Bad Brückenau
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Schutzengel für Saudi-Arabien

Ein Manager der Augenklinik Riad war zu Gast in der Capio Franz von Prümmer Klinik.
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Die Patienten wie hier Helga Kirchner (rechts) werden mit speziellen Armbanduhren ausgestattet, die ein Signal absenden. David Martin (links) erklärt Abdulrahman Al-Hommadi aus Saudi-Arabien und Klinikchefin Sabine Hein, wie das funktioniert. Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
Die Patienten wie hier Helga Kirchner (rechts) werden mit speziellen Armbanduhren ausgestattet, die ein Signal absenden. David Martin (links) erklärt Abdulrahman Al-Hommadi aus Saudi-Arabien und Klinikchefin Sabine Hein, wie das funktioniert. Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
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Er interessierte sich besonders dafür, wie in dem Krankenhaus das Sicherheitssystem für Demenzkranke der Firma Martin funktioniert.
Helga Kirchner geht mit ihrem Rollator durch eine große Glastür. Prompt wird ein Alarm ausgelöst. Im Flur leuchtet eine rote Lampe auf. Auch auf das Stationstelefon wird ein Signal übertragen. Sofort kommen zwei, drei Schwestern angelaufen, schauen nach, was los ist. Doch es gibt Entwarnung.
Denn diesmal war es ein falscher Alarm. Schließlich hat Helga Kirchner die Station auf Bitte der Klinikchefin Sabine Hein verlassen.
Anlass ist Abdulrahman Al-Hommadi, ein Besucher aus Saudi-Arabien. Er interessiert sich für das Schutzengelsystem der Capio Franz von Prümmer Klinik, das die Bad Brückenauer Firma Martin Elektrotechnik entwickelt und installiert hat. Schließlich ist Al-Hommadi Research Manager der größten Augenklinik im arabischen Raum, des King Khaled Eye Special Hospital in Riad. Täglich werden dort etwa 1000 Patienten ambulant in der Tagesklinik operiert, 250 weitere werden parallel dazu stationär behandelt. Darunter sind auch einige Patienten, die an Demenz erkrankt sind.


Effektives Problem

"Ich habe schon viel über das Schutzengelsystem gehört und heute gesehen, wie es eingesetzt wird", sagt der saudische Gast in englischer Sprache. Das System sei sehr effektiv und besonders für die Betreuung von älteren, dementen Patienten geeignet. Denn die gebe es in seiner Klinik, die das größte Spezialkrankenhaus zur Behandlung für Augenerkrankungen im Mittleren Osten ist, auch. Immer wieder würden Patienten davonlaufen, erzählt er.
Für Abhilfe könnte das Schutzengelsystem sorgen, dass in der Capio Franz von Prümmer Klinik schon seit etwa fünf Jahren angewandt wird und laut Klinikleitung rund zwei Mal im Monat auslöst. Dabei trägt der betreffende Patient eine spezielle Armbanduhr. Diese gibt ein Signal ab, sobald sein Träger die Station verlässt. Denn an Demenz erkrankte Menschen gehen gerne auf Wanderschaft, haben häufig die Orientierung für Zeit und Raum verloren.


Magnetischer Schlüssel

Doch eine ständige personelle Überwachung können die Kliniken und Betreuungseinrichtungen nicht leisten, weshalb sie auf spezielle Hilfssysteme wie das der Firma Martin angewiesen sind. Auch die persönliche Freiheit des Patienten wäre mit einer ständigen Begleitperson enorm eingeschränkt. "Selber an- und ablegen können die Patienten die Armbanduhr aber nicht", erklärt David Martin, Juniorchef der Firma, der den Gast aus Saudi-Arabien begleitet. Dafür ist ein spezieller magnetischer Schlüssel notwendig, den wiederum Seniorchef Dieter Martin erfunden hat. Wie dieser funktioniert, führen Schwester Christine Hildenbrand und Patientin Helga Kirchner auch gleich vor.
Abdulrahman Al-Hommadi verfolgt das Geschehen sehr aufmerksam. Er ist nicht der erste arabische Interessent für das aus Bad Brückenau stammende System. "Erst im vergangenen Jahr haben wir eine Behinderteneinrichtung im Oman damit ausgestattet", erzählt Firmenchefin Annette Martin nicht ohne Stolz. Möglich wurde diese Geschäftsverbindung über die Nahost-Experten der Firma Trapp Networks in Nürnberg. "Zudem war mein Sohn auf einer arabischen Gesundheitsmesse", fügt sie hinzu.


Thema Sicherheit

Der 28-Jährige David Martin hat das Fach "International Business" in Nürnberg studiert, ist somit sowohl mit dem internationalen Parkett als auch der englischen Sprache bestens vertraut. Ursprünglich hatte er nicht geplant, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Schließlich war das Unternehmen ein ganz normaler Handwerksbetrieb in Bad Brückenau. 2002 hat sich Firmengründer Dieter Martin erstmals mit dem Thema Sicherheit für Demenzkranke befasst und daraus das Schutzengelsystem entwickelt.
Inzwischen hat sich der Betrieb auf diese Nische spezialisiert, ist eine von etwa vier, fünf Firmen dieser Art in Deutschland. "Mittlerweile haben wir über 1500 Einrichtungen überwiegend im deutschsprachigen Raum, Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit unserem Schutzengelsystem ausgestattet", so Annette Martin. Sohn David hat sich schließlich vor drei Jahren entschieden, einzusteigen. Nicht zuletzt, weil die Anfragen aus dem europäischen und arabischen Raum zunahmen.
Ob sich nun Abdulrahman Al-Hommadi und das King Khaled Eye Specialist Hospital für das Schutzengelsystem der Bad Brückenauer Firma entscheiden werden, lässt sich momentan schlecht voraussagen. "Zunächst müssen wir Vertrauen zueinander aufbauen", erklärt David Martin, wie Geschäfte mit Arabern funktionieren. Und das kann dauern. Außerdem sei momentan das Gesundheitssystem, das bisher vom Staat alleine finanziert wird, im Umbruch. "Wenn jedoch die Qualität stimmt, dann spielt Geld bei den Saudis keine Rolle", so der Juniorchef.

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