Riedenberg
Skilift

Und plötzlich war der Lift weg

Erst nahte das Ende des Farnsberg-Lifts, dann kam die Rettung und noch dazu ein glücklicher Geldsegen. Doch der Lift, um den es ging, verschwand derweil nach Rheinhessen. Weiter soll es trotzdem gehen.
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Der alte Farnsberg-Lift ist verkauft. Nun muss ein neuer her, nächste Saison soll es losgehen.  Foto: Archiv/ M. Mahr
Der alte Farnsberg-Lift ist verkauft. Nun muss ein neuer her, nächste Saison soll es losgehen. Foto: Archiv/ M. Mahr
"Ich weiß nicht, was der Skiclub jetzt vorhat", sagt Klaus-Dieter Groß, Pächter des Berghauses Rhön am Farns-berg und ehemaliger Besitzer der Liftanlage. Er klingt etwas verärgert. "Wir machen auf jeden Fall weiter", sagt Werner Nöth vom Skiclub Gauaschach. Er klingt zuversichtlich - und etwas verärgert.
Der Skiclub wollte eigentlich den alten Lift kaufen und ehrenamtlich weiter betreiben. Die Vorfreude war immens, besonders als ein unverhoffter Geldsegen die Finanzierung auf einen Schlag regeln sollte - doch plötzlich war der Lift weg.

Aus privatwirtschaftlicher Sicht hat sich der Liftbetrieb für Klaus-Dieter Groß nicht mehr rentiert. Der Klimawandel setzte der Region zu, an immer weniger Tagen konnte er öffnen. Die Kosten für Instandhaltung und Mitarbeiter blieben. Dazu ist es ist eine leichte Strecke, breit und mit sanftem Gefälle. "Die Anfängerkurse liefen gut, aber die Alpinfahrer kommen nicht hierher", sagt Groß.


Glücklicher Geldsegen

Über 20 Jahre lang hat der Skiclub Gauaschach dort die Anfängerkurse abgehalten. Besonders bei Kindern sind sie sehr beliebt. Der Skiclub wollte den Betrieb übernehmen. "Ehrenamtlich kann es klappen", meinte auch der ehemalige Betreiber Groß. Und die Rettung war nah.

Der Skiclub einigte sich mit dem Landratsamt darauf, dessen Pistenfahrzeuge nutzen zu können. Er entschloss sich, die gut erhaltene Liftanlage von Groß abzukaufen. Ein überraschender Geldsegen kam dem ehrenamtlichen Engagement des Skiclubs entgegen: Mitglied Günter Markard bewarb sich bei der Aktion "Antenne Bayern zahlt ihre Rechnung" - und hat gewonnen! Die 4440 Euro für den Lift waren aufgetrieben.


Dem Ziel so nah

Es konnte losgehen. Heuer im August trafen sich Nöth und Markard vom Skiclub Gauaschach mit Mitarbeitern des Landratsamtes und Klaus-Dieter Groß im Berghaus Rhön. "Hier wurden Zusagen gemacht", sagt Werner Nöth vom Skiclub. "Alles war geklärt", sagt auch Groß, "von unserer Seite aus gab es keine Probleme." Während des Treffens im Rhönhaus habe er aber deutlich darauf hin gewiesen, dass der Lift weiterhin zum Verkauf steht und sich der Skiclub möglichst rasch entscheiden soll.

"Zehn Wochen lang ist nichts passiert", sagt Groß. Der Lift stand derweil auf einer Internet-Plattform zum Verkauf. Der Skiclub Rheinhessen schlug schließlich zu, besuchte den Farnsberg und hat den Lift "direkt vom Fleck weg gekauft", sagt Groß. Mittlerweile ist er abgebaut und wartet in Rheinhessen auf Schnee.

Werner Nöth vom Skiclub Gauaschach bekam das mit. Nach einem klärenden Telefongespräch versuchte Groß, den Lift wieder zurückzukaufen, "aber der war in einem Topp-Zustand, den wollten die nicht mehr hergeben." Nun werde es schwer für den Skiclub, "so günstig werden die keinen Lift mehr kriegen", meint Groß.


Weiter geht es trotzdem

"Einen gebrauchten Lift irgendwo zu kaufen ist nicht so einfach", sagt auch Werner Nöth vom Skiclub Gauaschach. Ein bestehender Lift hat Bestandsschutz, wenn man aber einen alten Lift an einem neuen Standort aufbaut, braucht es neue Sicherheitszertifikate. "Ein Zirkus ohne Ende", sagt Nöth.

Wegen der nötigen Zertifikate und den Absprachen über die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern hat sich laut Nöth die Geschichte so lange hingezogen. Es habe Zusagen gegeben, doch man wollte nochmal alles in Ruhe klären. "Ein Schnellschuss bringt nichts", sagt er. Übel nimmt Nöth dem ehemaligen Liftbesitzer Groß die Geschichte aber nicht. Schließlich hat er auch versucht, ihn zurückzukaufen. Und aufgeben will der Skiclub schon gar nicht. "Wir werden das durchziehen", sagt er. "Dieses Jahr wird es nichts mehr, aber in der nächsten Saison wollen wir dann durchstarten." Um Ostern soll der Plan stehen.

Die Einigung mit dem Landratsamt Bad Kissingen über die Nutzung der Pistenfahrzeuge besteht weiterhin, Sponsoren sind im Gespräch, wegen der Baugenehmigung dürfte es keine Probleme geben, sagt Nöth. Jetzt muss nur noch ein neuer Lift aufgetrieben werden. Auch das Geld von Antenne Bayern kann der Skiclub behalten.

"Eine schöne Geschichte eigentlich", sagt Marcus Sell, der Pressesprecher von Antenne Bayern, der die Gewinn-Aktion begleitet. "Schade, dass es nicht gleich geklappt hat."

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