Oerlenbach
Virtuos

Vierhändig zum Sieg

Einen tollen Erfolg errangen Luisa und Marie Baier: Beim Wettbewerb "Piano über Grenzen" in Hof wurden die Neunjährigen im vierhändigen Klavierspiel erster und qualifizierten sich für das Finale, das heute in Karlsbad stattfindet.
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Als kleine Klaviervirtuosen begeistern Lusia (links) und Marie Baier. Die Zwillinge gewannen auf nationaler Ebene in Hof den Wettbewerb "Piano über Grenzen" und qualifizierten sich für das Finale an diesem Wochenende in Karlsbad.  Foto: Stefan Geiger
Als kleine Klaviervirtuosen begeistern Lusia (links) und Marie Baier. Die Zwillinge gewannen auf nationaler Ebene in Hof den Wettbewerb "Piano über Grenzen" und qualifizierten sich für das Finale an diesem Wochenende in Karlsbad. Foto: Stefan Geiger
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Seit sechs Jahren spielen die Zwillinge Klavier. "Das haben sie praktisch in die Wiege gelegt bekommen", berichtet Mutter Tina, die selbst von Kindheit an Klavier spielt und ergänzt: "Musik ist ein wesentlicher Bestandteil in unserer Familie. Mein Ehemann unterstützt uns in allen Belangen. Ein Instrument spielt er nicht. Ob unser kleiner dreijähriger Sohn Thomas einsteigt, das warten wir noch ab."
Dass im Hause Baier Musik großgeschrieben wird, verrät der Blick
ins Wohnzimmer, wo ein Flügel und zwei Klaviere, davon ein zerlegbares zum Mitnehmen, stehen. "Bei uns herrscht nie Druck. Wir spielen Klavier, wenn wir Lust und Freude haben, wenn wir Ausgleich zum Alltag suchen", erklärt Frau Baier. Sie hat später noch eine Orgelausbildung bei Regionalkantor Peter Rottmann absolviert und hilft seit Jahren als Organistin in der Pfarrei Oerlenbach mit.

Unterricht begann mit drei Jahren

Da liegt es nicht fern, dass die beiden Mädchen sich früh ans Klavier setzen durften und die Mutter beim Orgelspiel begleiteten. "Als Luisa und Marie drei Jahre alt waren, habe ich sie selbst unterrichtet. Es hat uns viel Spaß gemacht. Aber ich wollte, dass die beiden eine fachlich fundierte Ausbildung bekommen. Der Weg führte uns zur Musikschule Hambach, wo wir mit Maria Plett keine bessere Klavierlehrerin hätten finden können", blickt Baier zurück.

Jede Menge Hobbys

Diese Zusammenarbeit läuft inzwischen seit viereinhalb Jahren bestens. "Die Pianistin versteht es, in spielerischer und abwechslungsreicher Form die Leistungen zu steigern, ganz ohne Druck, aber mit ständiger Motivation zum Üben", ergänzt die Mutter.
"Wenn wir mit unseren Hausaufgaben fertig sind oder am Wochenende freie Zeit haben, dann setzen wir uns ans Klavier. Mal zusammen oder auch einzeln, wie wir gerade Lust haben", erzählen die Zwillinge, die im Schnitt täglich zwei Stunden üben. Klavier ist aber nicht alles. Beide fahren gerne Rad, lesen, basteln und malen. Singen gehört selbstverständlich dazu.

Lieblingsfächer: Musik und Mathe

Außerdem sind sie gerade begeistert dabei, die Ministrantenausbildung mitzumachen. Ein paar Mal haben sie bereits beim Altardienst ausgeholfen. "In der Schule läuft es auch prima. Lieblingsfach neben Musik ist Mathe. Ein Gedicht zu lernen, ist kein Problem. Da kommt vielleicht das Klavierspielen zu gute, wo man sich auch Fertigkeiten einprägen muss", erklärt Baier.
Einige Auftritte hatten die Zwillinge bereits. Dazu zählten Vorträge bei Feiern in der Grund- und Mittelschule Oerlenbach, wo sie die dritte Klasse besuchen. Weitere Höhepunkte waren Vorträge bei Konzerten der Musikschule und in Seniorenheimen, Wettbewerbe in Bad Königshofen sowie ein Vivaldi- und ein Mozart-Konzert mit dem Kammerorchester Schweinfurt.
"Da hatten wir natürlich Lampenfieber. Aber es lief immer ganz gut. Wichtig ist nur, dass wir beim Vierhändigspielen nicht beide aufgeben", sagt Luisa. "Wir müssen uns gut konzentrieren. Das fängt schon an, wenn wir auf die Bühne laufen und uns dem Publikum vorstellen. Am Klavier selbst müssen wir uns locker hinsetzen und die Hände kurz auf die Beine legen. Dann sind wir bereit. Eine von uns spielt zunächst kurz alleine, ehe wir zusammen ein Stück vortragen", ergänzt Marie.
Das Konzert in Hof bedeutete eine ganz große Herausforderung, auf die sich die Neunjährigen seit Monaten vorbereiteten. Beim Landesentscheid im Vierhändigspiel traten sie in der Gruppe der Neun- bis Elfjährigen an und rechneten sich als Jüngste keine Chancen aus. Sie trugen ein Bach-Konzert für zwei Klaviere und "Orient-Express" von W. Semjenov vor.

Überraschung gelungen

Das Ergebnis war ganz überraschend: 21 von 24 möglichen Punkten bedeuteten Platz 1. "Wir durften vor die Jury treten. Die Musikprofessoren lobten uns und gaben uns Tipps für weitere Verbesserungen. Wir waren überglücklich und freuen uns auf das Finale", berichten beide. "Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet", fügt Mutter Tina an, "wir wollten einfach nur sehen, wo die beiden stehen. Jetzt heißt es Fahrt und Aufenthalt in Karlsbad zu organisieren. Meine Eltern haben dies übernommen. Da die Entscheidung bereits am Samstagvormittag ansteht, reisen wir am Freitag an. Spannung und Anspannung sind riesig, aber wir freuen uns sehr."
Bange haben alle nicht; denn eigentlich haben die Oerlenbacher Zwillinge schon viel mehr erreicht als erhofft. "Wir genießen Konzert und Karlsbad. Das wird schön, auch wenn es - wie das Hobby insgesamt - ganz schön Geld erfordert", bekennt Tina Baier.



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