Bad Bocklet
Wirtshausserie

Vom Leerstand zur Erfolgsstory: Laudensack Bad Bocklet

Im Landkreis Bad Kissingen steht eine Masse an Wirtshäusern leer. Sollen Gemeinden investieren und versuchen sie wiederzubeleben? Die Meinungen gehen auseinander, wobei es gute Erfahrungen gibt.
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Lampis Papadopoulos pachtet das Restaurant-Café Laudensack von der Staatsbad GmbH Bad Bocklet.  Foto: Benedikt Borst
Lampis Papadopoulos pachtet das Restaurant-Café Laudensack von der Staatsbad GmbH Bad Bocklet. Foto: Benedikt Borst
Bad Bocklet stand unter Zugzwang. Seit der Jahrtausendwende häuften sich markante Leerstände im Ort. Pensionen und Cafés schlossen, irgendwann folgten die beiden Lebensmittelläden. Als 2009 das Hotel Laudensack mit Restaurant und Biergarten dicht machte und dazu der einzige Arzt des Ortes, Dr. Winfried Breitenbach, ebenfalls kurz davor stand, seine Praxis zu schließen, mussten die Gemeinde und die Staatsbad GmbH reagieren.
"Es war dringender Handlungsbedarf da", sagt Kurdirektor Thomas Beck. "Der Kauf des Hotels Laudensack war für Bad Bocklet von existenzieller Bedeutung."

Ein Arzt, Einkaufsmöglichkeiten und gute Gastronomie gehören laut Beck zum minimalen Standard, den Gäste erwarten. "Wir hätten sonst Einbrüche gehabt", schätzt er. Beck berichtet von Gästen, die nach der Laudensack-Schließung gedroht hatten, nicht mehr kommen zu wollen, wenn es keinen Biergarten mehr gebe.

Bedrohung für den Tourismusort

Es gelang dem Staatsbad mit finanzieller Unterstützung des Freistaates und mit dem Rückhalt der Gemeinde, die Immobilie zu erwerben und zu sanieren. Seit 2010 finden sich in dem Gebäude die Arztpraxis von Dr. Breitenbach und ein Dorfladen mit Postamt. Mit Lampis Papadopoulos war zudem schnell ein Pächter für das Restaurant-Café samt Biergarten gefunden. "Wir konnten innerhalb von eineinhalb Jahren drei Problemfelder beseitigen", sagt Beck. "Da sind wir sehr froh und stolz darauf", kommentiert Bürgermeister Wolfgang Back (CSU).

"Damals ist Bürgermeister Wolfgang Back auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich mich noch für das Laudensack interessiere", erzählt Papadopoulos. Der Grieche ist in Bad Bocklet ein bekanntes Gesicht. Er hatte in den 1980ern mit seiner Familie eine Wirtschaft in der Frankenstraße betrieben, war drei Jahre lang Wirt in der Rhönstube und pachtet seit 2007 das Kurgartencafé. Für das Laudensack hat er sich schon länger interessiert.
"Das war immer ein gut gehendes Objekt", erklärt er. Die zentrale Lage im Kurort sei von Bedeutung, ebenso wie der gute Ruf, der mit dem Hotel verbunden ist. "Mir war deshalb wichtig, dass der Name bleibt. Außerdem wollte ich die Kuchenrezepte des Hauses übernehmen." Papadopoulos lässt die hauseigenen Rezepte vom eigenen Konditor frisch backen. Generell läuft das Geschäft in dem ehemaligen Leerstand gut. "Wir haben viele neue Gäste gewonnen", sagt der Gastwirt. Auch überregional.

Kommunale Aufgabe?

Leere Wirtshäuser finden sich überall im Landkreis. Mehr als 100 haben in den letzten Jahrzehnten den Betrieb eingestellt und nicht wieder aufgenommen. Sollten also Kommunen investieren, um Leerstände wiederzubeleben?

Nein, sagt der Bad Kissinger Wirtschaftsförderer Michael Wieden. Leere Gasthäuser zu kaufen und wiederherzurichten belaste den städtischen Haushalt. Außerdem werde Personal gebunden, was ebenfalls Steuergeld koste. "Ich sehe keinen Grund zu sagen, die Stadt sollte sich engagieren", sagt Wieden beispielsweise mit Blick auf den Gasthof Krone oder den Hahn im Korb. Andere Kommunen mit einem ausgeglichenen Haushalt hätten da andere Möglichkeiten.

Grundsätzlich ausschließen möchte Wieden ein Engagement jedoch nicht. "Man muss jedes einzelne Objekt sehen und bewerten." Generell ist er aber der Meinung, dass leere Wirtshäuser bei Privatunternehmern besser aufgehoben sind, vor allem wenn das Umfeld passt. "Gerade in Bad Kissingen sind die Grundlagen für Privatpersonen immer besser, sich zu engagieren", sagt er mit Blick auf die Geschäftslage in der Innenstadt.

Fördergelder der Regierung

Der Landkreis sieht es ebenfalls nicht als kommunale Aufgabe, mit öffentlichen Geldern in leere Wirtshäuser zu investieren. Es gebe allerdings die Möglichkeit, im Rahmen des Konversionsmanagements gastronomische Projekte in Hammelburg und Wildflecken beratend zu unterstützen. "Wir können beispielsweise den Kontakt zu Direktvermarktern herstellen", sagt Kreisentwickler Jürgen Metz. Und Konzepte entwickeln. Aber: "Vom Grundsatz her ist es schwierig, öffentliche Fördergelder zu bekommen." Die Regierung von Unterfranken übernehme zwar bis zu 20 Prozent der Investitionen im Bereich Gastronomie, allerdings erst ab einer Gesamtsumme über 100 000 Euro.

Im Fall von Bad Bocklet hat es gut funktioniert, dass mit öffentlichen Geldern ein markanter gastronomischer Leerstand beseitigt wurde. "Es ist aber schwierig, das auf andere Gemeinden zu übertragen", meint Kurdirektor Beck. Papadopoulos lobt den Einsatz von Staatsbad und Gemeinde. Ohne wäre es nicht so schnell möglich gewesen, das Restaurant wieder in Betrieb zu nehmen. Das Gebäude sei dringend renovierungsbedürftig gewesen. Auf private Investoren hätten der Kaufpreis und die Renovierungskosten abschreckend gewirkt. "Da musst du entweder Geld wie Heu haben oder ein echter Liebhaber sein", findet er.





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