäre mit Sicherheit sehr kostenintensiv", sagt der Installateur- und Heizungsbaumeister Jochen Schlereth.

Eine Umfrage unter allen 26 Kommunen im Landkreis hat ergeben, dass es bislang keine zentrale Enthärtungsanlage in der Region gibt: "Von Seiten der Stadt Münnerstadt werden keine Maßnahmen unternommen, um den Härtegrad des Wassers zu beeinflussen", heißt es etwa aus dem Osten des Landkreises, der mit hartem Wasser zu kämpfen hat. "Ich habe noch nie gehört, dass eine Kommune enthärtet", berichtet auch Installateur- und Heizungsbaumeister Jochen Schlereth aus Stralsbach. In Privat-Haushalten sei die Enthärtung jedoch durchaus üblich: "In Bad Kissingen kann man den Härtegrad locker von 23 auf 7 reduzieren", berichtet Schlereth. Dabei setzt er auf chemische Aufbereitungsanlagen, die gleich nach der Wasseruhr installiert werden müssen.

Genaue Dosierung wichtig

Aber Achtung: Vor allem Kupferrohre können bei einer falschen Dosierung der Substanzen zur Enthärtung leiden. Deshalb sollte immer der Fachmann dazu geholt werden. Zudem würden immer wieder Geräte angepriesen, die mehr versprechen als sie halten. "Da sind viele schwarze Schafe auf dem Markt", warnt Jochen Schlereth.

Grenzen mitten durch die Stadt

Einer der größten Wasserversorger im Landkreis ist die Rhön-Maintal-Gruppe (RMG) mit Sitz in Poppenhausen. Das Wasser für den Landkreis Bad Kissingen bezieht der Zweckverband vom Fuße des Kreuzbergs, deshalb ist es mit durchschnittlich 8 Grad deutscher Härte (dH) relativ weich. Die weiche Zone reicht bis nach Rottershausen, der Rest der Gemeinde Oerlenbach hat dann im Mittel 12 Grad dH.
Die RMG ist auch verantwortlich dafür, dass es in der Großen Kreisstadt Bad Kissingen sehr unterschiedliche Wasserqualitäten gibt: Dieser Zweckverband versorgt die Stadtteile Kleinbrach, Hausen, Winkels und Reiterswiesen mit weichem Wasser. In der Kernstadt, Arnshausen, Klaushof und die Tiefzone Garitz speisen die Stadtwerke hartes Wasser aus den Wasserwerken in Arnshausen, Münnerstadt und Reiterswiesen ein. Der durchschnittliche Härtegrad liegt bei 23,5 Grad dH.
Dagegen kommt das Wasser für Albertshausen, Poppenroth und die Hochzone Garitz aus den Tiefbrunnen im Thülbingsgrund. "Diese Brunnen und die Aufbereitsungsanlage Hassenbach werden gemeinsam mit dem Markt Oberhulba betrieben", berichtet Willi Schulz von den Stadtwerken Bad Kissingen, und: "In der Aufbereitungsanlage Hassenbach wird das Wasser unter anderem aufgehärtet, weil das Rohwasser zu sauer und aggressiv ist und nicht der Trinkwasserverordnung entspricht." Ergebnis: Im Mittel kommt es mit 8,7 Grad dH in den Haushalten an.

Wasserversorger von außerhalb

Wasser von außerhalb des Landkreises gibt es ansonsten nur in wenigen Randbereichen: So versorgt die "Hundsbacher Gruppe" den Hammelburger Stadtteil Gauaschach, das Wasser für den Bad Bockleter Ortsteil Nickersfelden kommt aus Bad Neustadt. Die beiden Thundorfer Gemeindeteile Rothhausen und Theinfeld und der Münnerstädter Stadtteil Seubrigshausen werden von der "Stadtlauringer Gruppe" versorgt.

"Das Ergebnis ist, dass eine Enthärtung wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll und technisch möglich ist", fasst Gemeinderat Christian Höfler einen Vortrag des Bürgerblocks Nüdlingen in der vergangenen Woche zusammen. Manfred Brugger von der Firma "Hydro Elektrik" stellte verschiedene Verfahren vor. Für Nüdlingen mit einem Verbrauch von rund 180 000 Kubikmetern im Jahr würde sich nach seiner Ansicht eine Nanofiltrationsanlage anbieten. "Damit wäre wohl eine Halbierung der Härte auf rund 12 Grad deutscher Härte möglich", berichtet Höfler.

