Bad Kissingen
Behördenverlagerung

Wann kommt die neue Behörde nach Bad Kissingen?

Im März kündigte Heimatminister Markus Söder die Ansiedlung eines "Hauses für Gesundheitsmanagement" in Bad Kissingen an. Hinter den Kulissen wird zwar geplant, Details und Standort sind aber offen.
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Auf dem Bild ist der Dienstsitz des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen zu sehen. Das LGL wird spätestens bis 2025 auch in Bad Kissingen vertreten sein. Foto: LGL
Auf dem Bild ist der Dienstsitz des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen zu sehen. Das LGL wird spätestens bis 2025 auch in Bad Kissingen vertreten sein. Foto: LGL
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Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass die Bayerische Staatsregierung ihre "Heimatstrategie" verkündete: Mehr als 50 Behörden sollen in ländliche Regionen verlagert werden, kündigte Heimatminister Markus Söder damals an. 3155 Staatsbedienstete sollen raus aus den Ballungsräumen: 346 alleine nach Unterfranken, davon 100 in ein "Haus für Gesundheitsmanagement" nach Bad Kissingen. Das Konzept blieb bis zur Veröffentlichung am 4. März Geheimsache, die Detailarbeit begann erst danach.
Was steckt hinter dem Arbeitstitel Haus für Gesundheitsmanagement? Wer Details wissen will, wird vor allem vertröstet: Das Heimatministerium verweist auf die Fach-Ministerien, im Fall Bad Kissingen vor allem auf das Gesundheitsministerium. Nur so viel sagt ein Sprecher: "Man kann sicher sein, dass es kommt und dass es bis spätestens 2025 kommt."
Sicher ist nur: Die neue Einrichtung für Bad Kissingen gehört zum Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Die Behörde wiederum ist jedoch gleich drei Ministerien unterstellt (siehe Info-Kasten rechts), deshalb gibt man sich dort sehr zugeknöpft: Details zum Haus für Gesundheitsmanagement müssten erst durchs Kabinett, hieß es seit Wochen.
Im Rahmen der Heimatstrategie sollen "Organisationeinheiten des LGL unter Erhaltung von funktionalen Arbeitsabläufen und Synergieeffekten an den Standort Bad Kissingen verlagert werden", teilte das Landesamt nun auf mehrfache Nachfrage mit. Die geplanten 100 Stellen würden "Aufgaben bezogen sukzessive von den bisherigen Standorten des LGL" verlagert. Ein Planungsstab entwickle aktuell ein fachliches Konzept und bearbeite organisatorische Aufgaben. "Im Haus für Gesundheitsmanagement sollen ausgewählte Themen der Gesundheit und des Verbraucherschutzes bearbeitet werden", bleibt das LGL bei der Beschreibung eher vage. Erster Baustein sei die Entscheidung für ein geeignetes Gebäude: "Die Möglichkeiten werden derzeit in Abstimmung mit der IMBY (Immobilien Freistaat Bayern) und den Verantwortlichen vor Ort geprüft." Auch ein erstes Fachkonzept und organisatorische Fragen würden Anfang September direkt in Bad Kissingen abgestimmt.


Erster Schritt "möglichst schnell"

Trotzdem scheint auch das Landesamt auf die Tube zu drücken: "Angestrebt wird, dass das LGL möglichst schnell in Bad Kissingen seine Arbeit aufnehmen kann", heißt es auf Anfrage, und: "Dieses soll mit zwei ausgewählten Instituten zügig erfolgen." Was das genau heißt, bleibt aber offen: Unter dem Dach des Landesamtes gibt es eine ganze Reihe von Landesinstituten (siehe Info-Kasten).
Fest stehe immerhin, dass die beiden LGL-Institute als eigenständige Organisationseinheiten mit eigenem Vorgesetzten in Bad Kissingen etabliert werden. Welche Themenschwerpunkt hier bearbeitet werden und wie viele Mitarbeiter zu welchem Zeitpunkt quasi als Vorhut ins nördliche Unterfranken geschickt werden, ist aber noch offen. Klar ist nur: "Die Verlagerung aller Aufgaben und die volle Mitarbeiterzahl werden erst in einigen Jahren erreicht."


Termin vor Ort zur Abstimmung

Genau hier steigen die Politiker aus der Region ein: "Bei dem Termin in Bad Kissingen wollen wir klären, ob die Vorstellungen des LGL mit denen vor Ort einher gehen", sagt etwa Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (CSU). Auch inhaltlich hofft Kirchner, noch Einfluss nehmen zu können: "Vielleicht können wir hier neue Akzente setzen", würde er sich wünschen, dass das Landesamt in Zukunft zum Beispiel Themen wie Rehabilitation und Kur stärker in den Fokus rückt.

