Oberelsbach

Vorbereitung auf den Klimawandel

Die Wälder in der Rhön müssen sich an neue Bedingungen anpassen. Die Forstwirtschaft reagiert mit der Pflanzung neuer Baumarten.
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Junge klimatolerante Bäume wurden im Bereich der Länzinger Waldkörperschaft in Oberelsbach vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Verfügung gestellt und publikumswirksam gepflanzt. Das Bild zeigt von links Forstoberrat Huber Türich, den Vorsitzenden der Länzinger Körperschaft Günter Fellenstein und Klimafachmann Peter Bittermann. Foto: Marion Eckert
Junge klimatolerante Bäume wurden im Bereich der Länzinger Waldkörperschaft in Oberelsbach vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Verfügung gestellt und publikumswirksam gepflanzt. Das Bild zeigt von links Forstoberrat Huber Türich, den Vorsitzenden der Länzinger Körperschaft Günter Fellenstein und Klimafachmann Peter Bittermann. Foto: Marion Eckert
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Auf die Forstwirtschaft kommen durch den Klimawandel neue Herausforderungen zu. Eine Konferenz zum Thema "Dem Klimawandel gewachsen sein - Herausforderungen und Anpassungsstrategien" fand deshalb kürzlich in Würzburg statt.
Bei der dazu gehörigen regionalen Wald-Veranstaltung für die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen wurden jetzt in Oberelsbach klimatolerante Bäume gepflanzt sowie derneuen Forstwirtschaftsplan durch den Forstsachverständigen
Alexander Griesbach (Freiberg/Sachsen) an den Vorstand der Länzinger Waldkörperschaft Günter Fellenstein, übergeben.
Forstoberrat Hubert Türich erläuterte die Hintergründe: "Der Klimawandel ist da, ihn wird niemand mehr wegdiskutieren können. Die Erwärmung im Jahresdurchschnitt bis 2100 beträgt in er Rhön mindestens 2 Grad von 7,5 auf 9,5 Grad Celsius. Wir müssen nicht nur reagieren sondern auch auf die nächsten Jahrzehnte hinaus planen."
Die Klimaveränderungen werden Hitzewellen mit einhergehenden Trockenperioden ebenso wie Starkregen-Ereignisse mit sich bringen, wie dies beispielsweise in den Jahren 2014 und 2105 der Fall war.


Rhön zwei Grad wärmer

Die Niederschläge in diesen beiden Jahren betrugen nur noch 80 Prozent der Niederschläge der Vergleichsjahre von 1961 bis 1990. In beiden Jahren sei die Durchschnittstemperatur jetzt schon um zirka zwei Grad höher gewesen wie noch vor 25 Jahren.
"Was jetzt gepflanzt wird, muss mit den neuen Klimabedingungen leben", betonte Türich. Und auch die bereits vorhandenen Baumgesellschaften müssen sich den veränderten Bedingungen anpassen. Hinzu komme die Gefahr, dass durch globalen Handel neue Schädlingsarten eingeschleppt werden, die durch die höheren Temperaturen womöglich einen passenden Lebensraum finden. Heimische Baumarten seien gegen solch neue Schädlinge eventuell nicht gewappnet.


Mehr Trockenstress

Trockenstress in heißen Sommern, länger werdende Vegetationszeiten, weniger Wasser, erhöhte Schneebruchgefahr durch Nassschnee nannte Türich als weitere Belastungen für den Wald. Das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten habe zum Thema Klimawandels seit 1990 verschiedenen Projekte gestartet. Unter anderem sollen den Waldbesitzern Handlungsmöglichkeiten für die künftige Bewirtschaftung ihrer Wälder aufgezeigt werden.


Forstplan für Projektgebiet

Die Länzinger Körperschaft in Oberelsbach gilt als ein solches Projektgebiet und wurde von Peter Bittermann, der als Klimafachkraft am Amt beschäftigt ist, begleitet. So wurde mit Hilfe finanzieller Förderung des Amtes (50 Prozent der Kosten) durch einen Forstsachverständigen ein Forstwirtschaftsplan aufgestellt. Dieser Plan sei nun Grundlage für die Bewirtschaftung des Körperschaftswaldes in den nächsten 20 Jahren, erklärte Türich. Der Forstsachverständige Alexander Griesbach habe neben der Analyse des bestehenden Waldes eine Planung für den weiteren klimatoleranten Waldumbau aufgestellt. Der Wald der Länzinger Körperschaft bestehe zwar jetzt schon zu großen Teilen aus klimatoleranten Buchenbeständen. Der Laubholzanteil liege bei 80 Prozent. Es sollen nun zusätzlich Mischbaumarten eingebracht werden, um eine breitere Baumartenpalette zu erhalten. Hauptsächlich geplant seien Eiche und Edellaubholz wie Ahorn, Ulme und Linde.
Wie Türich erklärte, solle die Fichte nicht gänzlich verdrängt werden. "Ein guter Mischbestand ist sinnvoll, da sind dann auch 10 bis 20 Prozent Fichten kein Problem." Angepasst worden sei auch der jährliche Hiebsatz, der aber nach wie vor unter dem Zuwachs liege. "Der Forstwirtschaftsplan ist nun eine gute Grundlage auf der wir sinnvoll und nachhaltig wirtschaften können."



Die Länzinger Körperschaft

Der Name "Länzinger" kommt von einer Siedlung "Nenzen oder Nanzen", die aus 14 Höfen bestand. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde sie das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Siedlung ist Anfang des 15. Jahrhunderts aus unbekannten Gründen aufgegeben worden. Das Länzinger Erbholz wurde aufgrund eines Beschlusses der königlichen Regierungskammer von 1858 als Körperschaftswald anerkannt. Die Körperschaft teilt sich heute auf 103 Anteilseigner auf. Die Fläche umfasst 230 Hektar wobei zirka 160 Hektar Waldfläche sind. Die Länzinger Körperschaft investiert ihren Erlös in eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Das ausgebaute Wegenetz beträgt 19 Kilometer.

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