Bad Kissingen
Kabarettherbst

Von Bach bis Metallica

Das Duo ['pro:c-dur] mischte das Publikum im Rossini-Saal auf.
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Timm Beckmann und Tobias Jannsen (r.) sind als Duo ['pro:c-dur] ein quirliges Paar, das Musik-Kabarett neu erfindet. Foto: Peter Klopf
Timm Beckmann und Tobias Jannsen (r.) sind als Duo ['pro:c-dur] ein quirliges Paar, das Musik-Kabarett neu erfindet. Foto: Peter Klopf
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Wenn Timm Beckmann und Tobias Janssen als Duo ['pro:c-dur] auf der Bühne stehen, weiß man als Zuhörer nicht, was man mehr bewundern soll: ihr musikalisches Können oder ihren subtilen Humor. Die beiden studierten Musiker werfen in ihrem Bühnenprogramm Klassik und Rock in einen Topf, durchqueren die Musikgeschichte mit gefährlichem Halbwissen und spielen dem Besucher fröhlich ein E für ein U vor, ohne auf irgendwelche Konventionen Rücksicht zu nehmen.
Sie rocken und philosophieren, sie klassiken und parodieren, am Flügel, mit E-Gitarre und dem ganzen Charme großer "kleiner" Jungs. Timm Beckmann am Klavier und der Gitarrist Tobias Janssen zeigen dabei ihr musikalisches, sängerisches und tänzerisches Können.


Alles anders als erwartet

Alles, was man bislang von einem Musik-Kabarett erwarten konnte, wurde vom dem vorlauten und munter drauflos plappernden Pianisten Timm Beckmann und dem E-Gitarrist Tobias Janssen, der sich als Personifizierung des Hardrockers präsentierte, mit großem Einfallsreichtum hinter sich gelassen und übertroffen. Da klang Johann Sebastian Bachs Toccata d-moll BWV 565 am Klavier an, um mit der E-Gitarre weitergeführt zu werden, bevor Johannes Brahms "Guten Abend, gute Nacht" im Sound der amerikanische Metal-Band "Metallica" erklang. Mit Klamauk und perfekter Bühnenshow begeisterten die beiden Musiker ihr Publikum sofort. Der Humor reichte von subtilen Sprüchen bis hin zu provokanten Aussagen. "Warum wohnte Johannes Brahms bei Robert und Clara Schumann? Weil er kein Bafög bekam!"

Da beide Musiker aus dem Ruhrgebiet kommen, sind sie, wie sie selbst sagten, hierzulande wenig bekannt. Das mag auch der Grund gewesen sein, warum nur rund 150 Zuhörer gekommen waren. "Das macht uns überhaupt nichts aus", erklärte Timm Beckmann, "wir spielen auch vor halb leeren Sälen."


Alle Register des Genres

Dass das stimmte, bewiesen sie auch sofort. Gleichsam, als wären mehrere hunderte Menschen im Saal, zogen sie alle Register, die man sich als Zuschauer wünschte. Sie spielten mit dem Publikum, setzten Pointen, wo man sie nicht erwartete, neckten sich gegenseitig und musizierten fröhlich darauf los. Dass die lockere und zugleich begeisterte Atmosphäre auch die beiden Künstler inspirierte, spürte man. Timm Beckmann:"Wenn man in eine fremde Stadt kommt, weiß man nicht, wie man ankommt, und denkt: Oh, oh, was wird kommen. Aber Sie waren ein super Publikum und haben von der ersten Minute an mitgemacht. Uns hat das Konzert richtig Spaß gemacht. Bad Kissingen, wer hätte das gedacht!"

Mit euphorischem Applaus, Bravo-Rufen bedankten sich die Zuhörer für drei Stunden - die eigentlich zwei werden sollten - bester Unterhaltung. Der gemeinsame Nenner von Klassik und Rock und der Spaß, das alles brachte das Duo ['pro:c-dur] spielerisch leicht auf die Bühne, dazu Witz, Wortakrobatik und die Interaktion mit dem Publikum waren die Zutaten zu ihrem Erfolg im Rossini-Saal.

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