Wo kommt das Haus für Gesundheitsmanagement hin? Welche Themen werden dort bearbeitet? Das dürften die wichtigsten Themen sein, die Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner, Landrat Thomas Bold (beide CSU) und Oberbrügermeister Kay Blankenburg (SPD) mit Vertretern des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und des Gesundheitsministeriums besprechen wollen.
"Es hängt alles zusammen", kommentiert ein Sprecher des Bayerischen Heimatministeriums die Standortfrage, und: "Man wartet auf den Fortgang in Sachen Kurhaushotel." Das legt den Schluss nahe, dass auch Immobilien wie der Neumann-Flügel oder das Kurhausbad in die Überlegungen einbezogen werden. Bestätigungen gibt es dafür aber genauso wenig wie für das ehemalige Krug-Magazin oder nicht-staatliche Immobilien wie das ehemalige Telekom-Gebäude.
"Da gibt es in Bad Kissingen vielfältige Optionen", ist sich Kirchner sicher, dass es nicht and er Standortfrage scheitert. Konkreten Vorschlag macht auch er nicht, aber: "Ideal wäre eine Bestandsimmobilie, wenn die Nutzung möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist." Auf alle Fälle solle die Behörde nicht raus auf die grüne Wiese gehen.
"Grundsätzlich ist natürlich eine Nutzung im Bestand schon aus Gründen eines verantwortungsvollen Umgangs mit den vorhandenen Ressourcen sinnvoll", sagt auch OB Blankenburg. Am besten sei, wenn bestehende Leerstände beseitigt würden, entscheidend sei natürlich das Anforderungsprofil an das Gebäude. Auf alle Fälle spricht sich der OB gegen das Kurhausbad als Standort aus, weil er sich dafür eine möglichst öffentliche Nutzung erhofft. Optimistisch ist der OB beim Zeitrahmen: Er hofft, dass die Einrichtung bereits 2017 realisiert wird. Von der Ansiedlung verspricht er sich qualifizierte Arbeitsplätze, eine Belebung der Kernstadt und "eine zusätzliche Aufwertung des Standortes Bad Kissingen im Gesundheitsbereich, unserer Kernkompetenz".


Aufwertung für den Landkreis

Landrat Bold hat in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Kontakt aufgenommen mit dem LGL. Das Gespräch Anfang September im Landratsamt finde unter anderem auf seine Initiative hin statt. Davon erhofft er sich auch Neues für die Standortfrage. Die Ansiedlung einer Behörde anzusiedeln, die sich mit dem Thema Gesundheitsmanagement beschäftigt, erachtet Bold als sehr sinnvoll. "Dies unterstützt unser Selbstverständnis als Gesundheitsstandort und schafft qualifizierte Arbeitsplätze, die unseren lebenswerten Landkreis aufwerten." Auch zur Telemedizin passe die Entscheidung sehr gut.
Auf das neue "Haus für Gesundheitsmanagement" in Bad Kissingen freut sich durchaus auch die Wirtschaft: "Wir haben uns erst im Mai diesen Jahres mit dem Spatenstich zu einem Neubau mit einem Investitionsvolumen von 19 Millionen Euro zum Standort Bad Bocklet im Landkreis Bad Kissingen bekannt und freuen uns, dass dieser durch die Entscheidung der bayrischen Landesregierung, eine Abteilung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nach Bad Kissingen zu verlegen, zusätzlich gestärkt wird", sagt Ingo Grimm, Leiter Personalwesen der "Labor L+S AG".


Mittlerweile 430 Mitarbeiter

"Die Region hat seit jeher eine Kernkompetenz im Bereich Gesundheit", erklärt Grimm weiter. Das unterstütze auch die "Labor L+S AG" mit mittlerweile über 430 Mitarbeitern. "Daher sehen wir es als sehr positives Signal, dass diese Kompetenz nun weiter ausgebaut wird." Das mache die Region insgesamt attraktiver. Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt befürchtet der Labordienstleister bedeutet nicht. "Im Gegenteil - durch die Entstehung eines Gesundheits-Clusters könnten sich Synergien oder sogar Kooperationen mit dem Amt ergeben."

Entstehung Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL, englisch: Bavarian Health and Food Safety Authority) wurde am 1. Januar 2002 gegründet, um eine wissenschaftliche Grundlage für Gesundheits- und Verbraucherpolitik zu schaffen. Das LGL ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärwesen und Arbeitsschutz/ Produktsicherheit. Dazu wurden Aufgaben aus folgenden Bereichen zusammengefasst: Die Landesuntersuchungsämter für das Gesundheitswesen Nord- und Südbayern, Teile der Landwirtschaftsverwaltung, das Landesamt für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik sowie die Akademien für das öffentliche Gesundheitswesen und für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin.

Zuständigkeit Das LGL ist gleich drei Bayerischen Ministerien unterstellt: dem für Umwelt und Verbraucherschutz, dem für Gesundheit und Pflege und dem Ministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.

Größe Das LGL hatte zum Ende 2014 nach eigenen Angaben 1083 Mitarbeiter verteilt auf folgende sechs Standorte: Oberschleißheim 518, Erlangen 383, München 108, Würzburg 48, Nürnberg 16 und Schwabach 10.

Gliederung Das LGL unterhät mehrere Landesinstitut, etwa für Lebensmittel und Kosmetische Mittel oder für Rückstände und Kontaminanten, Getränke, Bedarfsgegenstände. Die Labore der Landesinstitute am LGL untersuchen jedes Jahr mehr als 80 000 Proben.






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