Oerlenbach
Bildung

Schule muss immer öfter erziehen

Oerlenbachs Rektorin schlägt Alarm: Die Schülerinnen und Schüler an den Mittelschulen werden im Durchschnitt immer schwieriger. Eine Fachkraft für Jugendsozialarbeit soll helfen, der Gemeinderat stimmte zu.
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Etwa ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler an der Mittelschule in Oerlenbach könnten der Rektorin zufolge profitieren, wenn sie von einer Fachkraft für Jugendsozialarbeit betreut würden. Foto: Stefan Geiger
Etwa ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler an der Mittelschule in Oerlenbach könnten der Rektorin zufolge profitieren, wenn sie von einer Fachkraft für Jugendsozialarbeit betreut würden. Foto: Stefan Geiger
"Der Wandel der Gesellschaft macht auch vor unserer Schule nicht Halt. Erziehungsprobleme nehmen zu, die tägliche Unterrichtsarbeit leidet darunter. Es wäre toll, wenn wir durch eine Fachkraft Jugendsozialarbeit unterstützt würden." Dieser Bitte von Rektorin Sonja Then öffnete sich der Gemeinderat einstimmig und beauftragte die Verwaltung, die Einstellung einer Halbtagskraft für das nächste, beziehungsweise übernächste Schuljahr vorzubereiten.

Unterrichtszeit geht verloren

"Die Thematik stand bei der Schulleiterdienstbesprechung im Mittelpunkt, nachdem sich die Schullandschaft in den letzten zehn Jahren stark gewandelt hat", erklärte Sonja Then zu Beginn. Als Gründe nannte sie immer mehr Alleinerziehende und Patch-Work-Familien, Einfluss der Medien per Handy und Facebook und Verfall von Werten wie Pflichtbewusstsein, Rücksichtnahme und Höflichkeit. Neue, zusätzliche Herausforderungen ergäben sich durch die Inklusion.
"Wir Lehrer werden zunehmend Sozialarbeiter. Der Unterricht leidet immer wieder unter Störungen. Wichtige Unterrichtszeit geht verloren", berichtete die Rektorin und listete respektloses Verhalten, Lügen, ohne mit den Wimpern zu zucken, Mobbing, körperliche Gewalt, versteckter Vandalismus und Schulschwänzen auf. Manche Jugendliche seien erziehungsunfähig oder -unwillig.
"Auch wir in Oerlenbach leben nicht auf einer Insel der Glückseligen. Noch halten sich die Problemfälle in Grenzen, aber wir haben sie und sie nehmen zu. Wir versuchen viel aufzufangen, aber wir schaffen nicht alle Sorgen", berichtete Sonja Then weiter und bat Bürgermeister und Gemeinderäte um Unterstützung in der Jugendsozialarbeit "JaS". Diese könne rasch und unbürokratisch helfen und als Schnittstelle zwischen Familie, Schule und Berufsfindung dienen.
"JaS fördert Entwicklung, Bildung und Hinführung in die Arbeitswelt, baut Gewalt und Aggressionen ab, mindert physische und psychische Beeinträchtigungen und wirkt Schulverweigerung und Abschlussgefährdung entgegen", erklärte Sonja Then und hob als obersten Grundsatz hervor: "Jugendsozialarbeit an einer Schule ist kein Makel, sondern ein Qualitätsmerkmal."
Die Finanzierung einer Vollzeitkraft förderten Bayern mit 16 360 Euro und der Landkreis mit 20 000 Euro im Jahr. Die Gemeinde sollte ebenfalls 20 000 Euro beisteuern und ein freier Träger zehn Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 63 000 Euro.
Vom Gemeinderat kamen nur positive Reaktionen. "Wir wollen den guten Ruf unserer Mittelschule festigen", betonte Benedikt Kessler. Reinhard Landgraf regte an, dass die Gemeinde die schwierige Erziehungsarbeit flankierend mittragen solle. "Grundsätzlich sage ich Ja zu JaS, um die Situation jetzt zu verbessern und nicht erst, wenn die Sorgen größer geworden sind", empfahl Andreas Kukuk (FWG Eltingshausen).
Auf die Frage nach der Zahl schwieriger Schüler nannte die Rektorin bei Berücksichtigung aller Vorfälle etwa ein Drittel. "Mit einer Halbtagskraft wäre uns sehr geholfen", rundete die Rektorin ab. Diesem Wunsch entsprach das Gremium.



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