Bad Kissingen
Netzausbau

Südlink: Erdkabel durch Landkreis Bad Kissingen?

Am Dienstag stellte Netzbetreiber Tennet erste Vorschläge zur Erdverkabelung der Höchstspannungsgleichstromtrasse Südlink vor.
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Vorschläge Erdverkabelung Südlink im Landkreis Bad Kissingen;Quelle: Tennet; Grafik: Carolin Höfler
Vorschläge Erdverkabelung Südlink im Landkreis Bad Kissingen;Quelle: Tennet; Grafik: Carolin Höfler
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Das Szenario ist so ähnlich wie vor zweieinhalb Jahren, als diePläne für die Höchstspannungsgleichsstromübertragungsleitung Südlinköffentlich wurden, und doch ist alles ganz anders. Was damals erst langsam durchsickerte, wird heute - eingebettet in den so genannten Dialogprozess - am Besten gleich allen Beteiligten gleichzeitig gesagt.

Die Eckdaten: Im Südlink sind zwei Netzausbauprojekte vereint. Beide führen von Wilster in Schleswig-Holstein gen Süden. Ein Strang endet bei Grafenrheinfeld, der andere bei Großgartach in Baden-Württemberg. Deshalb ist die Breite des Schutzstreifens für die Erdkabel bis Unterfranken auch breiter als bei einfacher Trassenführung: Bis zu 40 Meter werden es während der Bauarbeiten und bis zu 21 Meter nach der Fertigstellung sein. Die Flächen können bewirtschaftet werden, allerdings nur eingeschränkt. So sind tiefwurzelnde Pflanzen tabu.


Gemischte Stimmen im Landkreis

"Wir haben 100 Prozent Erdverkabelung", freut sich Sandro Kirchner (CSU), Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Er schreibt es "der konstruktiven Arbeit unserer Region" zu, dass die Freileitungen vom Tisch sind. Auch Jochen Vogel (CSU), Bürgermeister von Motten und Vorsitzender der Initiative "Rhönlink", sieht diese Tatsache positiv: "Das bezeichne ich als Erfolg. Es wird nirgends die Landschaft verschandelt."

Der ganz große Wurf ist die Entwicklung für den Rhönlink-Vorsitzenden dennoch nicht. Seiner persönlichen Einschätzung nach sei die Methode "Power-to-gas", bei der Strom in Gas umgewandelt und über bestehende Gasleitungen transportiert werden könnte, der technisch sinnvollere Ansatz für die Zukunft. Den Netzausbau mit Erdkabeln nennt er "das, was jetzt möglich ist".


Unverständnis gegenüber Tennet

Landrat Thomas Bold (CSU) begrüßt, dass der zentrale Bereich des Biosphärenreservats ausgespart zu sein scheint. Für ihn war - aufgrund der Nähe zum Einspeisepunkt Grafenrheinfeld - absehbar, dass der Landkreis erneut betroffen sein würde. Zusammen mit 20 weiteren Landkreisen des "Hamelner Bündnis'" kämpfe der Landkreis Bad Kissingen für ein transparentes Verfahren nach objektiven Kriterien.

Als hartnäckig kritische Stimme hebt sich Markus Stockmann ab. "Der Landkreis ist weiterhin massiv betroffen. Das ist nicht das, was wir erwartet haben", sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Der Gegenstrom Elfershausen". Noch am Dienstagabend trifft sich der Vorstand zur Sitzung außer der Reihe, am Mittwoch reisen Stockmann und sein Stellvertreter nach Kassel. Tennet hat Vertreter der Bürgerinitiativen zum Gespräch geladen. "Es ist nicht nachvollziehbar, wie eingeladen worden ist", kritisiert Markus Stockmann, denn die anderen Bürgerinitiativen im Landkreis - in Bad Brückenau und Schondra - haben keine Einladung erhalten, wie die Vorsitzenden gegenüber dieser Zeitung bestätigten.

Elfershausen selbst ist von den neuen Vorschlägen übrigens nicht mehr betroffen. Ein Erfolg? "Was heißt Erfolg", sagt Stockmann, "wir sind von Anfang an zusammengestanden als Bürgerinitiativen, Kommunen und Landkreis, und werden es auch weiter tun". Diese Geschlossenheit sei in der Vergangenheit die Stärke der Region gewesen, nun gehe es darum, Solidarität zu zeigen. Von den Erdkabeln begeistert ist Stockmann nicht. "Ich kann mir das technisch nicht vorstellen, dass Erdkabel durch ein Mittelgebirge wie die Rhön führen."


Mehrkosten tragen Verbraucher

Nun beginnen die Informationsveranstaltungen erneut, auch im Landkreis Bad Kissingen ist ein Termin vorgesehen, der noch bekanntgegeben werden wird. Im Internet können die Bürger schon jetzt ihre Hinweise zu einzelnen Streckenabschnitten abgeben. Im Frühjahr 2017 will Tennet den Antrag auf Bundesfachplanung bei der Bundesnetzagentur stellen, bis zum Jahr 2025 soll Südlink gebaut sein. Ursprünglich sollte das Projekt 2022 fertig werden, dem Jahr, in dem das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen soll.

Auch die Kosten werden durch die Erdverkabelung in die Höhe schnellen: Zehn Milliarden Euro nennt Markus Lieberknecht, Pressesprecher bei Tennet, als Investitionssumme für Südlink. Die Kosten zahlen am Ende die Verbraucher: Etwa 10 Euro Mehrkosten jährlich kommen auf einen durchschnittlichen Haushalt in Deutschland zu, rechnet Lieberknecht vor. Allein für Südlink.


Hier geht's zu den Vorschlägen für die Erdverkabelungvon Südlink vom Netzbetreiber Tennet.

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