Seit 1969 ist Josef Bolz Mesner in der Breitenbacher Kirche, aber das hat der 76-Jährige noch nie erlebt: "Ich glaube, es waren noch nie so viele Kinder in unserer Kirche", staunte er gestern. Anlass: Die Leitung der Schondraer Schule hatte zum ersten Mal einen Wandertag zu sechs der sieben Kirchen im Einzugsgebiet organisiert.
Wochenlang hatten Lehrer und Schüler den Tag vorbereitet: Eine Gruppe sollte mit dem Rad fahren, die Feuerwehr war informiert, um den Verkehr zu regeln, eine zweite Gruppe sollte zum Teil wandern, zum Teil mit dem Bus fahren. Der Regen machte dann aber einen Strich durch die Rechnung: "Was soll ich Ihnen sagen?", meldete sich Schulleiter Otto Granich am Morgen mehrere dutzend Mal am Telefon, als Eltern nachfragten, wie es denn nun weitergehe. Kurz vor 8 Uhr fiel dann die Entscheidung, dass die Schüler mit einem Bus in Etappen von Kirche zu Kirche gefahren werden. "Der Regen war einfach zu stark."
Für Mesner Josef Bolz dagegen war der Regen "göttliche Vorsehung", denn: Ihm hatte niemand bescheid gesagt, dass heute so viele Kinder kommen. "Wenn's nicht gerade geregnet hätte, wäre ich längst nach Brückenau gefahren", erzählt er. So aber schloss er gerade die Kirche in Breitenbach auf, als die erste Gruppe Schüler kam.
"Es gibt viel zu erzählen über unsere Kirche", weiß Bolz aus eigener Erfahrung. Der 76-Jährige führt selbst immer wieder Gruppen oder einzelne Klassen durch das Gotteshaus, das erst 1906 eingeweiht wurde. Aber vor 150 Jugendlichen, wie Kaplan Andreas Kneitz, stand Bolz dabei noch nie. Kneitz ging auf die Geschichte und Bedeutung der Kirche ein, die der Heiligen Familie gewidmet ist. Aline nannte ein paar Daten aus der Historie und las ein Gebet vor. Zudem sangen die Schüler an jeder Station gemeinsam ein Lied, begleitet wurden sie dabei von Lehrerin Ursula Schubert an der Gitarre oder Christl Hentschel an der Orgel.
"Im Vordergrund stehen Heimatkunde und Religion", sagte Schulleiter Otto Granich. Bei schönem Wetter wäre das gemeinsame Radeln oder Wandern ein Nebeneffekt gewesen. "Ich bin selbst neugierig, was dabei rauskommt", will Granich nun die Reaktionen von Lehrern und Schülern abwarten. Auf alle Fälle soll es im kommenden Jahr einen ähnlichen Wandertag geben, auch wenn man sich vielleicht neue Ziele ausdenken müsse: "Ich weiß nicht, ob wir die Schüler im kommenden Jahr wieder für die Kirchen begeistern können", sagt Granich.
Mitmachen konnten die Klassen 4 bis 9. "Die 1. bis 3. Klassen sind daheim", sagte Konrektor Max Mölter, wobei er - nach fast 40 Jahren dort - mit "daheim" die Schule in Schondra meint. Die rund 150 Schüler starteten in der evangelischen Kirche Geroda und fuhren dann zusammen mit mehreren Priestern zu den katholischen Kirchen nach Breitenbach, Oberleichtersbach, Schönderling, Singenrain und Schondra. Nur Modlos fehlte: "Das wäre einfach zu weit gewesen", bedauert Granich.