Bad Kissingen
Energie

Teures Gas im Kreis Bad Kissingen frustet Verbraucher

Öl ist so günstig wie seit Jahren nicht. Aber die Gas-Kunden profitieren bislang nicht von fallenden Preisen. Im Gegenteil: Die Tarife der regionalen Stadtwerke sind mehrere 100 Euro teurer als die der günstigsten Anbieter.
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Die Gaspreise sind 2015 im Vergleich zum Vorjahr gefallen. An viele Verbracuher wird das aber nicht weitergegeben. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa
Die Gaspreise sind 2015 im Vergleich zum Vorjahr gefallen. An viele Verbracuher wird das aber nicht weitergegeben. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa
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Der Herbst kommt, es wird kälter - und das Thema Heizen rückt wieder in den Fokus der Menschen. Niedrige Ölpreise sorgen bei vielen Verbrauchern für entspannte Stimmung, schließlich gibt es den Liter derzeit schon für etwa 61 Cent pro Liter (bei etwa 3000 Litern Abgabemenge/Bruttopreis) - rund 20 Cent weniger als vor einem Jahr. So können bei einer Tankfüllung bis zu 600 Euro gespart werden.

Doch was ist mit den Gas-Kunden? Von so einem Preisverfall können sie auch im Landkreis Bad Kissingen derzeit nur träumen. "Wir haben den Gaspreis seit Anfang des Jahres nicht verändert", sagt beispielsweise Norbert Kühnl, Geschäftsführer der Stadtwerke Hammelburg. Ähnlich sieht es bei den Stadtwerken in Bad Brückenau und Bad Kissingen aus.
 


Gaspreis an der Börse gesunken

Generell senken nur wenige Versorger ihre Preise, obwohl auch das Gas an der Börse günstiger geworden ist. Im vergangenen Jahr mussten die deutschen Importeure im Durchschnitt noch 6538 Euro für ein Terajoule (TJ) Erdgas bezahlen, im Mai dieses Jahres nur noch 5686 Euro. Das zumindest belegen Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft. Rohöl verbilligte sich um mehr als das Dreifache.

Gegenwärtig sind viele Gaskunden frustriert, weil sie wenig spüren von den sinkenden Energiepreisen. Während Heizöl für sie viel günstiger ist als vor einem Jahr, beträgt der Rückgang beim Erdgas gerade einmal zwei Prozent.

Wenn der Versorger den Preis nicht senkt, besteht für Gasverbraucher in Franken eine weitere Möglichkeit, Kosten einzusparen: Mittlerweile sind neben dem örtlichen Grundversorger im Schnitt 100 weitere Gasversorger verfügbar, in Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau sind es sogar jeweils weit mehr als 200. Ein Wechsel zu einem alternativen Anbieter birgt ein hohes Einspar-Potential. Ein exemplarischer Gaspreis-Vergleich in Bad Kissingen mit einem jährlichen Gasverbrauch von 18.000 Kilowattstunden zeigt Spar-Möglichkeiten von mehreren 100 Euro bei einem Wechsel aus der Grundversorgung bei den Stadtwerken in einen günstigeren Tarif.

Für viele Verbraucherschützer ist das Gebaren der Energieversorger beim Gas zum Ärgernis geworden: "Wir beobachten, dass die derzeit niedrigen Gaspreise offensichtlich nicht weitergegeben werden", sagt Daniela Czekalla von der Verbraucherzentrale Bayern. Zudem wird kritisiert, dass die Gasversorger ihre Gewinne nicht mit dem Verbraucher teilen würden. Dabei seien sie dazu gesetzlich verpflichtet.
 


Preissenkung angekündigt

Laut Günter Schneider, Stadtwerke-Geschäftsführer in Bad Brückenau, wird noch in diesem Jahr mit einer Preisanpassung geplant. Gleiches kündigt auch Norbert Kühnl für Hammelburg an. Er erklärt, dass für Kalkulation des Gastarifs nicht nur der Einkaufspreis berücksichtigt wird, sondern auch Nutzungsentgelte sowie steuerliche Umlagen. Die nötigen Informationen würden in Kürze vervollständigt. Dann erst können die Stadtwerke einen neuen Tarif berechnen. "Aufgrund der gesunkenen Preise an der Börse gehen wir von einer Senkung aus", sagt der Hammelburger Stadtwerke-Chef.

