Bad Brückenau
Südlink

Seehofer: "Neue Trassen nicht notwendig"

Mit Spannung erwarteten die Südlink-Gegner in der Rhön den Besuch von Horst Seehofer in Bad Brückenau. Der Ministerpräsident zeigte sich bürgernah und stellte sich hinter die Forderungen der Menschen. Dabei ist noch nichts entschieden...
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Ministerpräsident Horst Seehofer (links) spricht zu Demonstranten in Bad Brückenau. Daneben Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (von links), Rhönlink-Vorsitzender Jochen Vogel und Markus Stockmann von der Bürgerinitiative "Der Gegenstrom Elfershausen". Foto: Ulrike Müller
Ministerpräsident Horst Seehofer (links) spricht zu Demonstranten in Bad Brückenau. Daneben Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (von links), Rhönlink-Vorsitzender Jochen Vogel und Markus Stockmann von der Bürgerinitiative "Der Gegenstrom Elfershausen". Foto: Ulrike Müller
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Eigentlich sagt Horst Seehofer (CSU) alles, was die Demonstranten hören wollen. "Für die Energiewende sind nach meiner Überzeugung neue Trassen nicht notwendig", ruft der Ministerpräsident. Hoffnung steht auf den Gesichtern der Menschen geschrieben. Sie wollen, dass die Gleichstromtrasse Südlink, die überwiegend Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren soll, doch nicht gebaut wird.

BIs stärken Seehofer den Rücken

"Wir sind nicht aus der Atomkraft ausgestiegen, um in Kohlekraft einzusteigen", macht sich Seehofer die Argumente der Bürger zu eigen. Die Landschaft und die Natur seien "unser großer Schatz". Seehofer sagt auch, dass er nicht allein entscheiden könne, ob Südlink nun gebaut wird. Es komme auch auf die Koalitionspartner in Berlin an. Weil der Protest gegen neue Leitungen so groß ist, will Seehofer eine Abmilderung der Pläne für Bayern erreichen.

Deshalb möchten die Bürgerinitiativen (BIs) ihm danken. Rund 120 Menschen stehen vor der TV-Halle, in der am Samstag der Bezirksparteitag der CSU Unterfranken tagte. Die Demonstranten halten ihre Schilder hoch. "Südlink Nein!", "Keine Trasse durch die Rhön" und "Der Sinngrund ist keine Alternative", stehen darauf. Die Stimmung ist positiv. Schon im Vorfeld hatten die BIs klar gemacht, dass sie Seehofer den Rücken stärken wollen.

Bürger fordern Gesamtkonzept

Markus Stockmann von der BI "Der Gegenstrom Elfershausen" ergreift stellvertretend für alle unterfränkischen BIs das Wort. Er fordert ein Gesamtkonzept für die Energiewende und spricht sich für den Schutz des Biosphärenreservats Rhön aus. Dann präsentieren Ingo Queck, Vorsitzender der BI "Sinntal gegen die Stromtrasse", und Reiner Morshäuser, Kopf der BI "Schondra gegen Südlink" einen Korb voller Geschenke - "zur Stärkung" für die anstehenden Verhandlungen in Berlin.

Die Lebensmittel im Korb gleichen einem Streifzug entlang des geplanten Trassenkorridors: Spargel, Schinken und Honig aus Bergrheinfeld, Wurst und Brot aus Wasserlosen, Wein aus Elfershausen, Schnaps aus Schondra und Bad Brückenauer Wasser "für eine klare Entscheidung, für uns und unsere Heimat", ruft Stockmanns ins Mikrofon. Landrat Thomas Bold (CSU) unterstützt die Forderungen der Bürger. "Wir sind schon viel weiter gekommen, als wir es uns hätten vorstellen können."

Seehofer lobt Stil des Protestes in Unterfranken

Horst Seehofer steht da, wie man es aus dem Fernstehen kennt. Den Mund leicht zusammengekniffen, die Schultern angezogen. Er dankt den Bürgern für ihren Einsatz. "Bleiben Sie bei dieser Art und Weise des Protests", sagt Seehofer. Das sei für ihn mehr Verpflichtung, als wenn andere Formen des Protestes gewählt würden.

Was Seehofer den Menschen nicht sagt, ist, dass die CSU für den geplanten Ausbau der Stromnetze mit verantwortlich ist. Die Stromtrasse Südlink ist im Bundesbedarfsplangesetz verankert, beschlossen mit den Stimmen der Bayern. "Wir stehen für das gleiche Ziel", ruft Seehofer den Demonstranten zu. Unklar bleibt, ob er damit ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Energiewende meint, oder lediglich, dass Südlink gebaut wird - nur eben um Bayern herum.

Dann trägt sich Seehofer noch ins Goldene Buch der Stadt ein und verschwindet in der TV-Halle. Dort tagt bis zum Mittag der Parteitag des CSU-Bezirksverbandes Unterfranken. In seiner Rede schwört Seehofer die Delegierten auf die CSU-Linie ein und wiederholt die bekannten Positionen seiner Politik. Kurz vor 11:30 Uhr bricht der Ministerpräsident auch schon wieder auf. Er muss weiter, nach Nürnberg.


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