Bad Kissingen
Nachwuchsmatinee

Vielversprechendes aus der St. Petersburger Talentschmiede

Manchmal gab's ja schon einen kleinen Durchhänger in Sachen Optimismus bei den Konzerten der Kinder und jungen Leute aus der St. Petersburger Spezialmusikschule.
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Im Künstlerzimmer des Rossini-Saals wird es eng, wenn die jungen Leute aus St. Petersburg kommen. Unser Bild zeigt (von Links): Stepan Armasar, German Skripachev, Anastasia Farrakhova, Alexey Vyakhirev, Maria Pitirimova, Inga Dzektser, Aurelia Shimkus, Uliana Degtiereva (vorne) und Zora Tsuker. Foto: Ahnert
Im Künstlerzimmer des Rossini-Saals wird es eng, wenn die jungen Leute aus St. Petersburg kommen. Unser Bild zeigt (von Links): Stepan Armasar, German Skripachev, Anastasia Farrakhova, Alexey Vyakhirev, Maria Pitirimova, Inga Dzektser, Aurelia Shimkus, Uliana Degtiereva (vorne) und Zora Tsuker. Foto: Ahnert
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Und nicht jeder Auftritt beim Kissinger Sommer führte in logischer Konsequenz zu einer großen Karriere. Aber dieses Mal hatten Zora Tsuker und Inga Dzektser eine sechsköpfige Truppe dabei, bei der man durchgehend ein gutes Gefühl haben konnte - wenn alle dabei bleiben. Dazu kam sozusagen als Special Guest, Aurelia Shimkus aus Riga, bei der sich die Perspektivenfrage eigentlich nicht stellt: Die 17-Jährige aus Riga, die derzeit bei Sergey Osokin an der Hochschule ihrer
Heimstadt studiert, war im vergangenen Oktober Preisträgerin beim Kissinger KlavierOlymp.

Bis zu den Pedalen

Selbst die Jüngste gab bei der Matinee im ausverkauften Rossini-Saal Grund zu Optimuismus: Die achtjährige Uliana Degtiereva hat einen wichtigen Schritt in ihrer Karriere geschafft: Wenn sie sich ganz vorne an die Kante des Klavierschemels setzt und die Knie ganz durchdrückt, kommt sie jetzt an die Pedale. Sie hatte keineswegs ein Kinderprogramm, sondern mit einer Gavotte von Lully, einem Walzer von Chopin und dem Marsch aus Prokofieffs "Musik für Kinder" eine Auswahl. Erstaunlich war, wie sicher und rhythmisch stabil sie trotz ihre noch kleinen Hände spielte, obwohl am ehesten auf den Gnadenbonus des Publikums hätte zählen können. Natürlich ist die Agogik noch angelernt, aber der Klangsinn ist schon beachtlich.

Rückenwind vom Wettbewerb

German Skripachev (*1999) ist seit dem letzten Jahr nicht nur körperlich gewachsen. Er hat an pianistischem Selbstbewusstsein gewonnen, seit er in jüngerer Zeit wichtige Nachwuchswettbewerbe in Moskau und beim Skrjabin-Wettbewerb in Paris gewonnen hat. Seine Auseinandersetzung mit letzterem Komponisten spiegelte sich in einer kraftvollen Interpretation der "Deux poèmes" op. 32 von Skrjabin. Bei Chopins g-moll-Ballade hat er in der Differnziertung noch Luft nach oben.

Alexey Vyakhirev, mit 20 Jahren der Senior der Gruppe, nahm Franz Liszts "Wilde Jagd" wörtlich, spielte mit enormem Zugriff. Der anderen Etüde, "Paysage" hätte ein bisschen mehr Klangzauber gut getan.
Größer hätte der Kontrast nicht sein können, den Aurelia Shimkus entwickelte: Kraftvoll farbig, mit starkem Vortrieb gerieten ihr die drei Etüden op. 65 von Skrjabin, und einen ebenso starken Zugriff entwickelte sie bei Busonis Chopin-Variationen, die geradezu den Geist der Gründerzeit atmeten. Ein bisschen von dieser Kraft hätte man sich bei Chopins Nocturne fis-moll op. 48/2 gewünscht, das im Lieblichen stecken blieb. Ein Nocturne ist schließlich kein Wiegenlied.

Was ein Jahr ausmachen kann, zeigten die beiden Geigerinnen der Truppe. Maria Pitirimova, Jahrgang 2000, spielte Debussys "Clair de lune. Votre âme est un Paysage choisi" und Sarasates Zigeunerweisen op. 20. Sie hat eine verblüffend souveräne Technik und einen sehr guten Ton, der sie auch schwierigste Notentexte sicher und mit blitzsauberer Intonation bewältigen lässt. Aber für Debussy war sie einfach noch zu jung. Sie lässt, wenn sie spielt, absolut nichts aus sich heraus, spielt hermetisch, stark automatisch. Aber: Wenn sie erst einmal verliebt war, noch besser unglücklich verliebt war, dann kommen auch die Emotionen, die aus Noten Musik machen.

Vielleicht schon verliebt?

Ein Jahr älter ist Anstasia Farrakhova. Sie spielte, befeuert von Inga Dzektser am Klavier, Wieniawskis Variationen über ein eigens Thema op. 15 absolut makellos, technisch souverän. Aber sie hatte auch noch den Kopf frei zur musikalischen Gestaltung. War sie schon verliebt?

Stepan Armasar hatte schon 2013 mit seinem chromatischen Knopfakkordeon für Aufsehen gesorgt. Und das tat er auch jetzt mit seinem enorm virtuosen Zugriff und einem starken Balgenspiel bei Angelis' Romanze und Malichs Toccata, bei denen er eine Mühelosigkeit demonstrierte, die hart erarbeitet sein muss.
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