Die beiden Notunterkünfte in Bad Kissingen und Hammelburg sind geschlossen, auch andere Unterkünfte für Flüchtlinge schließen mangels Nachfrage. "In Ebenhausen geht es wohl noch ein paar Jahre weiter", vermuten Cornelia Herterich und Maria Wahler, die beiden Sprecherinnen des Helferkreises in der Gemeinschaftsunterkunft in Ebenhausen.
Immer noch ist das alte Wohnhaus in der Bahnhofstraße mit Leben erfüllt. Knapp 60 Personen aus 14 Familien teilen sich die 14 Wohnungen des dreigeschossigen Hauses, das im Dezember 2013 von der Bezirksregierung Unterfranken als zentrale Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge angemietet wurde. Die 30 Kinder und Jugendlichen kommen wie die 30 Erwachsenen aus der Ost-Ukraine und dem Kosovo, aus Armenien, Syrien und Afghanistan. "Früher hatten wir mehr Menschen aus dem Balkan hier, jetzt sind es mehr aus Syrien", hat Herterich festgestellt. Der älteste Bewohner ist über 70 Jahre alt, der jüngste gerade mal zehn Monate.


Hilfe bei sozialen Belangen

Seit bald drei Jahren werden die Flüchtlinge von 30 Freiwilligen betreut. Zweimal pro Woche hat die Caritas Sprechstunde, um den Asylbewerbern bei sozialen Belangen, beim Ausfüllen von Anträgen und bei der Organisation von Arzt- und Behördengängen zu helfen. Wahler: "Wir übernehmen den Transport."
Natürlich stehen auch die üblichen Aufgaben wie Einkaufsfahrten zur Kissinger Tafel, Deutschkurse für die Erwachsenen oder die Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder auf dem Arbeitsplan. Zum Glück verfügt der Helferkreis über fünf pensionierte Lehrer.
"Die Kinder wollen sich integrieren und gehen gern zur Schule", ist die Erfahrung der Helfer. Größer ist das Problem an den Schulen selbst: "Die Lehrer werden allein gelassen", wirft Wahler der Regierung vor. "Es gibt weder zusätzliche Lehrkräfte, noch werden die Lehrer für den Umgang mit Flüchtlingskindern ausgebildet." Die Schulen "stemmen das zwar sehr gut", aber es sei "ein gewaltiger Kraftakt". In der Ebenhausener Gemeinschaftsunterkunft leben aktuell 25 schulpflichtige Kinder und Berufsschüler.
In der Unterkunft läuft alles gut. Es gibt keinen Zank - weder zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten noch zwischen den Religionen. "Unsere Bewohner sind sehr aufgeschlossen", haben die Betreuerinnen festgestellt. Sie nehmen an kirchlichen Veranstaltungen teil und haben sich über den Besuch von Bischof Friedhelm Hofmann gefreut, dem sie selbstgemachtes Gebäck anboten.


Beim Dorffest mit dabei

Leckereien aus ihren Heimatländern gab es auch am eigenen Stand beim Dorffest. Die Flüchtlinge sind aufgeschlossen. Eher gibt es Vorbehalte bei den Einheimischen. "Das hat nichts mit den jüngsten Terroranschlägen zu tun", betont Wahler. Zurückhaltung war schon immer da. Natürlich sind Flüchtlinge im Sportverein aktiv, Kinder lernen in der Blaskapelle ein Instrument oder tanzen im Trachtenverein. Aber sonst gibt es keinen Kontakt nach außen.
"Wohnungen für aufenthaltsberechtigte Flüchtlinge gibt es hier im Ort schon gar nicht," so Herterich. Überhaupt begännen die Probleme der Flüchtlinge erst, wenn sie als solche anerkannt sind und die Gemeinschaftsunterkunft verlassen müssen. "Bei uns werden sie betreut, aber danach fallen sie durchs Netz. Dabei geht dann die Integration erst richtig los", wird Herterich energischer. "Asylanten brauchen massive Hilfe bei Wohnungssuche, Jobsuche und beim selbstständigen Leben unter Deutschen. Die fehlt im Landkreis völlig."
Seit Dezember 2013 wird die Kapazität der Gemeinschaftsunterkunft in Ebenhausen von der Bezirksregierung voll ausgenutzt. Wahler: "Wenn eine Familie anerkannt ist und ausziehen muss, kommt schon die nächste." Momentan ist also nicht mit Schließung zu rechnen. Der Mietvertrag läuft ohnehin bis 2018.
Aber auch danach wird das Haus wohl gebraucht, vermuten Herterich und Wahler. Deshalb würden sie sich freuen, wenn sich Freiwillige als neue Helfer bei ihnen melden. "Nach fast drei Jahren setzen bei den Ersthelfern jetzt langsam Ermüdungserscheinungen ein. Das ist doch verständlich."