Lauter bei Bad Kissingen
Projekt

Stromfressern auf der Spur

Der sparsame Umgang mit den Ressourcen ist Thema in der 3. Klasse. Mit einem Schulungsprogramm werden die Kinder zu Energiedetektiven ausgebildet.
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Xaver misst die Temperatur im Werkraum der Lauterer Grundschule. Lilia und Sina sind erstaunt, wie dunkel es ist. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Xaver misst die Temperatur im Werkraum der Lauterer Grundschule. Lilia und Sina sind erstaunt, wie dunkel es ist. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Im Werkraum der Grundschule ist es dunkel. 80 Lux zeigt das Messgerät an. Xaver, Lilia und Sina sind erstaunt darüber. Dann ziehen sie die Vorhänge auf und messen erneut. Doch die zum Arbeiten erforderlichen 300 Lux werden nicht erreicht. Es ist noch immer zu dunkel in dem Raum. "Hier wird mehr Licht gebraucht. Denn die Bäume vor dem Fenster nehmen das Tageslicht weg", stellt Xaver fest.
Erst als seine Klassenkameraden die Deckenbeleuchtung einschalten, klettert die Anzeige des Lichtmessers auf 297 Lux. Xaver nickt zufrieden.
Ganz anders schaut es kurze Zeit später in der Turnhalle aus. Dort ist es hell genug, jedoch ziemlich warm. "24,3 Grad Celcius sind es hier", sagt Linus, der die Temperatur mit einem speziellen Thermometer überprüft. Marco trägt den Wert in eine Tabelle ein und empfiehlt, die Fenster zu öffnen. Doch das ist gar nicht so einfach. Dann ziehen die Kinder weiter, ins Lehrerzimmer, in das sie normalerweise nicht hineindürfen. Aber heute schon. Schließlich absolvieren sie eine Ausbildung als Energiedetektive und wollen das frisch angeeignete Wissen in die Praxis umsetzen.
Die Theorie hat ihnen in den beiden Tagen zuvor Brigitte Krieglstein vermittelt. Sie ist Fachberaterin vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und schon seit Monaten in den Grundschulen des Landkreises unterwegs, um die Kinder der dritten Klassen zu Energiedetektiven zu schulen. So auch an der Grundschule in Lauter.


Anschauliche Experimente

Hier berichtet sie zunächst vom Klimawandel und der Erderwärmung sowie den daraus resultierenden Umweltproblemen. "Ich fand interessant, als sie uns erklärt hat, wie ein Tornado entsteht und dass der über dem Wasser aufsteigt", sagt Xaver. Parallel dazu erläutert die Fachberaterin die verschiedenen fossilen Brennstoffe sowie die Möglichkeiten, wie erneuerbare Energien gewonnen werden. "Dafür hat sie ein Modell von einem Windrad mitgebracht und wir haben damit Energie erzeugt. So etwas habe ich noch nie gesehen", erzählt Marco.
Zur weiteren Veranschaulichung führt Brigitte Krieglstein auch Experimente mit den Jungen und Mädchen durch. So baut sie mit der Klasse 3 b eine kleine Biogasanlage. Dafür füllt die Fachberaterin eine Plastikflasche mit Salatblättern, Kartoffel- und Bananenstücken, setzt der Mischung noch etwas Zucker und Wasser zu. Dann wird die Flasche mit einem Luftballon verschlossen. Anfangs hängt dieser noch recht schlaff über dem Flaschenhals. Doch nach einiger Zeit am Fenster in der Sonne richtet sich der Ballon auf und wird zusehends praller, da er sich mit Gas füllt.


Eisberge schmelzen schnell

"Ich habe auch schon Pferdemist mitgebracht und untergemischt. Aber damit hatte sich der Luftballon enorm vergrößert, so dass ich befürchtete, er platzt. Deshalb lasse ich das mit dem Mist jetzt lieber weg", erzählt sie. Die Kinder hören mit Begeisterung zu.
Ebenso fasziniert sind sie davon, wie schnell der Eisberg beim nächsten Experiment verschwindet. Dafür hat Brigitte Krieglstein extra eine große Portion Eiswürfel mitgebracht und setzt diese in eine mit Wasser gefüllte Schale. Während die Kinder ihren schriftlichen Wissenstest absolvieren, schmilzt das Eis am Fenster im Sonnenschein und der Wasserpegel in der Schale steigt deutlich an. Traurig stellt Sophie schließlich fest: "Genauso ist es am Nordpol, wo die Eisbären leben. Sie verlieren so ihren Lebensraum."


Warnschilder

Doch die Kinder nehmen sich fest vor, das zu stoppen. Sie sind schließlich Energiedetektive und nun geschult, ebensolche zu sparen. Entsprechend werden die verschiedenen Klassenräume der Schule mit Hinweisen ausgestattet: An den Fenstern platzieren die Jungen und Mädchen Schilder die aufzeigen, wie richtig gelüftet wird und somit Heizungswärme gespart wird.
"Sei ein Fuchs, spare Lux", steht hingegen auf dem Zettel, den sie an den Lichtschaltern der Schule anbringen. Einige nehmen die Kinder auch mit nach Hause, ebenso wie ihre Urkunden und Visitenkarten, mit denen sie sich nun als Energiedetektive ausweisen können. Aber nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrerin Gabi Hansen ist begeistert von dem außergewöhnlichen Unterricht. "Sie haben das Wissen sehr anschaulich rübergebracht. Sie haben vieles angeregt und uns aufgezeigt, wie wichtig es ist, unsere Erde zu schützen", bedankt sie sich abschließend bei Brigitte Krieglstein. Die Fachberaterin wird ihre Tour nun in der Grundschule in Premich fortsetzen und in dieser Woche dort die Drittklässler zu Energiedetektiven ausbilden.
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