Bad Kissingen
Immobilie

Stadt Bad Kissingen verkauft das Palais Erthal

Die Sanierung des Palais Erthal sollte viel teurer werden als geplant. Deshalb hat der Stadtrat nun einen Schlussstrich gezogen und den Verkauf beschlossen - sogar ohne Auflagen.
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Fotos: Ralf Ruppert
Fotos: Ralf Ruppert
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Lange Diskussion, kurzer Prozess: Seit Jahren zerbrechen sich Stadträte und Verwaltung die Köpfe über die Zukunft des Palais Erthal neben dem Kurtheater. Am späten Mittwochabend ging es in der Stadtratssitzung plötzlich ganz schnell: Nachdem eine 19:9-Mehrheit die deutlich teurere Sanierung ablehnte, stellte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) als logische Konsequenz den Verkauf der Immobilie zur Abstimmung. Ergebnis: 23 Räte votierten für eine Veräußerung ohne Nutzungsauflagen, nur fünf dagegen.

Blankenburg warb vergeblich

"Ich glaube an diese Investition", hatte Blankenburg vergeblich für die Sanierung geworben. Er deutete an, dass eigentlich im Anschluss an den öffentlichen Teil nicht-öffentlich über eine Umsatz-Pacht beraten werden sollte. Ob dadurch jemals die jetzt notwendigen Investitionen gedeckt werden, zweifelte allerdings auch der OB an.
Im März war die Sanierung des Palais Erthal noch auf 330.000 Euro geschätzt worden. Erst danach wurden allerdings für den Bauantrag die Statik des Bauwerks unter die Lupe genommen, ein Brandschutzgutachten erstellt und mit der Denkmalpflege verhandelt. Zudem ging die erste Hälfte der Ausschreibungen raus, allerdings offenbar zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: "Von sieben bis acht zur Angebotsabgabe aufgeforderten Firmen haben nur eine oder zwei ein Angebot abgegeben", berichtete Hans Bauer von der Bauabteilung. Folge: überhöhte Preise.

Auf 460.000 Euro angehoben

Alle Kostenmehrungen zusammen führten jetzt dazu, das das Architekturbüro die Kostenschätzung auf 460.000 Euro anhob. Eigentlich sollte das Kaffeehaus bis Ende März fertig sein, also müssten die Arbeiten bald vergeben werden. Die Verwaltung hatte bereits vor der Sitzung die Ausschreibung weiterer Arbeiten gestoppt und wies das Gremium darauf hin, dass die alten Ausschreibungen aufgehoben und im Januar ein neuer Versuch gestartet werden könnte. "Der Fertigstellungstermin würde sich dann auf September 2015 verschieben", sagte Bauer.

"Kribbeln der Magengegend"

Eine solche Verschiebung und damit die Hoffnung auf niedrigere Angebote spielten in der Diskussion jedoch keine Rolle. Stattdessen gingen mehrere Stadträte von einer weiteren Kostensteigerung auf 500.000 Euro aus, SPD-Stadtrat Thomas Menz hielt sogar 600.000 Euro nicht für unmöglich. "Da kriege ich ein Kribbeln in der Magengegend", fasste er sein Unbehagen zusammen.

"Das können wir uns einfach nicht leisten", sagte auch Stadtrat Klaus Zehe (Freie Wähler). "Uns wäre es am liebsten, die Stadt würde sich von der Immobilie trennen", ergänzte Richard Fix von den Grünen. "Wieso sollen wir uns das ans Bein binden? Das muss verkauft werden", legte sich auch Wolfgang Lutz (CSU) fest.

"Hier hätten wir die Möglichkeit als Stadt, einen Platz neu zu gestalten", versuchte SPD-Stadtrat Klaus Lotter, den Verkauf noch zu verhindern. "Das Café war immer sehr gut besucht", erinnerte seine Fraktionskollegin Karin Reinshagen an bessere Zeiten - und daran, dass bisherige Versuche, das Gebäude zu verkaufen, fehl schlugen (siehe Info-Kasten). Deshalb ging es in der Diskussion auch daraum, ob eine erneute Ausschreibung zum Verkauf mit Nutzungsauflagen sinnvoll sei. Einige Stadträte befürchteten, dass die Immobilie leer stehen könnte, und plädierten für vertragliche Regelungen. "Wir könnten ein Baugebot aufnehmen, allerdings wäre das ein relativ stumpfes Schwert", wies OB Blankenburg jedoch darauf hin, dass die Stadt das Gebäude bei einem Verstoß wohl kaum zurück fordern würde.

Wird der Pächter zum Käufer?

Einen Interessenten gibt es immerhin schon: "Ich kaufe es für einen Euro und renoviere es", sagte Lampis Papadopulus gestern spontan auf Nachfrage. Papadopulus war eigentlich als Pächter vorgesehen und investierte nach eigenen Angaben bereits Zeit und Geld für die Planung, auf deren Grundlage die Stadt das Gebäude ja sanieren wollte. Er bedauert die plötzliche Kehrtwende der Stadt: "Ich finde das schade, ich hatte dort richtig was vor."

Geschichte Das Palais Erthal stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und war einst Sitz der gleichnamigen Adelsfamilie. Später wurde es zu einer Kurpension umfunktioniert. Bis Ende der 1960er Jahre war die Stadtbücherei in dem denkmalgeschützten Gebäude am Theaterplatz untergebracht. Abgelöst wurde die Bücherei durch das damalige Landbauamt. Von 1997 bis 2012 baute Konditormeister Klaus-Peter Borst in dem Gebäude ein Kaffeehaus auf.

Suche Nach dem Ende des Pacht-Vertrages mit Borst suchte die Stadt zunächst erfolglos nach einem Pächter, danach wurde das Palais Erthal zum Verkauf ausgeschrieben - mit der Auflage, dass es gastronomisch genutzt wird. Die Verhandlungen mit dem einzigen Kaufinteressenten scheiterten 2013 jedoch am Preis. Im Frühjahr fand die Stadt dann doch einen Pächter: Lampis Papadopulus und Ilona Paluch, die in Bad Bocklet zwei Cafés betreiben.


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