Zeitlofs
Botanik

Uralt, mystisch, aber unscheinbar

Der pensionierte Lehrer Bernd Otto hat mit Joachim Weichert im Kirchhof seiner Wahlheimat Zeitlofs Farne gesammelt.
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Schattig und feucht lieben es die meisten der Farnarten. Im Zeitlofser Kirchgarten mit der alten Steinmauer finden sie gute Bedingungen zu wachsen. Foto: Julia Raab
Schattig und feucht lieben es die meisten der Farnarten. Im Zeitlofser Kirchgarten mit der alten Steinmauer finden sie gute Bedingungen zu wachsen. Foto: Julia Raab
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Wie vielen anderen Pflanzen haftet auch Farnen eine lange überlieferte Symbolik an. Meist werden den Gewächsen unbewusst bestimmte Eigenschaften zugeschrieben: Pflanzen können Liebe ausdrücken, Trauer, Sehnsucht oder Hoffnung. Dinge, die oft nicht in Worte zu fassen sind, werden mit Pflanzen überliefert. Vieles ist auch in heutiger Zeit leicht zu erkennen, wie der Mann, der seiner Frau eine rote Rose schenkt.
Anderes ist durch Aufklärung und moderne Technik entmystifiziert worden - jedoch kann man sich bis heute nicht ganz der alten Symbolik erwehren.


Zauberkräfte angedichtet

So auch bei den Farnen: Sie wachsen an schattigen Plätzen im Wald, auf feuchtem Untergrund und - was nicht minder wichtig ist für die Symbolik - sie sind giftig und unscheinbar. Als Schatten- oder Hexenpflanze wurden ihr im Mittelalter gar Zauberkräfte angedichtet. Das Sammeln wurde verboten. Allerdings ist das eine regionale Erscheinung. Denn im Gegensatz dazu wird der Farn in Neuseeland als Wahrzeichen gesehen. Auf Fahnen, Banknoten und als Maskottchen für Sportteams sind sie zu finden. Was das Ahornblatt für Kanada, ist der Silberfarn für Neuseeland. Dort konnten sich über Millionen von Jahre riesige Farne entwickeln, die von den Maori als Heilmittel und Gift eingesetzt wurden. Kurzum, die gesamte Kultur Neuseelands rankt sich um die Pflanze.


Gängige und seltene Arten

In Deutschland sieht das anders aus. "Das Spektakuläre fehlt, wie es beispielsweise bei Orchideen der Fall ist. Deshalb werden sie - selbst von Biologen - so stiefmütterlich behandelt", ist sich Bernd Otto, Biologe aus Frankfurt und Zeitlofs, sicher. Um das zu durchbrechen und um seiner Sammelleidenschaft einen Platz zu geben, kann man seit Kurzem im Kirchhof von Zeitlofs eine beachtliche Anzahl von gängigen und seltenen Farnen an einem Ort besichtigen.
Insgesamt zeigt die Sammlung genau 29 verschiedene Arten. Das Besondere? Von den insgesamt in Unterfranken beheimateten 25 Arten hat der pensionierte Lehrer fast alle in den Kirchhof nach Zeitlofs gebracht. Nur eine fehlt noch. "Das ist eine Besonderheit und selbst in Botanischen Gärten in diesem Ausmaß nicht zu finden", erklärt Bernd Otto nicht ohne Stolz. Mit Sicherheit, meint er, sei diese Anlage die erste dieser Art in Unterfranken.


Exemplare auf der Roten Liste

Angefangen hat alles vor vier Jahren, als Otto einen Farn geschenkt bekommen und im Hof seines 400 Jahre alten Hauses direkt neben der Kirche an der Sinn aufgezogen hat. Damit wurde seine biologische Sammelleidenschaft geweckt. "In Deutschland gibt es 80 Farnarten, mit Schachtelhalmen sind es etwa 100", erklärt er. Viele Farne gebe es ausreichend und an vielen Stellen.
Doch einige stehen auf der Roten Liste und es gebe nur einzelne Exemplare davon. Beispielsweise der Ruprechtsfarn: Er wächst in ganz Unterfranken nur an einer Stelle, an der Mauer der Musikakademie in Hammelburg. "Ihn dort zu finden ist allerdings nicht so einfach, denn wenn man nicht weiß, wo genau er wächst, findet man ihn nicht", sagt der Biologe.


Ideale Bedingungen an der Mauer

Irgendwann hatte er die Idee, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Joachim Weichert aus Zeitlofs unterstützte seine Idee und gemeinsam legten sie mit viel Liebe und Geduld das Beet direkt an der Steinmauer des Kirchgartens an. Hier finden sich annähernd ideale Bedingungen für die Pflanzen. Auch an der Mauer selbst haben Otto und Weichert einige der Arten angepflanzt, denn die ursprüngliche Steinmauer ist dafür ein gut geeigneter Lebensraum.


Kostengünstiges Hobby

Bei solchen Raritäten könnte man meinen, dass der Bezug der Pflanzen in den Spezialgärtnereien ganz besonders teuer sein müsste. Doch weit gefehlt. Die Farne kosten zwischen zwei und sechs Euro. Selbst die seltensten Gewächse der Roten Liste kosten gerade mal bis zu zehn Euro, meint Otto. Eigentlich ein kostengünstiges Hobby, wenn man die Besonderheiten der unscheinbaren, aber uralten Pflanzen zu schätzen weiß.
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