"Was gibt's Neues vom Biosphärenreservat?" Mit dieser Frage heizte Klaus Klüber aus Breitenbach die Diskussion bei der Bürgerversammlung am Montagabend gegen Ende richtig an. Denn der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft in Breitenbach teilte mit anderen Zuhörern die Befürchtung, dass die Jagd in der Kernzone des Biosphärenreservats nicht mehr oder zumindest nur eingeschränkt ausgeübt werden darf.

Bürgermeister Walter Müller (CSU) versuchte zu beruhigen: "Wenn das Jagdverbot kommt, machen wir als Gemeinderat nicht mit." Als die Gemeinde Oberleichtersbach vor gut zwei Jahren über die Einführung einer Kernzone informiert wurde, sei noch keine Rede von einem Jagdverbot gewesen. Darüber regte sich auch Reinhart Heinz aus Oberleichtersbach auf.

"Werden dann auch keine Besucher mehr reingelassen?", wollte Bernd Hornung aus Oberleichtersbach wissen. Ludwig Weber (FWG Unterleichtersbach) verneinte, die Wanderwege würden auf jeden Fall erhalten bleiben. Immerhin, so hieß es damals von der Biosphärenreservats-Verwaltung, sollen die Bürger die unbewirtschaftete und rund 80 Hektar große Kernzone jederzeit sehen können. Walter Müller klang da schon etwas skeptischer: "Im Gespräch mit einem Förster ist mir schon anderes zugetragen worden. Wir werden nicht zustimmen, wenn das nicht völlig geklärt ist."


Bürger wollten nicht ins Biosphärenreservat



Bernhard Knüttel aus Oberleichtersbach ärgerte sich: "Die Bürger wollten damals gar nicht ins Biosphärenreservat rein." Auch Klüber machte seiner Wut Luft: "Was ist überhaupt der Nutzen vom Biosphärenreservat?" Darauf hatte nicht einmal der Bürgermeister eine konkrete Antwort: "Da tu' ich mir auch schwer damit." Die Oberleichtersbacher Gemarkung umfasst rund 2700 Hektar. Müsste die Gemeinde drei Prozent unbewirtschaftet lassen, wären dies gut 80 Hektar. Das wäre ein Drittel des 250 Hektar großen, aber verstreut liegenden Gemeindewaldes.
Siegfried Schaupp aus Unterleichtersbach kam auf die Kläranlage zu sprechen: "Immer mehr Werte werden von oben herab vorgegeben. Es gibt immer strengere Abwasserwerte." Manche Bürger könnten das nicht mehr bezahlen. Müller besänftigte, dass sich die Gemeinde aufgrund der Förderung noch in einer glücklichen Lage befände. Außerdem: "Wir werden keine Beiträge erheben, sondern das Ganze auf Gebühren umlegen."

Auch das Thema Windkraft beschäftigte die Gemüter bei der Bürgerversammlung. Erneut gab Klaus Klüber den Anstoß dazu. "Das ist ein zweischneidiges Schwert. Wir werden uns nur dafür einsetzen, wenn die Gemeinde und die Bürger etwas davon haben", erwiderte Bürgermeister Müller. Als mögliche Fläche diskutierten die Bürger den Ehrberg. Allerdings sprechen hier gleich mehrere Gründe dagegen. Nicht nur, dass der Wind nicht ausreicht und die Fläche exakt in der Flugschneise von Unterleichtersbach liegt, vor allem die Landschaftsschutzbestimmungen und der Regionalplan Rhön verbieten eine solche Anlage. Müller: "In der Gemeinde-Allianz wollen wir jetzt aber versuchen, eine Lockerung der Naturparkverordnungen herbeizuführen."

Mögliche Flächen würden an der Autobahnauffahrt oder zwischen Schildeck und Berghaus liegen. "Das ist weg von der Zivilisation, da haben wir keine Probleme mit dem Geräuschpegel und Schattenwurf", argumentierte Müller. Das alles stünde ihm zufolge aber noch in weiter Ferne.

Ob es jetzt künftig immer nur noch eine Bürgerversammlung für alle Ortsteile gibt, fragte sich Reinhart Heinz. Bürgermeister Müller erklärte: "Wie ihr bestimmt alle wisst, war es mir wegen gesundheitlicher Probleme nicht anders möglich. Das war jetzt eine Ausnahmesituation."


Wichtige Zahlen und Fakten der Bürgerversammlung:



Statistik 2011 gab es in Oberleichtersbach 13 Geburten und 17 Sterbefälle. Die Gemeinde registrierte 49 Zuzüge und 71 Wegzüge. Bürgermeister Walter Müller traute sieben Paare.

Demographie Die demographische Entwicklung wird beeinflusst von der Lebenserwartung, der Geburtenrate und dem Wanderungssaldo. Der langfristige Rückgang der Einwohnerzahl und die kontinuierliche Alterung sowie Internationalisierung der Bevölkerung sind laut Walter Müller die Folgen.

Einwohner Die Gemeinde hat 2033 Einwohner, 23 weniger als im Vorjahr. In Oberleichtersbach leben 668 Personen, in Modlos 346, in Unterleichtersbach 341, in Breitenbach 267, in Mitgenfeld 260, in Dreistelz 53, in Aspenmühle 36, in Buchrasen 32 und in Haghof 12.

Altersstruktur 55 Einwohner der der Gemeinde sind unter 3 Jahre, 53 bis 6 Jahre, 106 bis 10 Jahre, 122 bis 15 Jahre, 251 bis 25 Jahre, 532 bis 45 Jahre und 567 bis 65 Jahre. 329 Einwohner sind älter.

Haushalt Kurz stellte Bürgermeister Walter Müller den Haushalt des vergangenen Jahres vor. Die Einnahmen im Verwaltungshaushalt lagen bei 3,63 Millionen Euro, ebenso die Ausgaben. Steuern nahm die Gemeinde 2011 2,48 Millionen Euro ein. Die Einnahmen in Vermögenshaushalt lagen bei 1,47 Millionen Euro, wie auch die Ausgaben. 2011 hatte Oberleichtersbach 1,27 Millionen Euro Schulden. Pro Kopf sind das 570,88 Euro. Für Investitionen gab die Gemeinde 1,48 Millionen Euro aus.

Dorffeste Das Dorffest in Mitgenfeld zum 1175-jährigen Bestehen ist am 26. und 27. Mai, die 1200-Jahr-Feier in Oberleichtersbach am 7. und 8. Juli. Am 9. Juni findet in Oberleichtersbach bereits ein Kommersabend statt. Geschichtskreise erarbeiten zur Zeit Heimatbücher für beide Ortsteile. Das Fest in Oberleichtersbach wird mit zahlreichen Ständen sowie einem mittelalterlichen Markt über das ganze Dorf verteilt sein. Zum Teil spielen Musikanten auf Bühnen, zum Teil sind sie unterwegs.