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Bad Kissingen
Abenteuer

Spurensuche führt nach Bad Kissingen

Fast 1000 Kilometer legte ein polnisches Ehepaar zurück, um in Bad Kissingen eine kleine Reise in die Vergangenheit anzutreten. Für die beiden war ihr Besuch ein absoluter Glücksfall.
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Krzysztof Gutkowski, Claudia Nieland (Mitte) und Ida Zagrzejewska mit dem abgepausten Grabstein des Ururgroßvaters.  Foto: Robert Huger
Krzysztof Gutkowski, Claudia Nieland (Mitte) und Ida Zagrzejewska mit dem abgepausten Grabstein des Ururgroßvaters. Foto: Robert Huger
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Ein bisschen verrückt ist das schon: Über Breslau, Prag und Karlsbad nach Bad Kissingen - per Anhalter. Krzysztof Gutkowski und seine Frau Ida Zagrzejewska aus Warschau sind weit gereist. Zuvor suchten sie im Internet in Polens Nationalbibliothek nach verstorbenen Verwandten.

Dort stießen sie auf den Nachruf von Piotr Kabak, dem Ururgroßvater von Krzysztof Gutkowski. Durch einen Anruf bei der Stadtverwaltung fanden sie heraus, dass Piotr Kabak auf dem jüdischen Friedhof in Bad Kissingen begraben liegt.

Dankbar für Pflege

"Wir waren vielleicht die ersten Menschen, die das Grab besucht haben", sagt Krzysztof Gutkowski auf Englisch, "niemand unserer Familie wusste davon." Es sei außerdem sehr bewegend zu sehen, dass jemand da ist, der sich darum kümmert. Alles sei sehr gut organisiert: Ein Buch mit der Liste der Gräber, der Friedhof ist abgeschlossen und gut aufgeteilt.

"Es ist schön, zu sehen, dass das Grab meines Ururgroßvaters existiert. Das ist fantastisch für mich", sagt Gutkowski. Die Inschrift des Grabsteins haben er und seine Frau Ida Zagrzejewska kurzerhand abgepaust. Davon abgesehen finden sie Friedhöfe generell interessant. Wegen der Architektur und weil man sieht, wie die Menschen mit dem Tod umgehen.

Über die genaueren Umstände des Todes von Piotr Kabak konnten sie allerdings trotz der Hilfe von Michaela Atzler von der Theresienspitalstiftung nichts herausfinden. Auch über den Gründe seines Aufenthalts in Bad Kissingen kann nur spekuliert werden. Vermutlich ist der damalige Kaufmann krankheitsbedingt in die Kurstadt gekommen. Womöglich war der Ururgroßvater wegen geschäftlicher Kontakte auf Bad Kissingen aufmerksam geworden.

Um Geld zu sparen und um gleich Menschen aus der Region kennenzulernen, suchte das polnische Pärchen nach einer Möglichkeit des "Couch-Surfings", also einer kostenlosen privaten Unterkunft, die Menschen via Internet anbieten.

Wohnen wie zu Hause

Solch eine Unterkunft fand sich bei Michael Nieland. Er selbst ist aber gerade in Neuseeland unterwegs, weshalb seine Mutter die Gäste empfing. In Neuseeland wohnt zufälligerweise auch Krzysztof Gutkowskis Tante. So könnte dort im Gegenzug vielleicht auch mal ein Schlafplatz vermittelt werden.

"Wir kamen an, waren erschöpft von der Fahrt, es war dunkel und kalt und wir mussten erstmal diesen Berg hinauflaufen", erzählt Krzysztof Gutkowksi. Gemeint ist der Sinnberg. Von der Innenstadt aus liefen er und seine Frau zu ihrer Herberge. "Die Atmosphäre war großartig", sagt Gutkowski, "es war wie zu Hause."

Auf die Reisenden wartete ein reich gedeckter Tisch mit Raclette und Bier. Claudia Nieland war es auch, die den polnischen Gästen den Besuch der Ausstellung "Jüdisches Leben in Bad Kissingen" ermöglichte. Diese war zum Zeitpunkt des Besuches offiziell nicht geöffnet.

Die beiden Polen sind überzeugt, dass ihr Aufenthalt in Bad Kissingen nicht besser hätte laufen können. "Alle Menschen, die wir getroffen haben, waren die Menschen, die wir treffen sollten", sagt Ida Zagrzejewska.
Sie haben vieles vorgefunden, von dem sie nicht dachten, dass es hier zu finden sei. Zum Beispiel das Nebeneinander verschiedener Religionen.

Natürlich stand ebenso ein wenig Seightseeing auf dem Programm. Claudia Nieland zeigte ihnen Regentenbau, Wandelhalle, Gradierbau und mehr. Krzysztof Gutkowski und seine Frau wollen wieder einmal vorbeischauen. "Ich hoffe, dass wir dann mit unseren Fahrrädern wiederkommen", sagt er, "die Landschaft hier ist perfekt dafür geeignet."

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