Nüdlingen

Sein krankes Herz hat sie gestärkt

Jens ist 14 Jahre alt und hat schon eine Organtransplantation hinter sich. Annett Pöpplein hat ihre persönlichen Erfahrungen mit der Krankheitsgeschichte ihres Sohnes in einem Buch verarbeitet.
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Die Lebensgeschichte ihres Sohnes Jens (links) hat  Annett Pöpplein aufgeschrieben. Der heute 14-Jährige hat bereits eine Herztransplantation hinter sich.  Das Buch "Das halbe Herz" präsentierte die Autorin in der Nüdlinger Bücherei. Foto: Arthur Stollberger
Die Lebensgeschichte ihres Sohnes Jens (links) hat Annett Pöpplein aufgeschrieben. Der heute 14-Jährige hat bereits eine Herztransplantation hinter sich. Das Buch "Das halbe Herz" präsentierte die Autorin in der Nüdlinger Bücherei. Foto: Arthur Stollberger
Es ist eine "Überlebensgeschichte" die Annett Pöpplein zu erzählen hat. Denn ihr heute 14-jähriger Sohn Jens lebt mit einem Spender-Herz. Ihr Buch hat die Autorin in der Gemeindebücherei in Nüdlingen vorgestellt.
Die 48-Jährige ist die Tochter des früheren SPD-Gemeinderats Heribert Pöpplein. Sie bekennt sich dazu, etwas vom Charakter ihres Vaters übernommen zu haben. Wie er wollte sie nie klein beigeben. Sie hat verwandtschaftliche Beziehungen nach Nüdlingen, wo eine Tante lebt. Die Autorin ist mit einem Holländer verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in der Nähe von Darmstadt. Außerdem bestehen noch Freundschaften zu ehemaligen Schulkollegen. Auch die Moderatorin des Abends, Susanne Wiedemann, stammt aus Nüdlingen.

Den Job aufgegeben


Wegen des schweren, angeborenen Herzfehlers ihres Sohnes Jens hat sie ihren Beruf als Übersetzerin und Mitarbeiterin in der internationalen Marktforschung aufgegeben und verlegte sich aufs Schreiben. Zudem engagierte sie sich im Bundesverband herzkranker Kinder. Dort ist sie auch Vorstandsmitglied. Auch hat sie ein Psychologiestudium begonnen und ist gerade dabei, ihre Doktorarbeit zu schreiben. Annett Pöpplein hatte zunächst darüber nachgedacht, ob sie die Geschichte ihres Sohnes schreiben soll. Schließlich fasste sie den Entschluss und zog sich auf eine dänische Insel zurück. Dort begann sie, "die Rohfassung einfach runter zu schreiben.
Ich habe das Buch nicht für mich selber, sondern für die Leser geschrieben", sagt sie heute. Im Nachhinein wurde ihr klar, dass es auch um das Verarbeiten des Erlebten gegangen ist. Ein halbes Jahr nach der Erstfassung las sie den Text wieder und wieder und schrieb ihn um.

Am liebsten habe sie die Vormittagsstunden zum Schreiben genutzt. In der Zeit, als ihre Kinder die Schulbank drückten, als sie die Muße dazu fand. "Das Schreiben macht mir unheimlich Spaß", sagt Annett Pöpplein. Herausgekommen sei kein trauriges, sondern ein fröhliches Buch, selbst wenn es um den Wert des Lebens und die Frage der Organtransplantation gehe, erklärt Moderatorin Wiedemann. Annett Pöpplein erzählt, dass ihr Sohn Jens, der mit einem "halben Herzen" geboren wurde, bereits als kleines Kind sehr viele Herzoperationen durchzustehen hatte. "Das Kind hat so viel geleistet und mich selbst stärker gemacht", sagt sie voller Bewunderung für Jens' Lebensmut. Sie habe sich bemüht, das Buch so zu schreiben, dass es dem Leser Spaß macht. Gleichzeitig soll die Überlebensgeschichte ein klares Plädoyer für die Bereitschaft zu Organspenden sein.

Für bessere Kommunikation


"Was mir am Herzen liegt, ist die Verbesserung der Angehörigenbetreuung", macht die Autorin deutlich. Und sie fügt hinzu: "Unsere Ärzte haben keine Ausbildung, mit den Leuten zu reden". Sie wolle sich dafür einsetzen, dass die Kommunikation verbessert werde. Nicht ohne Kritik beschreibt sie die räumliche Enge und die veralteten Krankenhauseinrichtungen in der Transplantationsklinik für Kinder. Sie stammten aus dem Jahr 1956. Mehrere Textpassagen lassen die diffusen Ängste deutlich werden, die stets mit einer Organtransplantation verknüpft sind. Nervenaufreibend seien die Wartezeit und die Ungewissheit.

Die Bereitschaft zu Organspenden sei deshalb nicht größer, sagt Annett Pöpplein, weil es an Informationen in der breiten Öffentlichkeit fehle. Außerdem sei der kürzlich bekannt gewordene Skandal bei der Zuteilung von Organen schädlich gewesen. Mit ihrem Buch möchte die Autorin gegen die Vorurteile ankämpfen und hat ihre Erlebnisse aus dem Jahr 2003 niedergeschrieben, als ihr Sohn Jens ein Spenderherz bekommen hat. Nicht leicht sei es gewesen, einen Verlag für ihr Manuskript zu finden, sagte sie Autorin. Doch schließlich habe es geklappt.

Annett Pöpplein beantwortete nach der Lesung auch Fragen aus dem Publikum. Dabei sprach sie sich für eine stärkere Konzentration der Organtransplantationen aus. Leider wolle heute jede Uniklinik das Schild an der Tür haben: "Wir transplantieren." Auch Sohn Jens sprach mit den Besuchern. Er nimmt durchaus am Schulsport teil, darf sich aber nicht überlasten. Für seine Zukunft schätzt er: "Ich werde wohl in 20 Jahren ein zweites Herz brauchen."
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