Schon lange vor der Valentin-Weidner-Ausstellung 1992 hatte sich Werner Eberth mit dem 1848 in Würzburg geborenen, damals völlig vergessenen Bildhauer Valentin Weidner befasst. Dessen Vater war Landgerichtsdiener und wurde 1858 nach Kissingen versetzt. Weidner erwarb an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in München den Titel "akademischer Bildhauer". Er war in Kissingen beim damals deutschlandweit bekannten Künstler Michael Arnold angestellt.
Als Michael Arnold 1875 eine Villa in Bocklet kaufte, übernahm Weidner dessen Werkstatt in der heutigen Hartmannstraße. Auf dem Gelände steht heute das katholische Pfarramt.

Ohne Signatur


Bei der Erfassung möglicher Werke von Weidner war Eberth damals schon die Kreuzigungsgruppe im Friedhof Winkels aufgefallen, die aufgrund ihrer Komposition von Valentin Weidner hätte sein können.
Es war ein Werk aus der Zeit nach 1870, das sich in seiner Ausführung von den Standardwerken dörflicher Steinmetze unterschied. Da jedoch keine Signatur zu finden war, wurde die Kreuzigungsgruppe nicht in das Werkverzeichnis aufgenommen.
Eine Wende brachte eine Zuschrift des geschichtlich interessierten Altbürgermeisters von Thundorf, Felix Braun, der in der Saale-Zeitung von 1878 ein Inserat der Gemeinde Winkels gefunden hatte.

"Öffentliche Anerkennung"


Dort heißt es: " "Öffentliche Anerkennung! Von Herrn Weidner, Bildhauer in Kissingen, wurde für den neu angelegten Leichenacker in Winkels ein Crucifix aus dem bekannten Kronunger Stein, und zwei Statuen (Maria und Johannes darstellend) aus einem weißlichen Lothringer Stein gefertigt und daselbst aufgestellt." Die ganze Arbeit müsse als eine vollkommen gelungene bezeichnet werden. Der junge strebsame Künstler habe durch diese Meisterarbeit gezeigt, dass er befähigt und ernstlich bemüht sei, die Kunstidee seines vortrefflichen, zu früh verstorbenen Lehrmeisters Arnold zu erfassen und auszuführen. "Zu dieser öffentlichen Anerkennung fühlt sich verpflichtet der Gemeinde-Ausschuss zu Winkels."
Damit sind laut Eberth zwei Tatsachen geklärt, die Kreuzigungsgruppe auf dem Friedhof zu Winkels stammt von Valentin Weidner und ist 1878 aufgestellt worden, ein Jahr nach dem Tod von Michael Arnold in Bocklet. Damit sei der Eintrag in der Denkmalliste "um 1900" falsch, über die Beurteilung "Maria und Johannes in pathetischer Haltung, allerdings ohne jegliche Räumlichkeit" lasse sich streiten. Man könne die reliefartige Ausbildung der beiden Figuren als originell einordnen.
Im Gegensatz zu dem grünen Sandstein aus Wermerichshausen, der relativ schnell in Schichten abwittert, ist der Sandstein aus Kronungen (Landkreis Schweinfurt) wetterfest, wie der heutige Zustand des Kreuzes und des Kruzifix zeige.

Noch gut erhalten


Die Assistenzfiguren, Maria und Johannes, sind aus Lothringer Sandstein gemeißelt, der nach der Angliederung Lothringens an das Deutsche Reich 1871 leicht zu erhalten war. Der wichtigste Steinbruch ist der von Savonnière, der auch am Aachener Dom verwendet wurde. Weidner hat diesen Stein, den er "Seifenstein" (auf Französisch Savon, Seife) nannte, gern verwendet, denn er lässt sich noch feucht fast schnitzen, härtet jedoch dann aus, wird "steinhart".
Die Wetterfestigkeit von Seifenstein-Statuen beweisen auch die Figuren im Friedhof Winkels, die keine Verwitterungsspuren zeigen. Eine Reinigung von den Algen würde dem Kreuz, dessen Stellenwert durch Nachweis des Bildhauers gewachsen ist, aber gut tun. kew