Bad Kissingen
Gesundheit

Sommerinterview: Altersmedizin ersetzt Geburtshilfe

Das St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen richtet sein Angebot in Zukunft stärker an den Bedürfnissen älterer Patienten aus. Die ehemalige Geburtshilfe soll im Herbst in eine geriatrische Abteilung umgewandelt werden, erklärt "Eli"-Geschäftsführer Sebastian Güldner.
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"Eli"-Geschäftsführer Sebastian Güldner im Gespräch mit einem Reporter der Saale-Zeitung. Foto: Robert Huger
"Eli"-Geschäftsführer Sebastian Güldner im Gespräch mit einem Reporter der Saale-Zeitung. Foto: Robert Huger
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Sebastian Güldner leitet seit November das St. Elisabeth-Krankenhauses Bad Kissingen und die Ortho-Clinic Hammelburg. Er wurde kurz nach der Übernahme der beiden Kliniken der Rhön Klinikum AG (Bad Neustadt) durch die Heliosgruppe Geschäftsführer und spricht über die schwere Übergangszeit, über die Schließung der Geburtshilfe, die Imageprobleme der Kliniken und darüber, dass sich das "Eli" in Zukunft noch stärker für ältere
Patienten ausrichten wird.



Sie sind jetzt seit neun Monaten als Geschäftsführer verantwortlich. In dieser Zeit mussten sie einige Chefarztposten ersetzen, den Kreißsaal schließen und hatten eine angespannte Stimmung in der Belegschaft. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Es war keine einfache Situation. Der Trägerwechsel wurde in der Öffentlichkeit kritisch aufgenommen. Das ist auch auf die Stimmung im Haus geschlagen. Da waren die Hauptaufgaben in den ersten Wochen und Monaten viel Kommunikation und Aufklärungsarbeit zu leisten, Helios vorzustellen und Helios in der Klinik einzuführen. Das ist uns letztlich gut gelungen. An dieser Stelle mein Dank an die Belegschaft, die hervorragende Arbeit leistet.

Kurz darauf sahen Sie sich gezwungen, den letzten Kreißsaal im Landkreis zu schließen.
Wir waren nicht mehr in der Lage, den Kreißsaal zu betreiben. Wir haben dort vorübergehend pausiert und uns dann für die endgültige Schließung entschieden. Wir haben keine Perspektive gesehen, das Ganze langfristig stabil zu halten. Auch das war eine schwierige Situation, die in der Öffentlichkeit, in der Politik und bei allen Beteiligten kritisch wahrgenommen wurde. Anschließend haben wir entschieden, die Gynäkologie ( Frauenheilkunde , Anm. d. Red.) zu verändern. Wir fokussieren uns stärker auf die operative und minimalinvasive Gynäkologie.

Bei der Diskussion um die Geburtshilfe wurde immer wieder auf das schlechte Image der Klinik eingegangen. Wie kann die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit verbessert werden?
Die Kissinger haben allen Grund, stolz auf die Leistungen am Eli zu sein. Wir versuchen deshalb möglichst transparent für die Öffentlichkeit zu sein und sprechen über die Dinge, die wir tun. Wir halten Vorträge, die auch eine positive Resonanz finden. Wir klären über unser medizinisches Spektrum auf und stellen dar, wie wir die Klinik entwickeln. Dass wir sehr gute Medizin machen, wird unseren Ruf am meisten beeinflussen. Das ist das, was im Gesundheitswesen am meisten zählt.

Wie nehmen Sie jetzt die Stimmung in der Belegschaft wahr?
Ich denke, dass wir jetzt auf einem guten Weg sind und dass es in der Belegschaft mehr Vertrauen zu Helios gibt.

Wie sieht es mit den vakanten Chefarztstellen aus?
In der Gynäkologie haben wir jetzt einen Nachfolger gefunden, der zum 1. September kommt. Er wird dann auch den weiteren Ausbau der Gynäkologie begleiten. Damit wird der Fachbereich wieder voll hergestellt. Auch in der Gastroenterologie (Teilbereich der Inneren Medizin, Anm. d. Red.) hatten wir längere Zeit die Chefarztstelle vakant. Dort gab es Sorge, wie es weiter geht. Wir haben die Nachbesetzung sehr sorgfältig vorgenommen, weil die Gastroenterologie mit über 3000 Patienten eine der größten Abteilungen im Haus ist. Wir haben einen Nachfolger gefunden, der zum 1. Oktober aus Saarbrücken kommen wird. Wir sind froh, dass es eine langfristige Perspektive für die Abteilung gibt. Das schafft letztlich Vertrauen in der Mitarbeiterschaft und sorgt dafür, dass wir bei Helios angekommen sind.

