Bad Kissingen
Netzausbau

Südlink: Hausaufgaben für die Planer

Bei der Antragskonferenz zur Stromtrasse Südlink wurden viele Details angesprochen. Die Bundesnetzagentur macht damit das Planungsverfahren transparent.
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Lautstark gegen einen überdimensionierten Netzausbau: Erwin Miller von der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse" bei der Demonstration am Montag. Foto: Ralf Ruppert
Lautstark gegen einen überdimensionierten Netzausbau: Erwin Miller von der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse" bei der Demonstration am Montag. Foto: Ralf Ruppert
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Bis zum frühen Abend dauerte die Antragskonferenz der Bundesnetzagenturam Montag. Umweltauswirkungen und Artenschutz nahmen dabei großen Raum ein. Allein im südlichen Abschnitt der mehrere hundert Kilometer langen Stromtrasse gibt es 34 FFH-Gebiete zum Schutz des Lebensraums besonderer Pflanzen und Tiere und sechs EU-Vogelschutzgebiete.

Das Gesetz sieht vor, dass die Netzbetreiber den gesamten Planungskorridor bewerten - als Entscheidungsgrundlage für die Bundesnetzagentur, die das Planungsverfahren durchführt. Manche Informationen fehlten noch, so mahnte das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen an, dass manche für das Trinkwasser sensiblen Bereiche nicht aufgeführt worden seien. Stefan Runge, der vom Landkreisbündnis "Hamelner Erklärung" beauftragt worden ist, forderte nachdrücklich, den Heilquellenschutz in die Kriterien mit aufzunehmen.

Einen grundsätzlichen Konflikt schilderte Peter Durinke, der ebenfalls das Landkreisbündnis vertrat. Er kritisierte, dass im aktuellen Verfahren viele Fragen nur oberflächlich behandelt würden. Die Ergebnisse - etwa zu schützenswerten Arten oder Schutzgebieten - haben aber bindenden Charakter für die weiterführende Planfeststellung. Es müsse von Anfang an gründlich untersucht werden, appellierte Durinke an die Vertreter der Bundesnetzagentur.


Archäologische Funde erwartet

Eine Lanze für die Landwirtschaft brach Jana Finze vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg. Sie beklagte, dass es keine Aussagen dazu gebe, wie viel Wärme die Kabel im Boden abgeben. Gerade im trockenen Unterfranken aber hänge der Ernteertrag wesentlich mit der Feuchtigkeit zusammen. Zudem sprach sie sich dafür aus, Mindestabstände zu landwirtschaftlich genutzen Höfen festzulegen, um Entwicklungsmöglichkeiten nicht zu beschneiden. Sehr deutlich formulierte sie die Forderung nach einer unabhängigen bodenkundlichen Baubegleitung.

Das sahen auch die Vertreter sowohl der bayerischen als auch der hessischen Denkmalpflege so. "Wir müssen davon ausgehen, dass die gesamte Trasse archäologischer Betrachtung unterliegt", sagte Stefanie Berg-Hobohm vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Wie das vor Ort aussehen kann, berichtete Christian Göb von der Bürgerinitiative "Bergrheinfeld sagt Nein". Beim Bau des Umspannwerks Bergrheinfeld West seien Gräber gefunden worden.


Kritik an Umsetzung der Energiewende

Der Landkreis Bad Kissingen ist vor allem im östlichen Bereich vom Südlink betroffen. Ein Korridor für die Erdkabel verläuft parallel zur A71, streift Oerlenbacher Gebiet und biegt schließlich Richtung Bergrheinfeld ab, wo einer der beiden Endpunkte der Stromtrasse sein wird. Elke Müller von der Bürgerinitiative "Pro Sinntal" rief wiederholt in Erinnerung, dass auch im Westen des Landkreises Planungskorridore verlaufen.

Die Bundesnetzagentur hatte im Vorfeld der Antragskonferenzen darum gebeten, dass grundsätzliche Fragen zur Umsetzung der Energiewende nicht mehr diskutiert werden. Es gehe vielmehr um sachliche Hinweise zur angelaufenen Planung. Auch am Nachmittag hielten sich nicht alle Teilnehmer daran. Die Entscheidung zur Erdverkabelung sei politisch begründet, sagte beispielsweise Herbert Barthel vom Bund Naturschutz. Mit diesem "Trick" sei dem Bürgerprotest der Boden entzogen worden. "Wir verbrennen das Kapital der Bürger", machte Erwin Bayer angesichts der hohen Kosten seinem Ärger Luft.


Verfahrensschritte bis zum Bau der Stromtrasse:

Antragskonferenzen Aktuell veranstaltet die Bundesnetzagentur elf Antragskonferenzen entlang der Trassenkorridore, die für den Bau der Höchstspannungsgleichstromübertragungsleitung (HGÜ) Südlink von den Netzbetreibern vorgeschlagen worden sind. Die Behörde sammelt Informationen und gibt allen Betroffenen die Möglichkeit, sich zu äußern. Die nächste Antragskonferenz findet am 23. Mai in Fulda statt.

Korridore Momentan gibt es verschiedene Trassenverläufe, die vertieft untersucht werden. Es können aber auch noch völlig andere Korridore dazu kommen. Die Thüringer Landesregierung hat dazu heute einen weiteren Vorschlag verabschiedet, der von den bisherigen Trassenverläufen durchgängig abweicht. Ende 2018 soll der grobe Verlauf der Trassenführung feststehen.

Planfeststellung Anschließend legt die Bundesnetzagentur den exakten Verlauf der Stromtrasse innerhalb des Planungskorridors fest. Das könnte ungefähr drei Jahre dauern. Mit dem Baustart von Südlink wird frühestens im Jahr 2022 gerechnet, in Betrieb gehen soll die HGÜ-Leitung 2025.
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