Stangenroth
Sanierungsbedarf

Streit um Kreuzweg

Die Stationen am Weg zur Heimkehrerkapelle sind in keinem guten Zustand. Jedoch ist unklar, wer deren Restaurierung finanzieren muss.
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Erich Metz war drei Jahrzehnte als ehrenamtlicher Politiker aktiv. Noch heute setzt er sich für die Belange der Stangenrother ein. Hier steht er an einer maroden Kreuzwegstation an der Langwiesentrift, um deren Instandsetzung ein Streit entbrannt ist. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Erich Metz war drei Jahrzehnte als ehrenamtlicher Politiker aktiv. Noch heute setzt er sich für die Belange der Stangenrother ein. Hier steht er an einer maroden Kreuzwegstation an der Langwiesentrift, um deren Instandsetzung ein Streit entbrannt ist. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Es gibt Streit - zwischen Rathaus und Kirchenverwaltung. Die beiden sind sich uneins darüber, wer Eigentümer der Kreuzwegstationen am Weg zur Heimkehrerkapelle in Stangenroth ist. Schließlich muss der Besitzer für deren Instandsetzung sorgen. Und die ist dringend notwendig. "Hier fehlt schon ein Kopf", zeigt Erich Metz auf eine Station nahe der Kapelle.
Der 84-Jährige war zwischen 1972 und 2008 insgesamt etwa 30 Jahre in der Gemeindepolitik aktiv, unter anderem als zweiter Bürgermeister von Stangenroth und auch der Großgemeinde. Zudem hatte er das Amt als örtlicher Beauftragter der Flurbereinigung Stangenroth inne, die seit 1976 läuft und noch immer nicht ganz abgeschlossen ist. Somit kennt Metz jeden Winkel des Ortes, weiß Geschichtliches, allerhand Politisches und auch, wem welches Grundstück gehört.
Für ihn ist die Sachlage klar. "Um die Stationen muss sich die Gemeinde kümmern, denn sie stehen schließlich auf ihrem Grund. Die ganze Ecke hier gehört der Gemeinde, nicht erst seit der Flurbereinigung", erklärt er. Das dachte auch die Stangenrother Kirchenverwaltung und machte auf den maroden Zustand der Stationen aufmerksam.
Doch bei der Gemeindeverwaltung gelten die Kreuzwegstationen als Eigentum der Kirche. Man habe keine Unterlagen über den Besitz der Stationen gefunden, soll im Rathaus gesagt worden sein. Erich Metz kann darüber nur den Kopf schütteln. "Der Wiederaufbau der Stationen wurde in den 1950er-Jahren vom damaligen Pfarrer Glos ins Rollen gebracht", erinnert er sich. Und da damals Gemeinde und Kirche eng zusammenarbeiteten, wurden die Stationen auch gemeinsam wieder aufgebaut. Schließlich gelten die Originalstationen bis heute als verschwunden. "Ich habe als kleiner Bub zwei davon hier am Wegesrand liegen sehen und darauf gespielt", erinnert er sich.


Im "Dritten Reich" abgebaut

Die ehemaligen Kreuzwegstationen müssen nach seiner Einschätzung um 1800 herum aufgestellt worden sein. "Den Grund weiß ich nicht. Den müsste man in den Matrikeln, die bei der Diözese liegen, nachlesen", so Metz. Damals habe sich an der Stelle eine sogenannte Drift befunden, ein Weg für den Viehtrieb. In den 1930er-Jahren sei das Gebiet vom damaligen Reicharbeitsdienst kultiviert und ein richtiges Wegenetz angelegt worden. "Bei diesen Bauarbeiten wurden die alten Kreuzwegstationen abgerissen", erzählt er.
Jahrelang kursierten Gerüchte, dass Leute sich diese mit nach Hause genommen haben, quasi als Andenken. Doch niemals sei eine solche alte Station in Stangenroth aufgetaucht. Deshalb vermutet Erich Metz, dass sie stattdessen beim Wegebau verwendet, sozusagen mit untergearbeitet worden sind. Aber vergessen haben sie die Stangenrother nie.


Neu geschaffen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst das kleine Bethaus neu aufgebaut, das heute als Heimkehrerkapelle bekannt ist. Einige Zeit später erhielt der örtliche Bildhauer Gebhard Keßler den Auftrag, Entwürfe für dreizehn neue Kreuzwegstationen anzufertigen, die entlang des Weges zur Kapelle aufgestellt werden sollten. Der Stralsbacher Steinmetz Rudi Rost hat diese dann aus Sandstein gefertigt. 1958 wurden die Kunstwerke aufgestellt. "Die Stangenrother Familien haben sie seither gepflegt", weiß Erich Metz. Zudem habe die Flurbereinigung den Wegrand befestigt und somit dafür gesorgt, dass sie sicher stehen.
Heute gelten die Kreuzwegstationen als Baudenkmäler und sind sogar beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unter der Aktennummer D-6-72-117-144 gelistet. Im Eintrag ist nachzulesen: Kapellenweg 9, Langwiesentrift, Eichenacker. Dreizehn Kreuzwegstationen, jede Station in Form einer spitzbogigen Relieftafel mit Bildnische, auf schmalem Rechtecksockel mit Inschrift. Doch heute nur noch zwölf Stationen entlang des Weges zur Heimkehrerkapelle zu sehen.


Grundstück verkauft

"Die erste wurde vor einiger Zeit abgebaut", erzählt Erich Metz. Das Grundstück, auf dem sie stand, wurde verkauft, und der neue Besitzer wollte keine Station in seinem Garten haben. Die Gemeinde habe sie daraufhin im Bauhof eingelagert. "Zwar sollte die erste Station einige Meter weiter auf einem gemeindlichen Eck wieder aufgestellt werden. Aber bis heute ist nix passiert", fügt er hinzu.


Nachfrage im Rathaus

Im Rathaus will man sich auf Nachfrage der Zeitung nicht näher zu dem Streit äußern. "Es gab ein Treffen mit allen Beteiligten, bei dem schon einige Punkte geklärt werden konnten", antwortet zweiter Bürgermeister Daniel Wehner (CSU). Weitere Informationen zum Thema könne Pfarrer Stephan Hartmann geben, der sich kümmern wollte. Der Geistliche bestätigt, dass ihm diese "Hausaufgabe" aufgetragen wurde. Er habe bereits beim Stiftungsrat der Diözese in Würzburg nachgefragt, von dem sich die Kirchenverwaltung in dieser Angelegenheit auch beraten lasse. "Sonst weiß man nichts", so Hartmann.


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