Bad Kissingen
Asyl

Von Miethilfe bis Vorurteil: Anerkannte Flüchtlinge im Landkreis Bad Kissingen

Mehr als jeder dritte Flüchtling in einer Unterkunft im Landkreis ist ein Fehlbeleger, der ausziehen muss. Die Wohnungssuche ist oft schwierig.
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Wenn Asylbewerber anerkannt werden, fallen sie in den Zuständigkeitsbereich der Jobcenter und müssen aus den Unterkünften ausziehen. Foto: Martin Schutt/dpa
Wenn Asylbewerber anerkannt werden, fallen sie in den Zuständigkeitsbereich der Jobcenter und müssen aus den Unterkünften ausziehen. Foto: Martin Schutt/dpa
Burkard Schramm vermietet mit seiner Frau Ulrike Wohnungen in Nüdlingen. Leerstände haben sie selten, die Mieter sind bunt gemischt. Familien und Alleinstehende leben in ihren Immobilien, Berufstätige und Sozialhilfeempfänger, Menschen mit deutschen Pass und Menschen mit Migrationshintergrund.
Seit Oktober haben sie eine Wohnung an eine junge Familie aus Syrien vermietet. Die Kriegsflüchtlinge haben vor kurzem ihren Anerkennungsbescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) erhalten. "Die Wohnung ist vom Jobcenter genehmigt, aber sie haben noch keine Möbel", berichtet Burkard Schramm. Bis die Familie sich eine Einrichtung beschafft hat, wohnen sie weiter in einer dezentralen Unterkunft in Haard, als sogenannte Fehlbeleger. Sobald Asylbewerber in Deutschland ein Bleiberecht haben, müssen sie aus den Unterkünften ausziehen und sich in dem Bundesland, in dem sie anerkannt wurden, eine Wohnung suchen. Solange sie keine Arbeit haben, beziehen sie Hartz IV und sind damit ein Fall für das Jobcenter.
Nur ist das mit dem Auszug gar nicht so leicht. "Wir haben in Nüdlingen einige, die dringend eine Wohnung suchen", berichten Annette Wemhoff vom Helferkreis und die Caritas-Flüchtlingsberaterin Jutta Ort unisono. Es sei schwierig, geeignete Wohnungen zu finden, die die vom Jobcenter vorgegebenen Obergrenzen für die Mietkosten einhalten. Im Falle der syrischen Familie ist es gelungen. Über Wemhoff kam der Kontakt zu den Schramms zustande.


Runter vom Land

"Wir brauchen die Ehrenamtlichen, die beim Umzug helfen", sagt Stefan Seufert, der die Asylangelegenheiten im Landkreis koordiniert. Mehr als jeder dritte Geflüchtete in den Unterkünften ist auf Wohnungssuche. Probleme treten dabei einige auf: Auf dem Land gibt es zwar freie Häuser und Wohnungen, allerdings sind einige in schlechtem Zustand. Auf dem Land gibt es zwar Kindergartenplätze, dafür fehlen Arbeitsplätze und andere wichtige Infrastruktur, wie Einzelhandel und Ärzte. Außerdem ist die Erreichbarkeit von Bus und Bahn oft schwierig. "Wir haben viele kleine Probleme, die zusammenhängen. Viele wollen deshalb nach Bad Kissingen", berichtet er. Aber auch Kommunen im östlichen Landkreis wie Oerlenbach sind aufgrund der Anbindung in Richtung Schweinfurt gefragt. Im nördlicheren Landkreis hingegen würde die Wohnungssuche leichter fallen. "Durch die Flüchtlinge ploppen viele Probleme auf, die es auf den Gemeinden schon immer gegeben hat", meint Seufert.


Vorbehalte seit den Anschlägen

Harald Kolb ist beim Bad Kissinger Jobcenter für anerkannte Flüchtlinge zuständig. Seiner Erfahrung nach versucht die Mehrheit in der Region zu bleiben. "Der Wohnungsmarkt in Bad Kissingen ist aber schlecht", sagt er. Viele Immobilien seien entweder zu teuer oder zu groß. Oder aber sie sind nicht groß genug. "Für Familien ab fünf Kindern ist es ganz schwierig, etwas zu kriegen", berichtet er. Erschwerend komme hinzu, dass seit den Anschlägen von Würzburg und Ansbach Vermieter vermehrt Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen äußern und anderweitig Mieter suchen. Hier können allerdings die Helferkreise vermitteln. "Die Wohnungssuche steht und fällt mit den Helfern", sagt Kolb.
136 Menschen mit ausländischem Pass sind im ersten Halbjahr nach Bad Kissingen gezogen. "Wir beobachten den Wohnungsmarkt, gehen aber davon aus, dass es sich über den freien Markt regelt", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). In der Großen Kreisstadt sind zuletzt viele Wohnungen vor allem im gehobenen Segment entstanden. "Dadurch werden aber auch ältere, preisgünstigere Wohnungen frei", erklärt er.
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