Ein weiterer Grund, warum die Stadtwerke die Preisentwicklung an der Börse nicht schneller weitergeben, ist ihre Aufgabe als Grundversorger. "Wir müssen das ganze Jahr gewährleisten, dass wir jeden versorgen können", erklärt Kühnl. Der kommunale Versorger kauft das Gas nicht täglich, sondern über einen längeren Zeitraum ein. "Wenn sich an der Börse der Preis ändert, können wir das nicht so schnell weitergeben", betont Kühnl. Davon profitiert der Kunde aber, wenn die Preise steigen.
 


Worauf bei Tarifwechsel zu achten ist

Verbraucherschützer empfehlen wegen der großen Tarifunterschiede zwischen den einzelnen Gasversorgern einen Anbieter-Wechsel. Dabei sollten Verbraucher auf eine Preisgarantie achte, die über mindestens die Vertragslaufzeit hinweg gilt. Außerdem sollten sie auf Vorkasse- oder Kautionstarife verzichten. Des Weiteren sollten möglichst kurze Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen bestehen.

Günter Schneider von den Stadtwerken Bad Brückenau mahnt zu Vorsicht bei großen Preisunterschieden zwischen den einzelnen Gasversorgern. Günstige Angebote seien mitunter schöngerechnet. Und: "Oft handelt es sich um eine Stichtag bezogene Betrachtung", sagt er. Einige Anbieter haben ihre Preise frühzeitig gesenkt, während andere wie die Stadtwerke noch nicht nachgezogen haben. Das erschwert dem Verbraucher die Vergleichbarkeit. "Man muss sich das genau anschauen", meint Schneider.
 


Vermieter auf Wechsel hinweisen

Übrigens: Mieter, die in ihrer Wohnung oder Haus über keinen eigenen Gaszähler verfügen, können ihren Vermieter freundlich auf die Wechselmöglichkeit hinweisen, raten Verbraucherschützer. Damit ein kalter Winter und das Heizen nicht allzu tiefe Löcher in die Haushaltskasse reißt.
 


Ölpreisbindung ade!

Historie Vor fünf bis zehn Jahren galt noch die Ölpreisbindung in Deutschland. Das hatte historische Gründe. Damals ging es darum, die erheblichen Investitionen in Gas-Pipelines, Lager und Infrastruktur abzusichern. Von den Gasquellen in Russland über die Fernhändler und die Energieversorger bis zum Endkunden wurden Gasverträge mit Preisklauseln abgeschlossen, die auf Rohöl oder Ölprodukte Bezug nahmen.

Wettbewerb Die Lieferverträge für Erdgas hatten ursprünglich Laufzeiten über Jahrzehnte. Frei auf dem Energiemarkt verfügbare Mengen gab es kaum. Das ist mittlerweile aber weitgehend vorbei. Längst gibt es mehr Konkurrenz, verflüssigtes Erdgas (LNG), Energiebörsen wie die EEX in Leipzig, überschüssige Mengen und neue Akteure. Kurz: Der Wettbewerb ist eingezogen auf dem Gasmarkt.

Preisentwicklung "Für den Verbraucher ist es letztlich besser, wenn diese unnatürliche Preisbindung zu Ende geht", erklärt Florian Krüger vom Verbraucherportal Verivox. Wenn das Öl wieder teurer werde, müsse der Gaspreis nicht mehr automatisch mitziehen. Tatsächlich war Gas zuletzt während der mehrjährigen Hochpreisphase des Öls als Brennstoff deutlich günstiger für die Verbraucher. Das ist vorbei.

Dateiname : Wechsel Gasversorger Musterbrief
Dateigröße : 27.00 KBytes.
Datum : 23.09.2015 15:11
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