von unserem Redaktionsmitglied
Joachim Rübel

Alt wie die Menschheit ist der Kampf zwischen Träumern und Realisten. Behalten die Träumer die Oberhand, gibt es manchmal ein böses Erwachen. Setzen sich die Realisten mit ihren meist nüchterne Lösungen durch, bleiben Zweifel und die bange Frage, ob sich der Traum nicht vielleicht doch hätte realisieren lassen.
In Lauter haben sich am Donnerstag abend rund 60 Bürgerinnen und Bürger des Arbeitskreises Dorfladen zusammengesetzt. Was Beiratsvorsitzender Egid Weger zur Finanzierung des Projektes zu sagen hatte, dämpfte die bisherige Euphorie in Sachen Dorfladen gewaltig. Sein Fazit: "Es wäre unverantwortlich, das Ganze nach unseren bisherigen Vorstellungen durchzuziehen."
Die Katzenbacher und Lauterer Initiative wollte einen Neubau. Bestehende Gebäude liegen entweder strategisch zu ungünstig oder sie sind baulich nicht geeignet. Für den Neubau war ein Grundstück im Baugebiet Zeiläcker vorgesehen. Der Gemeinderat zog mit, änderte den Bebauungsplan entsprechend, die Gemeinde wollte sogar für Wegebau-, Kanal- und Wasseranschlusskosten aufkommen. Was die zu erwartenden Gesamtkosten für den Neubau anging, gab es sehr unterschiedliche Angaben: Zwischen 130 000 und zuletzt 427 000 Euro. Die Arbeitsgemeinschaft "Dorfladen KaLau'er" ging von 250 000 Euro aus
Die Stunde der Wahrheit kam nun, als Egid Weger von seinem Gang zur Raiffeisenbank berichtete: Dort hatte man sich intensiv mit dem Ladenprojekt befasst, kam aber zu dem Schluss, dass 250 000 Euro für einen solchen Bau nicht ausreichten. Vielmehr gingen die Banker von 360 000 Euro aus. Die Laden-Initiative hätte einen Kredit in Höhe von 240 000 Euro aufnehmen müssen. Um den Kapitaldienst (Zinszahlung und Tilgung) zu leisten und die Laden-Angestellten zu bezahlen, hätte der Dorfladen 38 000 bis 41 000 Euro pro Monat umsetzen und dabei 20 Prozent Gewinn machen müssen. Selbst Optimisten hielten das für unrealistisch. Ebenso die nüchtern rechnende Bank: sie wollte kein Darlehen geben.
"Weder der Umsatz noch der Gewinn wären beim besten Willen zu erwirtschaften", fasste Weger am Donnerstagabend noch einmal zusammen.
Aber Weger hat sich mit der Bank-Auskunft nicht zufrieden gegeben. Vielleicht könnte man mit weniger als 360 000 Euro auskommen, dachte er und besprach sich mit dem Wollbacher Bauplaner Markert. Der prüfte gründlich - und kam auf 427 000 Euro Gesamtkosten. Nun zweifelte auch Weger am Projekt.
Ein weiteres Problem - selbst wenn die Bank zugesagt hätte - wären die Personalkosten. "Wir sind von vier 400-Euro-Kräften ausgegangen", sagte Weger. "Die müssten dann zuverlässig 30 Stunden pro Woche arbeiten." Hinzu käme noch ein Filialleiter, der den Job wohl kaum für 400 Euro machen würde. Plus Gebäude-Nebenkosten würden pro Monat etwa 7000 Euro anfallen - knapp gerechnet. Wegers Bilanz: "Unser Laden-Projekt ist eine gute und seriöse Geschichte, aber so wie wir es uns gedacht haben, ist es nicht überlebensfähig. Selbst wenn wir Geld von der Bank erhalten hätten, könnten wir das nicht stemmen." Nach seinem Bericht legte Weger den Vorsitz im Beirat nieder. Er arbeitet aber weiter in dem Gremium mit.

"Wie soll es denn jetzt weitergehen?" fragten viele Lauterer und Katzenbacher aus dem Arbeitskreis Dorfladen in der Edelweißhalle nach dem ernüchternden Vortrag von Egid Weger.
Beiratsmitglied Hilbert Zell fand das alles erst einmal nicht so tragisch: "Jetzt sind wir nicht mehr unter Druck und können neu nachdenken." Dorfladen-Projekte andernorts würden zu fast 100 Prozent in bestehenden Gebäuden eingerichtet. Zell weiter: "Und die Bevölkerung muss voll mitziehen."
Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) meinte, man müsse "bei neuen Überlegungen vielleicht die Baustandards nicht zu hoch setzen", die bisherigen Bau-Überlegungen seien jedenfalls "so nicht darstellbar." Egon Gessner regte an, die Verkaufsfläche auf 150 Quadratmeter zu reduzieren, Aribert Bimmel meinte: "Wenn du die laufenden Kosten nicht decken kannst, brauchst du gar nicht erst anfangen."
Mehrere Diskussionsredner regten an, den alten Kindergarten oder die Schule - wenn die nicht mehr gebraucht werde - zu nutzen. Dem entgegnete Bug, dass man die Schule so lange wie möglich erhalten wolle, Egid Weger meinte, dass der bauliche Zustand des Kindergartens zu wünchen übrig lasse, "allein die Heizung verschlingt ein Vermögen." Michael Manger appellierte an das dörfliche Gemeinschaftsgefühl: "Wir müssen noch mehr Interesse wecken" Siegbert Fehr stimmte bei: "Wir bräuchten viel mehr Anteilseigner." Michael Rohner verglich den Ladenbau mit einer Familiengründung: "Sowas ist immer ein Risiko, aber wenn man es nicht eingeht, kommt nie etwas voran." Auch er ist der Meinung, dass mehr Anteilseigner gefunden werden müssten: "Wir sollten unser Marketing verbessern." Reinhold Metz sieht das ähnlich: "Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben." Die bisher gezeichneten Anteilsscheine liegen übrigens sicher bei der Gemeinde. jr