Zuhörer waren für zentrale Anlage

Rund 30 Nüdlinger lauschten dem Vortrag: Vier davon hätten eine eigene Enthärtung im Haus. Einige seien aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Deshalb hätten sich auch alle Anwesenden für eine zentrale Entkalkung ausgesprochen. "Jedenfalls war an dem Abend kein Gegner da."
Der Nutzen liegt laut Höfler auf der Hand: "Dadurch würden die Umwelt und unsere Kläranlage entlastet", verweist er als Eigentümer einer Entkalkung auf die große Menge Salz, die ständig nachgefüllt werden muss. Und: "Bei weicherem Wasser braucht man ja auch weniger Waschmittel und Entkalker." Allerdings kostet natürlich auch eine zentrale Entkalkung: Referent Brugger schätzte die Mehrkosten auf 35 bis 40 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser.

Drei getrennte Wassernetze

Die Gemeinde Nüdlingen hat drei unterschiedliche Wasserversorgungsbereiche: Mit Wasser aus dem Münnerstadter Talgrund wird in Nüdlingen der Wurmerich bis zur Einmündung der Bergstraße, die Jahn-, Berg-, Mittel- und die Hochstraße bis zur Einmündung der Schlesierstraße und die Schlesierstraße bis zur Einmündung der Egerlandstraße versorgt. Dieses Wasser hat 23,8 Grad deutscher Härte (dH). Nur knapp darüber, nämlich bei 24,2 Grad dH, liegt das Wasser aus dem Brunnen im Ried, mit dem der Rest von Nüdlingen versorgt wird. Deutlich weicheres Wasser sprudelt aus dem Brunnen in Haard: Das Trinkwasser dort hat 10,0 Grad dH. Ein Mischen ist aktuell nicht möglich, nach einer Filtration könnte laut Höfler aber alles in ein Netz eingespeist werden.

Die Stadt Münnerstadt betreibt zwei Brunnen in Münnerstadt (Wasserhärte 23,0 Grad deutscher Härte) und zwei Quellen im Stadtteil Fridritt (20,4 Grad deutscher Härte), mit dem der größte Teil des Bedarfs gedeckt wird. Der Stadtteil Seubrigshausen wird über den Zweckverband "Stadtlauringer Gruppe" mit Trinkwasser versorgt, ebenso die beiden Thundorfer Gemeindeteile Rothhausen und Theinfeld, die mit 39,3 Grad deutscher Härte (dH) das mit Abstand härteste Wasser im Landkreis haben. Der Münnerstädter Ortsteil Windheim erhält dagegen weiches Wasser von der Rhön-Maintal Gruppe.
Der Markt Maßbach versorgt seine vier Gemeindeteile eigenständig. Das Trinkwasser wird aus vier Tiefbrunnen (zwei im Lerchengrund bei Poppenlauer und zwei in Weichtungen) gefördert. Die Härtegrade liegen eng beieinander, nämlich bei 23,6 in Maßbach , 23,9 in Poppenlauer , 23,7 in Volkerhausen und 22,3 in Weichtungen.

Seit jeher eigene Tiefbrunnen

Die Gemeinde Rannungen hat zwei Tiefbrunnen, aus denen Wasser mit 21,1 Grad dH gewonnen wird. Die Gemeinde Thundorf unterhält für Thundorf selbst einen Tiefbrunnenmit 21,0 Grad dH.

Begriff Die Wasserhärte beschreibt die Konzentration der im Wasser gelösten Ionen der Erdalkalimetalle, beim Trinkwasser vor allem der Calcium- und Magnesiumionen. In Deutschland gibt es bis heute die Maßeinheit Grad deutscher Härte (dH), wobei ein Grad zehn Milligramm Calciumoxid pro Liter entspricht.

Alte Skala Früher gab es vier Härtebereiche, die bis heute noch am gebräuchlichsten sind (siehe auch Grafik auf der Titelseite): Bis 7,3 Grad deutscher Härte galt das Trinkwasser als weich, bis 14 Grad dH als mittel, bis 21,3 als hart und darüber als sehr hart.

Neue Skala 2007 hat der deutsche Bundestag das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz neu gefasst und internationalen Standards angepasst. Jetzt gibt es nur noch die drei Kategorien weich (bis 8,4 Grad dH), mittel (bis 14 Grad dH) und hart bei mehr 14 Grad dH.

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