Es hat sehr lange gedauert, bis die freien Stellen besetzt wurden. Gab es Probleme?
Natürlich stehen wir wie alle anderen Kliniken in unserer Größenordnung vor der Herausforderung, gut qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Man muss das Thema aus zwei Perspektiven betrachten. Das eine sind die Führungskräfte, bei denen ich mir die Nachbesetzung nicht leicht gemacht habe, weil ich Menschen brauche, die die Klinik weiterentwickeln und längere Zeit führen wollen. Solche Entscheidungen brauchen Zeit, um den richtigen auszuwählen, der nach Bad Kissingen passt. Das andere sind die Assistenzärzte. Hier machen wir immer mehr positive Erfahrungen mit Kollegen aus dem Ausland. Die Gewinnung von Nachwuchskräften ist aber nicht einfacher geworden, wobei es immer unser Ziel ist, freie Stellen qualitativ hochwertig zu besetzen.

Wohin soll die Reise für die beiden Kliniken gehen, sind bereits die nächsten Schritte geplant?
Alle Abteilungen sind ab Oktober wieder voll aufgestellt. Wir werden in Bad Kissingen eine Akutgeriatrie (Altersmedizin, Anm. d. Red.) eröffnen, die im Laufe des Oktobers starten wird. Hintergrund ist, dass zu uns in die Fachbereiche immer mehr ältere Patienten kommen. Die allgemeine Akutgeriatrie fragt zum Beispiel, wie gehen wir mit Patienten um, die mehrere Medikamente nehmen, bei denen es in der häuslichen Versorgung schwierig ist und bei denen eine Komplexbehandlung erforderlich ist. Wir haben diese Patienten zum großen Teil jetzt schon. Wir sehen sie in unseren Fachbereichen, aber wir können ihnen die Altersmedizin noch nicht zugute kommen lassen. Zusätzlich werden wir in diesem Jahr noch eine Schmerztherapie etablieren. Wir haben immer mehr Patienten mit chronischen Schmerzen, bei denen wir sehen, dass die Fokussierung auf den ärztlich-medizinischen Teil des Schmerzes nicht ausreicht. Wir wollen eine Komplexbehandlung anbieten, die nicht nur den medizinischen, sondern auch den psychologischen Aspekt des Schmerzes einbezieht.

Wo wird die neue Abteilung untergebracht?
Wir werden in einem Teil der ehemaligen Geburtshilfe Räumlichkeiten umbauen, um die Geriatrie anzubieten. Ich bin sicher, dass das Angebot den Patienten in Bad Kissingen zu Gute kommen wird.

Eine Geriatrie anstelle der Geburtshilfe? Ist das nicht zynisch?
Es spiegelt die demografische Entwicklung in Bad Kissingen wider. Dementsprechend entwickeln wir unser Angebot weiter. Gerade in Bad Kissingen ist der Bedarf gewachsen. Es geht daher um einen konsequenten Ausbau unseres medizinischen Konzepts und nicht um den Abbau von Kapazitäten.

Andere ansässige Kliniken sind von den Plänen wahrscheinlich weniger begeistert, wenn sie mit Helios in Konkurrenz treten müssen.
Wir sehen, dass wir im Bereich der Schmerztherapie wie auch in der Geriatrie in einzelnen Punkten in Konkurrenzsituationen kommen können. Ich glaube aber, dass sich die Angebote sehr gut ergänzen. Im Bereich Akutgeriatrie sind wir die einzige Klinik am Standort, die nächste gibt es in Schweinfurt. Ansonsten gibt es in der Region nur geriatrische Rehabilitation. Bei der Schmerzmedizin bieten wir einen ganzheitlichen Ansatz an, von dem ich denke, dass die Vorteile durch die Zusammenarbeit mit anderen Häusern überwiegen werden.

Die Ortho-Clinic in Hammelburg bietet nur tagsüber eine Akutversorgung an und ist nachts zu. Ist die Rund-um-die-Uhr-Notambulanz in Bad Kissingen gefährdet?
Die Notaufnahme im Eli ist und wird dauerhaft geöffnet bleiben und es wird keine Beschneidung der Öffnungszeiten geben. Wir erfüllen da eine ganz wichtige Funktion für die Menschen in Bad Kissingen und Umgebung.

Die Fragen stellte Benedikt Borst.


 
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